Industriemetall: Wirtschaftsdaten aus China drücken Kupferpreis
Kupfer gilt als besonders leitfähig.
Foto: dpaFrankfurt. Neue enttäuschende Konjunkturdaten aus China haben am Donnerstag für fallende Kupferpreise gesorgt. Das Industriemetall verlor an der Londoner Metallbörse (LME) zeitweise 1,1 Prozent auf 8380 Dollar je Tonne und steuert somit auf seinen ersten monatlichen Rückgang seit drei Monaten zu. Kupfer-Futures wurden an der New Yorker Rohstoffbörse Comex zwischenzeitlich für 3,794 US-Dollar gehandelt und notierten somit fast ein Prozent schwächer als am Vortag.
China ist weltweit der größte Nachfrager von Kupfer, daher reagiert der Preis des Industriemetalls stark auf Wirtschaftsdaten des Landes – und die stimmten zuletzt wenig optimistisch.
Die Produktionstätigkeit in China sank im August den fünften Monat infolge und auch das nicht verarbeitende Gewerbe verlor weiter an Schwung. Das zeigten die am Donnerstag veröffentlichten offiziellen Einkaufsmanagerindizes (PMI). Der PMI für das verarbeitende Gewerbe im August lag bei 49,7. Erst Indexwerte über 50 signalisieren eine positive Geschäftsentwicklung der Industriebetriebe im Vergleich zum Vormonat.
Commerzbank-Analyst Tommy Wu zufolge sind allerdings die unterliegenden Trends weniger negativ. So hat sich der PMI im Vergleich zum Juli leicht verbessert, was Hoffnung auf eine Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft macht.
Außerdem hat sich bei den PMI-Komponenten die Produktion von 50,2 auf einen Indexwert von 51,9 verbessert, ebenso kehrte die Komponente für die Auftragseingänge in den Wachstumsbereich zurück. Auch die Baukomponente stieg merklich, Grund dafür sind laut Wu wahrscheinlich zusätzliche Infrastrukturinvestitionen.
Die Beschäftigungskomponente blieb allerdings sowohl für das verarbeitende als auch für das nicht verarbeitende Gewerbe unter der 50er-Marke. „Die schwachen Arbeitsmarktaussichten sind kein gutes Omen für die wirtschaftliche Erholung“, warnt er.
Zwar habe die chinesische Regierung Anfang der Woche erneut Maßnahmen versprochen, um die Wirtschaft zu stützen. Diese politischen Schritte seien aber kein „Gamechanger“, meint der Analyst.
„Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Marktstimmung ändert, solange es keine eindeutigen Anzeichen für eine Stabilisierung des Immobilienmarktes und eine Verbesserung der Wirtschaftsaussichten gibt“, so Wu. Die derzeitige Abschwächung sei größtenteils auf strukturelle und nicht auf konjunkturelle Probleme zurückzuführen.
Kupfer als Konjunkturindikator
Kupfer gilt als Konjunkturindikator für die globale wirtschaftliche Entwicklung. Das Metall ist besonders leitfähig und wird daher vor allem in der Elektrotechnik, in der Automobilbranche und auf dem Bau verwendet.
Die schwache Wirtschaftslage in China sorgt dafür, dass die Nachfrage aus diesen klassischen kupferintensiven Industrien zurückgeht. Doch dafür steige die Nachfrage aus Industrien, die für die Dekarbonisierung wichtig seien, sagt Aneeka Gupta, Direktorin im Bereich Makro-Research beim US-Vermögensverwalter Wisdom Tree.
Kupfer ist sowohl für den Ausbau erneuerbarer Energien als auch für den Umstieg auf elektrische Antriebe ein essenzieller Rohstoff. „Ein E-Auto braucht drei- bis fünfmal so viel Kupfer wie Verbrennerautos“, so Gupta. Gerade China würde derzeit stark in grüne Industrien investieren. Langfristig könnte die Nachfrage aus diesem Sektor den Kupferpreis stützen – derzeit stehen aber die negativen Wirtschaftsdaten im Fokus.