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Debeka-SkandalMusterknabe erschüttert Versicherungsbranche

Versicherungsvertreter der Debeka waren jahrzehntelang schneller als andere. Sie hatten wertvolle Beamtenadressen gekauft. Das ist nicht erlaubt. Was der zweifelhafte Adressenhandel bedeutet und was sich ändern könnte.Thomas Schmitt 11.11.2013 - 09:30 Uhr Artikel anhören

Düsseldorf. Wer hätte das gedacht? So reagieren viele in der Versicherungsbranche auf den jüngsten Skandal. In deren Zentrum steht ausgerechnet der Musterknabe aus Koblenz, die Debeka. Unlauteren Wettbewerb – und das über Jahrzehnte – hätten wohl die wenigsten dem bieder wirkenden Versicherungskonzern zugetraut. Darauf läuft jedoch der rechtswidrige Adressenhandel im Vertrieb hinaus.

Was ist passiert? Mitarbeiter der traditionsreichen Versicherung haben über viele Jahre hinweg von Behörden Adressen von Beamtenanwärtern erworben, um den angehenden Staatsdienern Versicherungen zu verkaufen. Dies deckte das Handelsblatt auf. Die Berichterstattung wurde vom Konzern im Grundsatz bestätigt.

Debeka-Sprecher Gerd Benner sagte dazu, die Debeka habe ein „solches Fehlverhalten zu keinem Zeitpunkt gewünscht, gefordert oder angewiesen“. Zwar hätten Vertriebsmitarbeiter der Debeka Adressen von Beamtenanwärtern gekauft. Doch dieses Fehlverhalten beziehe sich auf „einige Fälle in den 1980er- und 1990er-Jahren“.

Heimlicher Adressenhandel: Der Debeka-Skandal
Die Debeka ist mit Abstand der größte private Krankenversicherer. Mehr als 2,2 Millionen Menschen haben Vollversicherungen der Gesellschaft. Die meisten davon sind Beamte und deren Angehörige: 1,87 Millionen.
Das Handelsblatt berichtet am 1. November: Der Zeitung „liegen interne Unterlagen vor, die belegen, dass Debeka-Mitarbeiter über Jahre hinweg Adressen von Personen kauften, die kurz vor ihrer Verbeamtung standen. Debeka-Mitarbeiter verschafften sich damit einen starken Wettbewerbsvorteil, weil sie die Beamten auf eine Versicherung ansprechen konnten, kaum dass diese selbst von ihrer Verbeamtung erfahren hatten.“
Ein ehemaliger Debeka-Vertreter versicherte dem Handelsblatt an Eides statt, er habe jahrelang Beamtenadressen genutzt, die sein Vorgesetzter gekauft hatte. „Das haben alle, die ich kannte, so gemacht“, versicherte er. „Ob das legal war oder nicht, habe ich nicht gefragt. Die Adressen kamen ja von meinem Chef, sie waren für uns wie Gold.“
„Das war streng geheim“, erzählt ein Beteiligter. „Die Originaladressen, die Schnipsel genannt wurden, durften nirgendwo aufbewahrt werden. Ich habe selbst gesehen, wie Führungskräfte diese Adressen in Plastiktüten zu ihren Autos trugen.“ Ein höherrangiger Vertreter berichtet von Zuständen wie beim Drogenhandel. Er selbst habe einmal spät abends mit einem Bezirksdirektor zum Autobahnkreuz Köln-West fahren müssen. „Am Treffpunkt stand ein Koffer mit Adressen“, erinnert er sich. „Den haben wir genommen und unseren Koffer mit Geld hingestellt. Und dann sind wir abgefahren.“
Anfangs kosteten die Adressdaten angehender Beamter nach Angaben früherer Debeka-Mitarbeiter fünf D-Mark, zuletzt wurden etwa 25 Euro bezahlt.
Debeka-Chef Uwe Laue räumte ein: „So wissen wir, dass in den 1980er- und 1990er-Jahren Vertriebsmitarbeiter auf eigene Rechnung Adressen potenzieller Kunden erworben haben, die zwischen Mitarbeitern weiter verteilt wurden. Auch der damaligen Führungsmannschaft fehlte die Sensibilität für diese datenschutzrechtliche Thematik.“
„Die beunruhigende Praxis der Debeka in der Vergangenheit wirft ein Schlaglicht auf den wenig sensiblen Umgang mit Versichertendaten in der PKV insgesamt“, sagte der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach.
Die Allianz verwies auf Nachfrage auf „weitreichende Sanktionen“ für eigene Mitarbeiter und Vertreter. Auf Nachfrage teilte die Axa mit: „Im Zeitalter von Verhaltenskodex und Compliance - einmal ganz abgesehen von Rechtsfragen - muss Fehlverhalten klare Konsequenzen nach sich ziehen.“
Edgar Wagner, Landesbeauftragter für Datenschutz in Rheinland-Pfalz: „Der jahrzehntelange illegale Handel mit Personaldaten von Beamten kann nicht geduldet werden.“
Der oberste Versicherungsaufseher, Bafin-Exekutivdirektor Felix Hufeld, sagte dem Handelsblatt: Man werde „bewerten, ob und inwieweit aufsichtliche Maßnahmen gemäß Versicherungsaufsichtsrecht angezeigt sind“.

