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LufthansaNeue City Airlines startet wohl später

Mit der geplanten Fluggesellschaft will das Management die Kosten bei den Zubringerverkehren drücken. Doch noch fehlen Gerät und Cockpitpersonal.Jens Koenen 25.08.2023 - 08:12 Uhr Artikel anhören

Die Lufthansa-Führung will die Kosten für die Zubringer-Flüge nach Frankfurt und München senken. Eine Möglichkeit: die neue Fluggesellschaft City Airlines.

Foto: AP

Frankfurt. Eigentlich sollte City Airlines zügig mit Zubringerflügen zu den Lufthansa-Drehkreuzen beginnen – am besten schon in diesem Sommer. Doch bislang sucht der jüngste Spross der Lufthansa dafür nicht einmal neue Mitarbeiter. Auf der entsprechenden Karriereseite heißt es zwar „Alle aktuellen Stellenausschreibungen werden hier ab Sommer 2023 zu finden sein“. Doch die Seite ist leer. Das hat einen Grund: Die neue Fluggesellschaft wird ihren Betrieb wohl mit Verspätung aufnehmen – wann, ist offen.

Bisher fehlen der Airline nicht nur Cockpitpersonal, sondern auch Flugzeuge. Nur eine Airbus A319 hat City Airlines bisher in der Flotte – ein Muss, um die Betriebserlaubnis des Luftfahrtbundesamts zu sichern. Bei Lufthansa will man sich aktuell nicht zu dem Thema äußern. Priorität hätten jetzt erst einmal die sogenannten Redaktionsgespräche mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), heißt es. Dort sollen die Details der Tarifeinigung festgezurrt werden, die die Cockpitbesatzungen der Kernmarke Lufthansa und der Frachttochter Lufthansa Cargo kürzlich mehrheitlich abgesegnet haben.

Beide Themen hängen zusammen – über verschlungene Wege. Teil des Tarifkompromisses ist es, dass Piloten der geschlossenen Tochter Germanwings zurück zur Kernmarke Lufthansa Airlines wechseln können. Das war lange umstritten, weshalb die Germanwings-Piloten rund drei Jahre bei vollen Bezügen ohne Arbeit bei einer Beschäftigungsgesellschaft geparkt waren.

Der Grund: Es handelt sich um Cockpitbesatzungen, die wie die Kollegen von Lufthansa Airlines bezahlt werden. Bei Germanwings stiegen sie aber schneller zum Kapitän auf. Mit ihrer Rückkehr zur Kernmarke überholen sie dort Copiloten, die seit Langem auf die Kapitänswürde warten. Das sorgte für Frust. Nun sollen diese Copiloten einen finanziellen Ausgleich in Form eines Kapitänsgehalts bekommen.

Lufthansa Airlines kann die rund 150 Piloten der Germanwings gut gebrauchen. Mit ihnen können 13 zusätzliche Flugzeuge betrieben werden. Andererseits fallen diese Jets als Flotte für die neue City Airlines aus, ebenso die Germanwings-Piloten. Da offensichtlich auch noch keine gezielte Personalakquise für City Airlines betrieben wird, scheint die Führung bei dem Projekt etwas Zeitdruck rausgenommen zu haben.

Die Zukunft von City Airlines hängt an vielen Fragen

Begraben ist die neue Airline damit allerdings nicht. Die zwei Probleme, die mit der neuen Fluggesellschaft gelöst werden sollen, bestehen weiterhin: die zu hohen Kosten der Zubringerflüge nach Frankfurt und München sowie die Frage, wie es mit dem bereits bestehenden Ableger Cityline weitergeht?

Die Zubringerdienste zu den beiden Lufthansa-Drehkreuzen werden bisher von der Kernmarke Lufthansa durchgeführt. Dort fliegen Pilotinnen und Piloten, die zu den bestbezahlten in der gesamten Gruppe zählen. Nach Ansicht der Konzernführung sind diese Kostenstrukturen nicht mehr wettbewerbsfähig.

