Handelsblatt-Musterdepots: Das Dynamik-Depot: Defensive Ausrichtung zahlt sich aus
Die Strategen (v. l.): Laetitia-Zarah Gerbes (Acatis Investment), Gabriele Hartmann (Perspektive Asset Management) sowie David Wehner (Do Investment)
Foto: privatMünchen. Noch vor gut drei Wochen wurden die Kapitalmärkte von einem überschwänglichen Optimismus angetrieben. Kapitalmarktstrategen der großen Investmentbanken kassierten ihre konservativen Prognosen für die Jahresendstände an den Aktienmärkten ein beziehungsweise hoben diese prozyklisch an.
Asset-Manager setzten in den letzten Monaten verstärkt auf steigende Kurse an den Börsen und positionierten sich dementsprechend. Zudem lagen die Kosten für Absicherungsgeschäfte auf einem mehrjährigen Tiefststand.
Diese Euphorie führte dazu, dass die Aktienmärkte einen Großteil der im Jahr 2022 entstandenen Verluste wieder aufholen konnten. Die Allzeit-Höchststände im S&P 500 und Nasdaq 100 waren zum Greifen nah. Der Dax konnte in dieser Phase sogar mehrfach neue Allzeit-Höchststände ausbilden. Eine Entwicklung, die grundsätzlich nicht zum Konjunkturumfeld und zur gestrafften Geldpolitik passte.
Die Aktienmärkte waren spätestens Ende Juli aufgrund der beschriebenen Gemengelage reif für eine Korrektur und die Stimmung drehte tatsächlich Anfang August, pünktlich zum Beginn der saisonal schwächsten Monate an der Börse. Denn der August und der September sind oft für eine Überraschung gut.
Allerdings dürfen wir bis hierhin festhalten, dass die Korrektur an den internationalen Aktienmärkten nicht durch eine Überraschung ausgelöst wurde, sondern vielmehr durch die Fokussierung des Marktes auf altbekannte Risiken. Die Konjunkturentwicklung in Europa und China ist seit Monaten abwärtsgerichtet.
Kursgewinne realisiert
Zudem bereitet der bröckelnde Immobilienmarkt in China den Kapitalmarktteilnehmern erneut Kopfzerbrechen. Und aufgrund des Inflationsumfelds und der weiterhin starken Konjunkturdaten in den USA sind der Fed geldpolitisch die Hände gebunden.
In dem in dieser Woche veröffentlichten Fed-Protokoll der Juli-Sitzung hielt sich die US-Notenbank die Tür offen für weitere Zinserhöhungen. Zudem belasten die steigenden Renditen für lang laufende Staatsanleihen und die Aufwertung des US-Dollars die Risikobereitschaft der Investoren. Die Konsequenz: Die Aktienmärkte befinden sich im Korrekturmodus.
Aufgrund meiner defensiven Positionierung im Dynamik-Depot sehe ich der in Gang gesetzten Korrektur an den Börsen gelassen entgegen. Der Aktienanteil liegt momentan bei niedrigen 45 Prozent. Ich habe in den vergangenen Monaten immer wieder steigende Kurse für Verkäufe genutzt.
In den vergangenen Wochen habe ich diese Strategie fortgesetzt und die guten Quartalsergebnisse von Alphabet und Novo Nordisk dazu genutzt, Kursgewinne zu realisieren. Diese beiden Unternehmen werde ich wieder in das Portfolio aufnehmen, aber hoffentlich zu einem günstigeren Preis beziehungsweise einer faireren Bewertung.
Der Anteil der kurz laufenden Anleihen, die ich mit zwei ETFs darstelle, liegt in etwa auf dem Niveau des Aktienanteils bei 45 Prozent. Die Anleihen-ETFs stellen mit einer Rendite von 3,5 Prozent eine stabile Ertragsbasis für das Dynamik-Depot dar.
Das Gold-Gewicht liegt derzeit bei 6,5 Prozent. Das Edelmetall hat in dem momentanen Kapitalmarktumfeld seine Schwierigkeiten. Die steigenden Renditen und der starke US-Dollar führen zu einer Konsolidierung beim Goldpreis. Ich werde weiter fallende Kurse für Zukäufe nutzen.
200-Tage-Linie als wichtige Unterstützung
In den nächsten Wochen erwarte ich eine Fortsetzung der Korrektur an den Aktienmärkten. Die europäischen Aktienindizes befinden sich seit April in einem volatilen Seitwärtsmarkt und es scheint so, als ob sie nach unten ausbrechen. Im Dax ist die 200-Tage-Linie, die in etwa bei 15.000 Punkten liegt, eine erste wichtige Unterstützung. Je nach Szenario sind allerdings auch Notierungen bei 13.000 Punkten in den nächsten Monaten alles andere als unwahrscheinlich.
Für die USA bin ich mit Blick auf die nächsten sechs bis zwölf Monate alles andere als optimistisch. Die US-Wirtschaft wird sich Europa und China anschließen. Ein sogenanntes „soft landing“ schließe ich aus, vielmehr erwarte ich eine Rezession in den nächsten Quartalen. Der steile Zinsanhebungszyklus wird seine Wirkung entfalten und die Konjunktur bremsen.
Der S&P 500 wird meiner Meinung nach kurzfristig das Niveau von 4200 bis 4250 Punkten erreichen. Ähnlich wie bei den europäischen Aktienindizes sind tiefere Notierungen nicht auszuschließen.
Ein wesentlicher Faktor für die weitere weltwirtschaftliche Entwicklung und die Kursentwicklung an den Börsen wird die Reaktion Chinas auf die schwachen Konjunkturdaten sein. Im Dynamik-Depot denke ich in Szenarien mit dem klaren Ziel, eine stärkere Korrektur an den Aktienmärkten zur Erhöhung des Risikos zu nutzen. Bis dahin bewahre ich Geduld.