Die Bestechung von Behördenmitarbeitern durch Vertreter der Debeka-Versicherung zog sich jedoch nach einem weiteren Bericht des Handelsblatts bis in die jüngere Vergangenheit. Noch am 27. Juli 2010 befasste sich das Amtsgericht Tübingen mit der Art und Weise, wie Debeka-Mitarbeiter ihre Vertragsanbahnung betrieben.

Die Reaktionen in der Versicherungswirtschaft auf diesen Skandal sind bisher rar, meist verhalten und oft gepaart mit ungläubigem Erstaunen. So schrieb etwa der Branchenbrief „Bocquel-News“: „Nun soll auch dem Musterknaben und Marktführer unter den privaten Krankenversicherern ein Skandal angelastet werden.“ Der Verbandspräsident der Versicherer, Alexander Erdland, fordert nun im Handelsblatt-Interview mehr Selbstkontrolle.

Deutlicher wurde da schon die Zeitschrift „Versicherungswirtschaft“. „Keine Frage indes, dass der Vorgang einen Rückschlag für die Reputation der Branche insgesamt bedeutet“, heißt es im Tagesreport „Versicherungswirtschaft heute“. Ausgerechnet die Debeka, die in schier beamtenhaft-spröder Tugend auf aufwendige mediale Glanzwerbung verzichte, gerate nun ins Kreuzfeuer. Am deutlichsten werden jedoch die Versicherungsmakler.

 

Skandale in der Versicherungsbranche
Das Image der Versicherungswirtschaft hat in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Skandalen gelitten.
„Es ist fatal, dass eine solche konservative und auf Sicherheit setzende Branche immer wieder mit derartigen Skandalen belastet wird“, sagt Axel Kleinlein, der Chef des Bundes der Versicherten.
Ein „Mordsspaß“ sei es gewesen, den die rund 100 Vertreter der Hamburg-Mannheimer (HMI) gehabt haben. So schildert die HMI-Mitarbeiterzeitschrift „Profil“ einen der größten Skandale der Versicherungsbranche: eine Sexorgie der besten Vertriebler von HMI. Die Gesellschaft, die zum Ergo-Konzern gehört, feierte 2007 in den Budapester Gellert-Thermen.
Lustreisen sind in der Versicherungsbranche keine Seltenheit. Von Ergo selbst recherchierte Berichte zeigen, dass Sexreisen eine gängige Belohnung sind. So flogen Versicherungsvertreter zum „Liebesabenteuer“ nach Mallorca oder Jamaika.
Vor gut zwei Jahren wurde bekannt, dass Wüstenrot 2010 seine besten Handelsvertreter nach Rio de Janeiro eingeladen hatte. Einige Vertreter nutzten die Einladung zu einem Besuch des Nachtklubs „Barbarella“ - anschließend nahmen mindestens drei Mitarbeiter des Wüstenrot-Außendienstes Prostituierte mit in ihr Hotelzimmer.
Einen Trip nach Südafrika, der wenige Wochen nach dem Ausflug nach Brasilien stattfand, ließ sich Wüstenrot fast eine Million Euro kosten. 120 Handelsvertreter waren eingeladen worden und hatten in Kapstadt das Fußball-WM-Spiel zwischen Deutschland und Argentinien gesehen.
Ergo sorgte auch mit umstrittenen Geschäftspraktiken für Schlagzeilen. Denn fast 5000 Kunden der Tochterunternehmen Victoria und Hamburg-Mannheimer wurden in Sonderaktionen des Vertriebs dazu verleitet, hochverzinste Lebensversicherungsverträge in niedriger verzinste „Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr gegen Einmalbetrag“ zu tauschen. Für die Versicherten war das ein schlechtes Geschäft, für die Vertreter nicht. Nur wenige Kunden hätten eine Rückabwicklung gewünscht, erklärte Ergo dazu.
Auch Wüstenrot hat Berater ermuntert, Kunden dazu zu bewegen, dass sie ihre hochverzinsten Altverträge vorzeitig kündigen. Nach Angaben des Unternehmens hatte die Aktion das Ziel, jedem Bausparer das beste Angebot für seinen aktuellen Bedarf zu machen. Doch bei einer vorzeitigen Kündigung verliert der Kunde seinen Anspruch auf die sogenannten Bonuszinsen.
Fehlerhaft agierte Ergo darüber hinaus bei rund 12.000 Riester-Verträgen aus den Jahren 2005 und 2006. Sie wurden laut Ergo aus Versehen zu falschen Kosten abgerechnet. So zahlten Kunden 25 Prozent mehr als vereinbart.
Der Versicherungsvertreter Mehmet Göker verkaufte mit seiner Firma MEG private Krankenversicherungen und kassierte dafür satte Provisionen. Er symbolisiert in Deutschland den gierigen Versicherungsvertreter, der nur an sich denkt. MEG brach zusammen, einige Versicherer blieben auf Millionen-Vorauszahlungen sitzen, Göker setzte sich ab in die Türkei. In Kassel droht ihm ein Prozess.