Bei City Airlines sollen die Piloten nach den niedrigeren Tarifen von Lufthansa Cityline bezahlt werden – so jedenfalls der Plan. Die alternative Lösung: Zusammen mit der Gewerkschaft VC ist es möglich, die Kosten für die Zubringer im bestehenden System ausreichend zu drücken.

Das Problem: Bei den monatelangen Tarifverhandlungen mit den Pilotenvertretern ging es nicht um das Thema Zubringerflüge. Es wurde ausschließlich über den Vergütungstarifvertrag und den Manteltarifvertrag gesprochen. Die erzielte Einigung regelt damit die Bezahlung der Pilotinnen und Piloten sowie deren Arbeitsbedingungen – mehr nicht. Es bestehe „unverändert die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit wettbewerbsfähiger Kosten für Zu- und Abbringung“ als Voraussetzung für Wachstum auf der Langstrecke, machte Personalvorstand Michael Niggemann kürzlich in einem intern verbreiteten Interview noch einmal unmissverständlich deutlich.

Der ausgehandelte Tarifkompromiss hat zudem indirekt Folgen für Lufthansa Cityline. Die fliegt bisher einige Lufthansa-Strecken – mit Flugzeugen der Airbus-A320-Familie. Die Wurzel der Gesellschaft ist allerdings der Regionalverkehr mit deutlich kleineren Flugzeugen mit bis zu 95 Sitzen. Eine sogenannte Perspektiv-Vereinbarung (PPV) mit der VC machte es möglich, dass Cityline auch größeres Gerät einsetzen darf. Darin wurde eine Mindestgröße für die Flotte der Kernmarke festgelegt, im Gegenzug für diese Planungssicherheit erlaubten die Piloten, dass Cityline einige ihrer Strecken übernahm.

Der Arbeitsdirektor des Lufthansa-Konzerns hat in einem internen Interview klargemacht, dass an der geplanten Fluggesellschaft City Airlines festgehalten wird.

Foto: Lufthansa

Das Management hat diese PPV in der Pandemie allerdings gekündigt. Ohne eine neue Vereinbarung würde ab 2027 wieder die alte Regelung gelten. Cityline dürfte maximal Regionaljets mit bis zu 95 Sitzen einsetzen. Doch bisher gibt es keine neue PPV, das Thema war in den Tarifverhandlungen ausgeklammert.

Mit den kleinen Flugzeugen hätte Cityline in den Augen des Lufthansa-Managements keine Zukunft mehr. Deshalb wird die neue City Airlines als mögliche Auffanglösung für die Besatzungen von Lufthansa Cityline ins Spiel gebracht.

Es ist eine vertrackte Situation, in der beide Seiten stecken. Die Pilotenvertretung VC kann kein Interesse daran haben, dass Cityline im Zweifel komplett geschlossen wird. Gleichzeitig wollen die Gewerkschaftler verhindern, dass die Kernmarke Lufthansa immer mehr Strecken an die neue City Airlines abgeben muss. Das würde die Aufstiegschancen ihrer Mitglieder zum Kapitän weiter schmälern.

Die Lufthansa-Führung hat wiederum das Interesse, eine Lösung zu finden, die ohne Arbeitskämpfe realisiert werden kann. Dass es gerade gelungen sei, den Tarifkonflikt mit den Piloten unaufgeregt und ohne Streiks zu beenden, sei ein wichtiges Zeichen nach innen und nach außen, heißt es in Unternehmenskreisen. Eine City Airlines mit Gewalt durchsetzen, würde das zarte Pflänzlein der neuen Sozialpartnerschaft wieder zerstören.

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In Pilotenkreisen wird deshalb nicht ausgeschlossen, dass doch noch über eine neue Perspektiv-Vereinbarung gesprochen wird. Genug Zeit ist dafür. Vorerst darf die Kernmarke wachsen – zur Zufriedenheit der Piloten. Und Cityline darf vorerst weiter die Airbus-Jets nutzen. Erst bis 2027 muss eine Lösung her. Ob sich das einzige Flugzeug von City Airlines bis dahin die Reifen plattstehen wird – das weiß derzeit keiner im Konzern.

Erstpublikation: 24.08.2023, 04:00 Uhr.

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