Märkte Insight: Die US-Börsen laufen heiß
Seit Langem bereitet es Investoren Sorgen, dass die US-Börse und damit bis zu einem gewissen Grad der gesamte Weltaktienmarkt zu sehr von einigen wenigen Unternehmen getrieben wird, erklärt Handelsblatt-Redakteur Frank Wiebe.
Foto: APFrankfurt. Der unabhängige US-Analyst Ed Yardeni warnt: „Der S&P 500 ist heiß. Die Nasdaq ist noch heißer. Damit wachsen die Sorgen, dass beide Indizes überhitzen könnten, was in einem Aufbäumen des Aktienmarkts enden könnte, der dann einen Einbruch nach sich zieht.“
Etwas Abkühlung, wie sie sich am Montag beim Deutschen Aktienindex (Dax) zeigte, ist daher durchaus willkommen. Wobei den Anstoß dafür schwächere Daten in China gaben, die vor allem Luxusaktien und damit auch den französischen Leitindex CAC 40 trafen. Beide Indizes lagen am Montag im Minus, der CAC allerdings deutlicher als der Dax. An der Wall Street tendierten die wichtigsten Aktienindizes am Montag im frühen Handel leicht im Plus.
Aber wie geht es weiter? Yardeni glaubt: ungefähr so wie bisher. Er sieht zwar die Risiken eines Rückschlags an den Börsen, glaubt aber, dass gute Unternehmensergebnisse die US-Aktien noch mindestens bis Ende des Jahres auf Trab halten. Er rechnet mit durchschnittlich 225 Dollar Gewinn je Aktie im breiten S&P-500-Index für das laufende Jahr, mit 250 Dollar für 2024 und 270 Dollar für 2025.
Dabei geht er davon aus, dass wie bisher vor allem die großen Tech-Werte die Entwicklung treiben werden. In diesem Zusammenhang rechnet der Experte mit einer Verschiebung, die eine gute Nachricht für die Kurse wäre: Zum ersten Mal seit Langem scheinen die Aktien kleinerer US-Unternehmen etwas aufzuholen.
In der vergangenen Woche legte der S&P 600, der die kleinen Unternehmen beinhaltet, um 3,1 Prozent zu, der S&P 400 für mittlere Firmen um 2,7 Prozent und der bekannte S&P 500 mit den 500 größten Werten nur um 2,4 Prozent.
US-Börse von wenigen Unternehmen getrieben
Seit Langem bereitet es Investoren Sorgen, dass die US-Börse und damit bis zu einem gewissen Grad der gesamte Weltaktienmarkt zu sehr von einigen wenigen Unternehmen getrieben wird. Eine Verbreiterung des Aufschwungs wäre wünschenswert.
Auf der anderen Seite darf aber nicht übersehen werden: Die Kursprognosen von Optimisten wie Yardeni beruhen auf der Annahme, dass die US-Wirtschaft die Straffung der Geldpolitik und die damit dramatisch gestiegenen Zinsen gut verträgt.
Yardeni sieht nur eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent dafür, dass es zu einer Rezession kommt. Weil die Geldpolitik häufig erst mit Monaten Verzögerung in vollem Umfang in der Realwirtschaft ankommt, ist aber noch keineswegs ausgemacht, dass es auch wirklich so glatt läuft. Wenn nicht, werden viele kleinere Unternehmen, die besonders von der US-Binnenkonjunktur abhängen, leiden.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine neue Gewichtung des Nasdaq 100. Dieser wichtigste Tech-Index wird mit Wirkung ab dem 24. Juli erst zum zweiten Mal seit über 20 Jahren „rebalanced“.
Dabei wird die Gewichtung der sieben größten Aktien, die bisher 56 Prozent des Indexes ausmachen, auf 44 Prozent gestutzt. Es handelt sich um Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Tesla und Meta. Apple und Microsoft zum Beispiel verlieren jeweils rund vier Prozentpunkte, sodass die Apple-Gewichtung auf etwa zwölf Prozent sinken würde und die von Microsoft auf zehn Prozent, wie Goldman Sachs berechnet hat. Im Gegenzug gewinnen kleinere Tech-Werte an Gewicht.