„Der rechtswidrige Adressenhandel im Vertrieb der Debeka ist unfassbar“, sagte Hans-Georg Jenssen, Geschäftsführender Vorstand des Verbandes Deutscher Versicherungsmakler (VDVM), gegenüber Handelsblatt Online. „Das hätten wir uns im Traum nicht vorgestellt, dass ausgerechnet bei diesem Versicherungskonzern so etwas passiert.“

Denn bisher habe man die Debeka als sehr sauber und rein wahrgenommen, sagte Jenssen und ließ sogleich eine Spitze gegen die Vermittlerkonkurrenz los. Die Vorgänge belegten, dass zwischen freien Handelsvertretern großer Konzerne und festangestellten Vermittlern wie bei der Debeka kein signifikanter Unterschied bestehe.

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Was kostet ein Beamter?

Grundsätzlich werde durch diesen Skandal zudem die Akzeptanz der Abschlussprovision als Entlohnung für Versicherungsvermittler nicht gefördert. „Für die Versicherungsbranche insgesamt ist dies ein weiterer Rückschlag – nach den Skandalen rund um Ergo, Wüstenrot oder auch Mehmet Göker“, sagte Jenssen.

Der Versicherungsmakler erwartet, dass die Vertriebsstrukturen in der Versicherungswirtschaft nun in der Öffentlichkeit und der Politik noch kritischer gesehen werden. Abgesehen davon stellten sich ganz neue Fragen. Etwa: Wer geht wie mit meinen Daten um? „Mich erschüttert darüber hinaus, dass dieser Adressenhandel kein regionales Phänomen zu sein scheint, sondern wohl eher flächendeckend passiert sein dürfte.“

