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VWMarkenchef Thomas Schäfer drängt Management in Brandrede zu Sparkurs

„The roof is on fire“: Angesichts der mauen Nachfrage schwört der VW-Chef seine Führungsmannschaft auf harte Zeiten ein – und stellt alle Ausgaben auf den Prüfstand.Lazar Backovic 13.07.2023 - 09:00 Uhr Artikel anhören

„Die nächsten Wochen und Monate werden sehr hart.“

Foto: Reuters

Düsseldorf. Bei Volkswagen herrscht kurz vor den Werksferien keine Urlaubsstimmung. Das zeigte sich Anfang der Woche bei der Managementinformation (MMI) – einer digitalen Zusammenkunft der weltweiten Führungskräfte des Dax-Konzerns.

Eine gute Stunde lang bläute VWs Führungsspitze um Markenchef Thomas Schäfer den etwa 2000 zugeschalteten Managern ein, wie ernst die Lage bei Deutschlands größtem Autobauer gerade ist. „The roof is on fire“ („Das Dach brennt lichterloh“), warnte der 53-Jährige Teilnehmern zufolge in einer Brandrede auf Englisch. Zuerst hatte das „Manager Magazin“ darüber berichtet.

Weiter hieß es demnach: „Die Zukunft der Marke VW steht auf dem Spiel.“ Für das Unternehmen würden es „sehr harte“ nächste Wochen und Monate. Das Umfeld, in dem sich VW befinde, sei „nicht weniger als ein perfekter Sturm“.

Um den Ernst der Lage zu unterstreichen, gab Schäfer in dem Call einen sofortigen Ausgabenstopp aus, der bis Ende des Jahres gelten dürfte. „Wir lassen die Kosten an vielen Stellen zu hoch laufen“, sagte Schäfer. Alles stehe jetzt auf dem Prüfstand, heißt es aus Wolfsburg – von Dienstreisebudgets bis hin zu Veranstaltungen. Nur gesetzlich vorgeschriebene Ausgaben und große Investitionen sind noch erlaubt. Eine solche Regelung gab es zuletzt während der kritischen Anfangsphase in der Coronapandemie.

Schäfers Folgeredner, Markenfinanzchef Patrik Andreas Mayer und Ex-Chinachef Stephan Wöllenstein, sollen ähnlich drastische Töne angeschlagen haben, berichten Zuhörer der Veranstaltung dem Handelsblatt. Finanzchef Mayer habe vorgerechnet, ohne das China- und das Teilegeschäft bleibe gewinnseitig kaum noch etwas übrig. „Unser Fahrzeuggeschäft ist krank“, soll Mayer die Lage beschrieben haben. Vom „last call“ für VW – einem „letzten Weckruf“ – soll die Rede gewesen sein.

Volkswagen: Thomas Schäfer gibt Management Hausaufgaben mit in den Urlaub

Der Grund für die scharfe Rhetorik: Derzeit stockt die Nachfrage bei der Marke Volkswagen gewaltig. Vor allem bei den strategisch wichtigen Elektromodellen ist die Nachfrage auf Sicht gering – auch wenn derzeit noch viele Restaufträge abgearbeitet werden. Spätestens im Herbst dürfte der Ernst der Lage offensichtlich werden, heißt es aus unterschiedlichen Ecken im Konzern.

Zwar haben auch andere Wettbewerber derzeit Probleme, ihre E-Autos unter die Leute zu bringen – und selbst bei VWs Ertragsbringer Porsche ist zuletzt der Absatz des elektrischen Taycan zurückgegangen, wie die Stuttgarter am Mittwoch mitteilten. Dennoch verdient die Konkurrenz im volumenträchtigen Massengeschäft unterm Strich mehr als Volkswagens Kernmarke mit ihrer aufgeblähten Kostenstruktur.

6,5
Prozent Rendite
hat sich die Kernmarke VW für 2026 vorgenommen, aktuell liegt sie eher bei drei Prozent.

6,5 Prozent Rendite hat sich die Kernmarke für 2026 vorgenommen, aktuell liegt man in Wolfsburg eher bei drei Prozent. Einen „ordentlichen Klimmzug“ nannte Schäfer sein selbst gestecktes Ziel bereits. Nun scheint es so, als ob durch die maue Nachfrage zum Fitnessprogramm noch ein paar Gewichte dazugekommen wären.

VW soll zehn Milliarden Euro mehr in drei Jahren erzielen

Nach der Sommerpause geht das Management mit dem Betriebsrat in Verhandlungen, um über weitere Details des „Performance-Programms“ bei VW zu beraten. Zehn Milliarden Euro Ergebnisverbesserung soll die Marke schon in drei Jahren schaffen. Schäfers Rede ist ein deutliches Signal an VWs Mittelmanager: Zieht mit! Man brauche den „VW-Teamgeist“ jetzt mehr denn je, so der Manager in seiner Brandrede.

Am Ende gab Schäfer seiner Führungsmannschaft noch eine Aufgabe mit in die Ferien: Alle sollten sich schnelle Maßnahmen – „quick wins“ – in ihren Bereichen überlegen, die dabei helfen könnten, dass VW seine Ziele erreiche. „Unsere Strukturen und Prozesse sind immer noch zu kompliziert, zu langsam, zu unflexibel.“ Das fängt im Mittelmanagement womöglich schon an.

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Erstpublikation: 12.07.2023, 18:38 Uhr.

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