Gesundheitskonzern: Fresenius wächst und hebt Ausblick leicht an – Entscheidung zu Dividende offen
Michael Sen, Vorstandsvorsitzender von Fresenius, will die Entschuldung des Konzerns vorantreiben.
Foto: IMAGO/sepp spieglFrankfurt. Der Gesundheitskonzern Fresenius ist im dritten Quartal dank neuer Produkte und gestiegener Patientenzahlen gut vorangekommen und bessert beim Ergebnisausblick nach. Der operative Gewinn (EBIT) soll nun im gesamten Jahr in etwa das Vorjahresniveau erreichen. Zuvor hatte das Unternehmen bei seiner Prognose auch einen Rückgang bis zum mittleren einstelligen Prozentbereich nicht ausgeschlossen.
An der Börse kam die Nachricht an: Die Aktie von Fresenius legte am Donnerstag bis zum Nachmittag um mehr als sechs Prozent zu und gehörte zu den Gewinnern im Dax.
Fresenius steckt weiterhin in der Zwickmühle wegen millionenschwerer Energiehilfen der Bundesregierung für Kliniken. Der Konzern hatte bis Ende September knapp 160 Millionen Euro an Energiehilfen bekommen, wovon laut Unternehmen rund die Hälfte ergebniswirksam ist.
Bereits zur Jahresmitte hatte Fresenius durch die Annahme der Hilfen den gesetzlich festgelegten Schwellenwert von 50 Millionen Euro überschritten, ab dem Unternehmen weder Boni noch Dividenden zahlen dürfen. Wie das Handelsblatt Ende September berichtet hatte, stehen dem Unternehmen mehr als 300 Millionen Euro an Ausgleichszahlungen zu.
Wie Fresenius beim Thema Energiehilfen und Dividende weiter vorgeht, ist noch nicht entschieden. Grundsätzlich kann das Geld auch zurückgezahlt werden. Das Gesetz werde geprüft – auch auf seine Verfassungskonformität, sagte Konzernchef Michael Sen am Donnerstagmorgen.
Insgesamt konnte der Dax-Konzern im dritten Quartal seinen Umsatz um zwei Prozent auf 5,5 Milliarden Euro steigern. Wechselkurseffekte herausgerechnet legte das Unternehmen um sechs Prozent zu. Das bereinigte operative Ergebnis stieg um acht Prozent auf 519 Millionen Euro, währungsbereinigt betrug der Zuwachs zehn Prozent. Herausgerechnet sind hier etwa Kosten für Effizienzprogramme und den Umbau bei der verlustreichen Dienstleistungstochter Vamed. Die staatlichen Unterstützungszahlen für gestiegene Energiekosten, die das Unternehmen für seine Kliniken erhält, fließen allerdings zum Teil in das Ergebnis mit ein.
Trennung von Fresenius Medical Care schreitet voran
Fresenius weist seine Zahlen zum dritten Quartal erstmals ohne die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) aus. Die beiden Kernsparten von Fresenius sind nunmehr die Medikamenten- und Medizintechniktochter Kabi sowie der Krankenhauskonzern Helios.
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Fresenius Medical Care, die bislang rund die Hälfte zum Geschäft von Fresenius beitrug, hatte dem Mutterkonzern in den vergangenen Jahren mehrere Gewinnwarnungen eingebrockt. Der weltgrößte Dialysekonzern, der bislang über die Struktur einer Kommanditgesellschaft auf Aktien von Fresenius kontrolliert wurde, wird in eine normale Aktiengesellschaft umgewandelt und bis zum Jahresende abgespalten.
Bei den Zahlen zum dritten Quartal hinterlässt FMC allerdings noch einmal deutliche Spuren, was an Rechnungslegungsvorschriften im Zusammenhang mit der Dekonsolidierung liegt. Wegen Wertberichtigungen infolge von Kursverlusten bei FMC in Höhe von 594 Millionen Euro verbucht Fresenius im dritten Quartal einen Verlust von 406 Millionen Euro.
Dieser Effekt ist allerdings nicht zahlungswirksam und schmälert auch die positive Einschätzung des Managements zur Geschäftsentwicklung nicht. Konzernchef Sen spricht von einem „hervorragenden“ dritten Quartal. Mit dem Umbau komme das Unternehmen voran, bei den Kosteneinsparungen liege man über den Zielen für das Gesamtjahr. „Die Fokussierung auf unsere beiden operativen Gesellschaften Kabi und Helios zahlt sich mit einer starken Umsatz- und Gewinnentwicklung aus“, sagte Sen.
Die Medikamenten- und Medizintechniksparte Kabi ist im dritten Quartal zwar aus eigener Kraft um sieben Prozent gewachsen, wurde insgesamt aber stark durch Währungseffekte gebremst. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf zwei Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg auch dank Kosteneinsparungen um drei Prozent auf 289 Millionen Euro.
Ob die Aktionäre von Fresenius auf Dividenden verzichten müssen, ist weiterhin offen.
Foto: dpaDank steigender Patientenzahlen und eines verbesserten Behandlungsmix konnte auch die Kliniktochter Helios um vier Prozent auf knapp drei Milliarden Euro Umsatz zulegen. Das operative Ergebnis stieg um acht Prozent auf 239 Millionen Euro – auch wegen der staatlichen Energiehilfen.
Die Unterstützungszahlungen vom Staat kann Fresenius auch angesichts seiner hohen Verschuldung gut gebrauchen. Ende September kam der Konzern auf Nettofinanzverbindlichkeiten in Höhe von etwas mehr als 15 Milliarden Euro, was dem Vierfachen des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen entspricht. Fresenius will auch Randgeschäfte verkaufen, um die hohe Verschuldung zu senken. Jüngst hatte Fresenius verkündet, aus dem peruanischen Klinikmarkt auszusteigen. Weitere Verkäufe dürften „zeitnah“ folgen, deutete Sen an.