Die größten privaten Krankenversicherer
In Deutschland sind knapp neun Millionen Menschen privat voll krankenversichert. Die gesetzliche Konkurrenz, die Krankenkassen, versichert rund 70 Millionen. Insgesamt gibt es 47 private Krankenversicherer. Die Produkte werden zum Teil stark über Vermittler vertrieben, die sich gern an den versprochenen Provisionen orientieren.
Der Versicherungsverein aus Koblenz hat mit Abstand die meisten Vollversicherten: 2,2 Millionen. Der größte Teil davon sind Kunden, die beihilfeberechtigt sind, also aus Beamte sind oder zum Umfeld von Beamten zählen. Rund 400.000 Personen gehören zur Gruppe der Angestellten und Selbstständigen. Die Gesellschaft hat in der Regel die meisten Zugänge pro Jahr, hat eine vergleichsweise einfache Tarifstruktur, bietet keine Billigtarife und ist bekannt für ihre Sparsamkeit.
Die Tochter des Erstversicherers Ergo hatte 2010 durch die Fusion mit der Victoria mehr Beitragseinnahmen als der Konkurrent Debeka, doch nach mit gut 900.000 deutlich weniger Vollversicherte. Seither ist die Zahl der Vollversicherten gesunken, auf 882.000 Personen im Jahr 2012. Auch gemessen an den Beitragseinnahmen liegt nun Konkurrent Debeka wieder vor, weil die DKV nicht so stark wächst. Das Unternehmen hat seine Tarifstruktur saniert.
Die Tochter des französischen Versicherers ist durch Fusionen die Nummer drei geworden. Sie ist in den vergangenen Jahren weiter gewachsen, liegt aber mit knapp 780.000 Vollversicherten noch ein gutes Stück hinter der DKV.
Die Krankenversicherung des größten europäischen Versicherungskonzerns verliert seit Jahren Vollversicherte, auch in 2012: Gut 670.000 Personen sind es nun. Das Geschäftsfeld ist im Kontext des großen Allianz-Konzerns sehr klein, weshalb es immer wieder Gerüchte gibt, der Konzern würde sich lieber ganz auf Zusatzversicherungen im Rahmen einer Bürgerversicherung konzentrieren.
Die Tochter des Generali-Konzerns hat ein großes Problem mit Billigtarifen und Nichtzahlern. In den vergangenen Jahren war das Unternehmen sehr stark gewachsen und sprang daher über die Marke von mehr als einer halben Million Vollversicherten. Doch viele neue Kunden haben nicht das gehalten, was sich der Versicherer von ihnen versprochen hat. Daher musste die Gesellschaft mit saftigen Beitragserhöhungen reagieren, um Verluste in den Griff zu bekommen. Kundenverluste waren die Folge. 2012 war der Abgang extrem stark: um minus 76.800 Personen auf rund 418.000.
Der Versicherungsverein versucht seinen Bestand von rund 470.000 Vollversicherten zu halten, was auch 2012 gelang. Und es hält auch seine Beitragserhöhungen in Grenzen. Neuer Schwung ist in das Unternehmen gekommen, seit die Krankenversicherung des Deutschen Ring in die Gruppe eintrat. Dieses Unternehmen wächst vergleichsweise stark und ist mit 138.000 Vollversicherten die Nr. 18 der Branche.
Die Tochter des größten Sparkassenversicherers Versicherungskammer Bayern (VKB) schützt rund 370.000 Vollversicherte. 2012 ging die Zahl um rund 10.000 zurück.
Der Dortmunder Versicherungsverein ist stark auf die Krankenversicherung spezialisiert und hat keine Scheu, auch unbequeme Meinungen innerhalb der Branche offensiv zu vertreten. Einige Jahre stagnierte die Zahl der Vollversicherten bei 385.000, im Jahre 2012 waren es knapp 392.000 Personen. Aufgefallen ist der Versicherer mit saftigen Beitragsrückerstattungen.
Der Versicherungsverein sorgt auch in der Krankenversicherung für frischen Wind und profitiert von seiner vergleichsweise schlanken Kostenstruktur. Die Zahl der Kunden steigt seit Jahren stetig. Im Jahre 2012 kamen mehr als 7000 hinzu, es sind rund 393.000.
Der Versicherer aus Wuppertal versucht seit einigen Jahren, seinen Bestand bei rund 300.000 zu halten. 305.000 waren es 2012.
Die Gesellschaft gehört zum Konzern Alte Leipziger. Zuletzt hat sich das Unternehmen auf die Seite derjenigen geschlagen, die hohe Provisionen in der privaten Krankenversicherung ablehnen. Die Gesellschaft hat rund 243.000 Vollversicherte. 2012 kamen rund 6.500 Personen dazu.
Traditionell gehört der nicht konzerngebundene Versicherungsverein aus Lüneburg zu den Unternehmen, die kostenbewusst arbeiten. Die gut 200.000 Vollversicherten erhalten über Beitragsrückerstattungen und für kostenbewusstes Verhalten regelmäßig Geld gutgeschrieben.
Die Gesellschaft aus Hamburg expandierte in den vergangenen Jahren sehr stark und hat sich auf Billigtarife spezialisiert. Im Gegensatz zu einigen größeren Konkurrenten hat der Versicherer allerdings weniger Probleme mit dieser Klientel. Das Problem der Nichtzahler versucht Hanse-Merkur mit einem eigenen extrem günstigen Tarif in den Griff zu bekommen. Die Zahl der Vollversicherten ist 2012 erneut deutlich auf knapp 227.000 Personen gestiegen.
Der Versicherer aus der Nähe von Stuttgart hat ein übersichtliches Tarifwerk und lehnt geschlossene Tarife ab. Die Beiträge seiner knapp 170.000 Vollversicherten stiegen zuletzt unterdurchschnittlich.
Mit rund 165.000 Vollversicherten ist der Versicherungsverein aus Köln die Nr. 15 unter den gut 40 privaten Krankenversicherern. Die Kundenzahl ging 2012 um knapp 3000 zurück.

