US-Finanzinvestor: Übernahmekampf um Software ist abgesagt – Bain Capital verkauft Anteile an Silver Lake
Die Firma könnte von Silver Lake übernommen werden.
Foto: IMAGO/ZoonarDüsseldorf, Frankfurt. Der Übernahmekampf um die Software AG ist beendet. Der Finanzinvestor Bain Capital kündigte Montagabend an, sein Aktienpaket an den Konkurrenten Silver Lake für 32 Euro pro Anteil zu verkaufen. Damit gab Bain den Plan auf, den SDax-Konzern selbst zu kaufen und ihn mit seiner Beteiligung Rocket Software zu fusionieren. „Leider waren wir mit unseren Bemühungen nicht erfolgreich“, erklärte Rocket-Software-Gründer Andy Youniss.
Für Silver Lake ist der Weg zu einer Mehrheitsübernahme damit frei. Die auf Technologie fokussierte Private-Equity-Gesellschaft hat sich mit dem Bain-Aktienpaket einen Anteil von 41 Prozent gesichert. Über eine 2021 gezeichnete Wandelanleihe könnten weitere zehn Prozent dazukommen, wenn auch zu einem deutlich höheren Preis. Der Investor will der Software AG, die seit Jahren unter schwachem Wachstum leidet, mit Geld und Expertise zu neuem Schwung verhelfen. Dazu will Silver Lake die Software AG so schnell wie möglich von der Börse nehmen.
Die Aktie der Software AG fiel Dienstagvormittag um bis zu 1,9 Prozent auf 31,66 Euro. In den vergangenen Wochen hatte Bain mit seiner Ankündigung, bis zu 36 Euro pro Aktie zu bieten, den Kurs zwischenzeitlich über die Marke von 35 Euro getrieben.
Aktionäre hatten die Software AG auf der Hauptversammlung im Mai heftig dafür kritisiert, so früh und eindeutig Partei für Silver Lake ergriffen und die Alternativen nicht wirklich geprüft zu haben. Die Software AG verhinderte, dass Bain eine Buchprüfung durchführte, die Bain allerdings zur Voraussetzung für ein eigenes Gebot gemacht hatte. Feindlich wollte Bain die Sache nicht ausfechten, weshalb sich der Investor für den Rückzug entschied.
Unter anderem hatten mit dem Londoner Vermögensverwalter Schroders und Harris Associates zwei der größten Software-AG-Aktionäre das Vorgehen des Software-AG-Vorstands gerügt. Viele Investoren sehen zudem einen Interessenkonflikt bei Software-AG-Aufsichtsratschef Christian Lucas.
Als höchstes Organ der Gesellschaft ist er angehalten, im Interesse aller Aktionäre zu handeln und bei einem Verkauf den höchsten Preis herauszuholen. Da Lucas aber auch Silver-Lake-Manager ist, hatte er gleichzeitig ein Interesse an einem niedrigen Kaufpreis. Die Software AG verweist darauf, dass sich Lucas ab dem Kauf eines 25-prozentigen Aktienpakets der Software AG von der Stiftung des Gründers nicht mehr an Übernahmegesprächen beteiligt hatte.
„Für den Kapitalmarktstandort Deutschland ist der Fall Software AG ein fatales Signal“, sagte ein Investor. Der Deal zeige, dass man sich mit der entsprechenden Chuzpe nicht an die normalen Regeln halten müsse.
Anders als Silver Lake wollte Bain die Software AG nicht als eigenständiges Unternehmen erhalten, sondern mit seinem Portfoliounternehmen Rocket Software fusionieren, das ebenfalls Geschäftsanwendungen entwickelt.
Kritikern zufolge sicherte sich Christian Lucas, seit der Zeichnung der Wandelanleihe in stetigem Kontakt mit der Software AG, schnell den 25-prozentigen Anteil der Stiftung, als er von den Planungen Bains erfuhr. Damit hatte er Fakten geschaffen, die es Bain von vorneherein schwer machten.
Bain zwang mit dem in Aussicht gestellten Angebot Silver Lake zwar, das eigene Angebot von ursprünglich 30 Euro je Aktie nachzubessern. Auch setzte die Ankündigung Silver Lake so unter Druck, dass der Investor schließlich auf die Annahmeschwelle von 50 Prozent verzichtete. Am Ende entschied sich Bain aber gegen eine eigene Offerte. Bain hätte den Weg über eine Sonderprüfung der Beschlüsse der Software AG gehen können, was dem Investor aber letzten Endes als zu mühsam erschien.
Um bis zum Abschluss der Übernahmeofferte am 28. Juni noch so viele Aktien wie möglich einzusammeln, macht Silver Lake den Minderheitsaktionären in einer Pressemitteilung nun Druck: Sollten sie nicht andienen, bestehe die Gefahr, dass sie später nur einen niedrigen Preis für ihre Aktien bekommen könnten, insbesondere da die Liquidität nach dem Verschwinden des Papiers vom Kurszettel sehr gering sein werde.