Familien-Holding: Geschwister Oetker starten mit starkem Umsatzwachstum in die Unabhängigkeit
Alfred und Ferdinand Oetker haben die Geschwister Oetker Beteiligung KG im November 2021 aus der Familiengruppe herausgelöst.
Foto: UnternehmenDüsseldorf. Die Geschwister Oetker Beteiligungen KG hat ihr erstes vollständig unabhängiges Geschäftsjahr nach der Konzernteilung mit einem klaren Umsatzplus beendet. Knapp 2,5 Milliarden Euro hat das Unternehmen der Brüder Alfred und Ferdinand Oetker 2022 erlöst, wie das Handelsblatt am Donnerstag vorab erfahren hat. Das entspricht einem Zuwachs von rund 18 Prozent.
Das Unternehmen ist Ende 2021 als selbstständige Holding verschiedener Geschäftsbereiche aus der ehemaligen Oetker-Gruppe hervorgegangen. Die beiden Brüder aus der dritten Ehe von Rudolf-August Oetker halten in einem Punkt an der Tradition der weitverzweigten Unternehmerfamilie fest: Zum Gewinn äußerte sich das Unternehmen nicht.
Den Kindern aus den ersten beiden Ehen des 2007 verstorbenen Oetker-Chefs Rudolf-August Oetker gehört die Dr.-Oetker-Gruppe mit der Brauerei-Gruppe Radeberger, zu der auch der Lieferdienst Flaschenpost gehört.
Zur Geschwister Oetker KG gehören vier Geschäftsbereiche: Sekte/Wein/Spirituosen, Lebensmittel, Spezialchemie und Hotels. Größte Sparte ist das Geschäft mit dem Alkohol, der Umsatz unter dem Firmendach von Henkell/Freixenet legte um 8,5 Prozent zu. 2021 waren es noch 11,5 Prozent gewesen. So haben Preiserhöhungen aufgrund von Lieferunterbrechungen etwa den Absatz der Sektmarke Fürst von Metternich sinken lassen – nach mehreren Jahren zweistelligen Wachstums.
Mit der Marke Freixenet hat das Unternehmen in den beiden Jahren nach eigenen Angaben die Schwelle von 100 Millionen verkauften Flaschen überschritten. Die Gruppe trägt nach eigenen Angaben mit 47 Prozent fast die Hälfte zum Gesamtumsatz des Unternehmens bei.
Mit einem weltweiten Marktanteil von 9,3 Prozent ist laut Forschungsinstitut IWSR (Institute of Wines and Spirits Research) Henkell/Freixenet, gemessen am Umsatz, der weltweit führende Hersteller von Schaumwein. Das Unternehmen ist in 33 Ländern mit eigenen Produktions- sowie Vertriebsstandorten aktiv und exportiert in 150 Länder.
Größter Wachstumsbereich ist die Spezialchemie
Die Lebensmittelsparte der Geschwister Oetker KG steigerte den Umsatz um fast 20 Prozent auf 626,5 Millionen Euro. Mit der Martin-Braun-Gruppe ist das Unternehmen hier im B2B-Geschäft aktiv. Sie stellt Zutaten und Convenience-Produkte für die Backbranche, die Süßwarenindustrie und Hotellerie her.
Das Wachstum sei über Länder- und Sortimentsgrenzen hinweg erwirtschaftet worden, teilte das Unternehmen mit. Die Martin-Braun-Gruppe liefert ihre Produkte in mehr als 100 Länder an den Groß- und Einzelhandel, an Bäckereien und Konditoreien sowie Food-Service- und Industrieunternehmen.
Den größten Wachstumssprung verzeichnete die Sparte Spezialchemie 2022 mit dem Unternehmen Budenheim. Mit fast 38 Prozent stieg der Umsatz auf rund 520 Millionen Euro. Budenheim habe seine Produktionskapazitäten 2022 erweitert und im vergangenen Jahr hierzulande ein neues Produktionsgebäude fertiggestellt. Zum außergewöhnlich hohen Wachstum trug nicht nur die gestiegene Nachfrage bei, sondern auch Lieferkettenoptimierung und positive Wechselkurseffekte, die nicht wiederholbar seien, heißt es im Geschäftsbericht.
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Zum vierten Geschäftsbereich gehören eigene Luxushotels wie das Le Bristol Paris und Château Saint-Martin & Spa. Im Portfolio ist auch die Oetker Hotel Management Company, die unter der Marke „Oetker Collection“ acht weitere Hotels managt, unter anderem das Brenners Parkhotel in Baden-Baden, dessen Immobilie dem anderen Oetker-Zweig gehört.
Mit einem Umsatz von gerade einmal 26 Millionen Euro gibt es zudem noch einen kleinen Geschäftsbereich, dem das US-Immobiliengeschäft Columbus Properties sowie die schweizerische Atlantic Forfaitierungs AG angehört.
Für das Jahr 2023 erwarten die Firmeninhaber für die Geschwister Oetker Beteiligungen KG trotz herausfordernder Bedingungen ein „leichtes Umsatzwachstum“.