Deutliche Worte fand daneben bisher nur der Verbraucherschutzverein Bund der Versicherten (BdV). Der Skandal um den Adressenkauf durch Debeka-Mitarbeiter stelle die gesamte Branche vor ein Problem. „Es reicht offensichtlich nicht aus, wenn sich die Versicherer auf Selbstverpflichtungen verständigen“, erklärte Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV.

Er fordert, dass zukünftig die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Aufsicht über Versicherungsvermittler führt. Denn die kommunalen Industrie- und Handelskammern seien damit anscheinend überfordert. Genau dies wird in den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Union bereits diskutiert.

 

Eine einheitliche Aufsicht für Versicherungsvermittler befürworten bisher allerdings nur die Verbraucherschützer in beiden Parteien. Versuche, dies in der vergangenen Legislaturperiode durchzusetzen, waren am Widerstand aus der Branche gescheitert. Als die Haltung der Koalitionsunterhändler bekannt wurde, wehrten sich daher sogleich die Lobbyisten von Vermittlerverbänden.

Diese Haltung der Unterhändler  komme sehr überraschend, erklärte der Bundesverband Finanzdienstleistung (AfW). Denn die CDU habe noch vor der Bundestagswahl die gewerberechtliche Regulierung als den richtigen Weg beschrieben. Das sei auch gut so.

Pro & Contra Private Krankenversicherung
Viele Tarife sind beim Abschluss des Vertrages deutlich günstiger als die Beiträge bei gesetzlichen Kassen.
Einmal vertraglich zugesicherte Leistungen bleiben erhalten. Die Politik mischt sich nicht in den Leistungskatalog ein. Zum Vergleich: Bei der GKV können Leistungen gestrichen werden, wie etwa die Zuzahlung für eine Brille.
Versicherte können ihren Leistungskatalog individuell zusammenstellen. Nicht nur Einbettzimmer, Chefarztbehandlung oder Zuzahlungen für Zahnbehandlung lassen sich optional absichern.
Der Leistungskatalog kann bei steigenden Kosten auf Wunsch des Versicherten verringert werden, um die Prämie zu senken.
Wenn der Versicherer gut gewirtschaftet hat, können Beitragsrückerstattungen anfallen.
Altersrückstellungen können die steigenden Kosten im Alter zumindest zu einem Teil auffangen. Trotzdem bleiben steigende Beiträge das Hauptproblem der PKV. Wie stark die Sätze steigen hängt stark an der Qualität des Tarifes.
Die Solidargemeinschaft unter den Versicherten greift nicht so stark wie in der GKV. Zumindest theoretisch spart jeder Versicherte einen Teil der Beiträge für sich selbst an.
PKV-Versicherte hängen an der Entwicklung aller in ihrem Tarif Versicherten. Wird der Tarif geschlossen für junge, gesunde Neuzugänge, überaltert die ganze Tarifgruppe und es wird teurer.
Das Hauptproblem für Privatversicherte: Die Beiträge für zunächst günstige Einstiegstarife können schnell steigen. Im Neugeschäft verteuerten sich die Tarife in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um fünf Prozent per anno.
Versicherte müssen die Abrechnungen selber bezahlen und bei der Versicherung einfordern.
Ärger mit Ärzten oder Kliniken, falls die aus Sicht der Versicherung überhöhte Rechnungen stellen.
Wer nicht kerngesund ist, muss je nach früherer oder akuter Krankheit sofort höhere Beiträge zahlen oder wird abgelehnt.
Keine Solidargemeinschaft unter den Versicherten – wer die Beiträge nicht mehr finanzieren kann, muss in den abgespeckten Basistarif seines Anbieters wechseln und seinen Ärzten jedes Mal erklären, dass er zwar privat versichert ist, der Arzt aber nur sehr begrenzt abrechnen kann.
Kinder und nicht berufstätige Ehefrauen sind nicht wie in der GKV automatisch und kostenlos mitversichert.
Viele Leistungen aus dem GKV-Katalog sind für PKV-Versicherte nicht ohne höheren Beitrag zu bekommen. Dazu zählen unter anderem Haushaltshilfen in Notfällen, spezielle Leistungen für Kinder oder Mutter-Kind-Kuren.
PKV-Versicherte gelten oft als überversorgt, weil zwecks Honorarabrechnung mehr Untersuchungen an ihnen praktiziert werden, als medizinisch nötig sind. Quelle: wiwo.de

„Aktuell sind die Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler bei den lokal ansässigen Industrie- und Handelskammern und den Gewerbeämtern in guter Hand“, erklärte der Vermittlerverband. Sie seien vor Ort, sie würden die Leute kennen, und sie seien näher dran als die Bafin. Außerdem seien die Strukturen der Bafin aktuell auf Institute ausgerichtet und nicht auf einzelne Vermittler.

AfW-Vorstand Frank Rottenbacher hofft auf eine Kehrtwende. „Ich gehe davon aus, dass sich die zuständige Arbeitsgruppe Finanzen dieser Frage annehmen wird.“ Der AfW bleibe dabei: Die gewerberechtliche Regulierung sei der richtige Weg ist, um die unabhängige Finanzberatung in Deutschland zu erhalten.

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Justiz soll Debeka-Skandal klären

Das sehen Verbraucherschützer jedoch anders. Und der Debeka-Skandal könnte dafür sorgen, dass auch die Politik in Berlin diesen Streit zwischen Verbraucherschützern und Vermittlern nun anders beurteilt. Denn, so der Bund der Versicherten, die Recherchen des Handelsblatts hätten doch Merkwürdiges ans Licht gebracht.

So seien Adressen von oberen Schichten der Pyramide im Vertrieb nach unten gegeben worden. „Würden sich diese Vorwürfe bestätigen, so hätte sich in der Vermittlerschaft der Debeka eine heimliche Pyramidenstruktur etabliert“, stellte BdV-Chef Kleinlein fest. So etwas kennen die Experten bisher eher von Strukturvertrieben wie AWD oder OVB.

 

Ergo entdeckt weitere Lustreisen
Die Top-Five-Clubreise nach Mallorca (kleine Clubreise) hat in der Zeit vom 12.09. - 15.09.2005 stattgefunden und wurde von Herrn Lange in seiner Funktion als Leiter der HMI-Vertriebsorganisation begleitet.
Insgesamt werden angabegemäß je Jahr eine „große“ und zwei „kleine“ Top-Five-Clubreisen in Eigenregie von der Vertriebsdirektion HMI (VDHMI) organisiert, durchgeführt und über eigene Kostenstellen abgewickelt.
Als sie den Club betreten hätten, seien er und andere überrascht gewesen, weil im Tresenbereich leicht bekleidete „Mädels“ gestanden hätten. Einige, zu denen er gehörte, seien dann ca. nach einer Stunde zurückgefahren, andere seien dort geblieben.
Aufgrund der vorliegenden Information ist es aus Sicht von REV (Revision) wahrscheinlich, dass mit den beiden von Herrn Lange eingereichten Bewirtungsbelegen über gesamt 2428 Euro Aufwendungen für einen Nachtclub/Bordellbesuch finanziert wurden.
Auf beiden Belegen ist im Kopf der Name „Mexxaton“ vermerkt, bei dem es sich anscheinend um die Lokalität handeln soll, von der sie ausgestellt wurden. Auf dem Beleg über € 1508 ist zusätzlich das Datum „15.09.05“ vermerkt, während der andere kein Datum trägt. Weitere Angaben z.B. zum Aussteller befinden sich nicht darauf.
Eine Lokalität mit dem Namen „Mexxaton“ auf Mallorca haben wir weder bei unseren Internetrecherchen gefunden noch war sie der vor Ort vertrauten Reiseagentur bzw. dem Hotel oder Reiseteilnehmern bekannt.
Das Datum auf dem Beleg über € 1508 wäre allenfalls plausibel, wenn die Rechnung in den frühen Morgenstunden ausgestellt wurde, da am 15.09.05 der Abreisetag war.
Wir haben am 10.06.2011 Herrn Lange telefonisch zu dem Vorgang befragt. Er erinnerte die Reise zwar, gab aber an, die Gruppe nicht in ein Bordell eingeladen zu haben. Zu den „Zweckformbelegen“ und dem Namen „Mexxaton“ könne er aber nichts sagen.
Im Zusammenhang mit der Prüfung zu dem HMI-Sonderwettbewerb - Budapest 2007 („Party Total“) sind die auf den Gewinner- bzw. Teilnehmerlisten aufgeführten Personen von der Konzernrevision zur Teilnahme und ggf. weiteren Details befragt worden. Dabei ist von einer Person der Hinweis geäußert worden, dass es auf einer Wettbewerbsveranstaltung der HMI nach Südamerika zu vergleichbaren Aktivitäten gekommen sei.
Auf Nachfrage wurde der Hinweis dahingehend ergänzt, dass eine HMI-Geschäftsstelle in Frankfurt im Januar/Februar 2011 eine Wettbewerbsreise in ein „Swinger-Hotel“ in Jamaika durchgeführt habe.
Die von Herrn M. geleitete Geschäftsstelle in Frankfurt hat in den Jahren 2009 und 2011 jeweils Wettbewerbsreisen nach Jamaika in das „Swinger-Hotel“ Hedonism II (www.hedonism-resorts.de) durchgeführt.
Das Hotel ist gemäß Internet-Recherche ein bekanntes Reiseziel für entsprechend interessierte Personen.
Vor Buchung der Reise sind die Reiseunterlagen gem. Richtlinie zum Generalstrukturen-Reisewettbewerb (GRW) der abrechnenden Stelle PVH5HH per Mail zur Genehmigung vorgelegt worden.
Von der Geschäftsstelle wurden insgesamt drei Angebote von unterschiedlichen Hotels eingeholt und es wurde mitgeteilt, dass man sich für die dritte, günstigste Variante mit der Hotelkombination Mariott am Time Square und dem Hedonism II auf Jamaika entschieden hatte.
Als Grund für die Buchung gab er an, dass seine erste Wettbewerbsreise vor 25 Jahren in dasselbe Hotel geführt habe.
Nach allem, was Ergo heute bekannt ist, war diese Veranstaltung ein Einzelfall und widersprach schon damals den Regeln, die für die Organisation von Wettbewerbs-Reisen gelten.
Herr P. verwies darauf, dass sich zur selben Zeit das Magazin „Playboy“ mit „Bunnys“ zwecks eines Fotoshootings in der Anlage aufhielt.
In diesem Zusammenhang seien auch Fotos mit Teilnehmern und den Models (teilweise ohne Oberteil) aufgenommen worden. Es sei nicht auszuschließen, dass diese Fotos an die Öffentlichkeit gelangten.

Die Debeka hatte dagegen lange Zeit aus Sicht vieler Verbraucherschützer als Unternehmen mit Vorbildcharakter gegolten. Da die Vermittler dort festangestellt sind, nahmen viele Experten an, dass ein erheblich geringerer Vertriebsdruck bestünde als in anderen Teilen der Branche. Dieses Urteil setzte sich vielleicht auch deshalb fest, weil es wenig Debeka-Vertreter gab, die über ihre Arbeitsbedingungen jammerten.

Aus der Sicht von Konkurrenten schotteten sich die Debeka-Vertreter immer ein wenig ab, manche sprechen von einem „Closed Shop“, also einem verschlossenen Laden. Debeka-Vermittler waren eben anders, so wie der Konzern dies auch in seiner Werbung zelebrierte. Diese Annahmen hätten sich aber nach den jüngsten Enthüllungen als falsch herausgestellt, stellt Kleinlein fest. 

Debeka

Die Details zum Skandal

Anscheinend seien auch die Debeka-Vertreter einem merklichen Provisionsdruck ausgesetzt. Damit seien die Vermittler in der Beratung nicht nur dem Wohl des Kunden verpflichtet, sondern gleichzeitig dem eigenen Verdienst, kritisiert Kleinlein: „Ein solcher Interessenkonflikt ist nach Erfahrung vieler Verbraucherschützer aber ursächlich für eine Falschberatung.“

Für Kleinlein belegt der Debeka-Fall zudem, dass Selbstverpflichtungen von Vermittlern wenig bringen. „Offensichtlich sind die Skandale um Ergo, Wüstenrot und nun Debeka nur die Spitze des Eisbergs.“ Angesichts der großen gesellschaftlichen Verantwortung der Versicherungswirtschaft sollte endlich für einen Schutz der Verbraucher vor dubiosen Vermittlerpraktiken gesorgt werden.

Ergo: Chronik eines Skandals
Das Handelsblatt berichtet über die Sex-Reise der Hamburg-Mannheimer (HM) nach Budapest. Die Ergo-Sprecherin Alexandra Klemme räumte daraufhin ein: "Es ist richtig, dass es im Juni 2007 eine Incentive-Reise des HMI-Vertriebs nach Budapest gegeben hat. Unsere Recherchen haben ergeben, dass bei einer Abendveranstaltung im Rahmen dieser Reise ca. 20 Prostituierte anwesend waren. Von öffentlichen Sexdarbietungen ist uns nichts bekannt."
Ergo richtet eine Task-Force zur Aufklärung der Vorgänge ein. Sie wächst im Laufe der kommenden Wochen auf mehr als 100 Mitarbeiter an.
Die "Bild am Sonntag" zeigt Bilder und ein Video von vermeintlich koksenden Versicherungsvertretern der Hamburg-Mannheimer.
Die Ergo erklärt: "Die Berichterstattung in der "Bild"-Zeitung, wonach Handelsvertreter der Hamburg-Mannheimer auf sogenannten Top-5-Reisen Kokain konsumiert hätten, ist unwahr. Die von der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Fotos zeigen ein Trinkspiel mit Salz, Tequila und Zitronensaft. Dazu gehört das Einschnupfen von Salz durch die Nase."
Fußballtrainer Jürgen Klopp lässt seinen Werbevertrag mit Ergo (HMI) ruhen. "Was man von dieser Reise liest, kann man nur aufs Schärfste verurteilen", sagt sein Berater Marc Kosicke.
Ergo gibt bekannt, seine Werbekampagne, die allein im Jahr 2010 mehr als 50 Millionen Euro kostete, zu reduzieren.
Auf Youtube taucht eine Parodie auf die jüngste Ergo-Werbekampagne auf. Der Spot wurde bislang fast 200 000-mal angeklickt - vier mal so oft wie das Original.
Die "Welt am Sonntag" berichtet, Ergo habe die Sex-Reise von der Steuer abgesetzt.
Fußballtrainer Jürgen Klopp kündigt seinen Vertrag mit Ergo (HMI).
Der Ergo-Aufsichtsrat tagt und beschließt härtere Compliance-Richtlinien.
Das "Handelsblatt" berichtet, Ergo habe Tausenden von Kunden mit fehlerhaften Riester-Verträgen einen Millionenschaden zugefügt.
Ergo dementiert das Handelsblatt. Ergo-Sprecher Alexander Becker: "Ein systematischer Fehler hätte sicherlich zu massiven Kundenbeschwerden im Anschluss an die Aushändigung der Policen geführt. Diese sind aber nicht erfolgt. Wir gehen deswegen davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt."
Ergo nimmt das Dementi zurück, löscht die morgendliche Presseerklärung aus dem Netz und gibt zu, dass es bei den Riester-Verträgen einen massiven Fehler gegeben habe.
Ergo-Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzender der Muttergesellschaft Munich Re, Nikolaus von Bomhard, spricht von einem "gravierenden Fehler" und kündigt an, Munich Re werden bei der Aufklärung helfen.
Ergo beziffert die Zahl der geschädigten Kunden auf 14000. Sie sollen jetzt nachträglich entschädigt werden.

Das fordern auch andere Experten in der Branche. „Ich hoffe, der Staat geht diesen Verfehlungen konsequent nach“, reagierten Branchenkenner auf die Veröffentlichungen im Handelsblatt. Viele Experten wollten sich auf Anfrage von Handelsblatt jedoch nicht öffentlich zu diesem Thema äußern, sondern waren allenfalls zu Hintergrundgesprächen bereit.

Dabei wurde auch auf die enge Verbindung von Versicherungen und Beamtenorganisationen verwiesen. So hätten sich im Deutschen Beamtenwirtschaftsring e. V. (DBW) diverse Unternehmen des Finanzsektors, auch die Debeka, organisiert und Claims abgesteckt . Dies habe auch dazu gedient, sich Wettbewerbsvorteile im Geschäft mit Beamten zu sichern.


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„Auf die Finger klopfen“

Das Zusammenwirken von Beamtenschaft und DBW sei unter dem Marketingdach einer „Selbsthilfeeinrichtung der Beamten“ erfolgt. So deklarierten sich die DBW-Mitgliedsunternehmen. Sie hätten dabei eine Regel im Bundesbeamtengesetz (BBG) genutzt, wonach bestimmte Nebentätigkeiten von Beamten erlaubt sind.

Konkurrenten merkten in der Vergangenheit immer wieder ein wenig neidisch an, dass die Debeka sich im Behördensystem und der Beamtenschaft festgesetzt habe. Dies geschah insbesondere über Vertrauensleute. Dass dies zusammen mit dem jetzt aufgedeckten Adressenhandel den Wettbewerb im Markt für private Krankenversicherungen verzerrt haben dürfte, nahmen die Konkurrenten aber zähneknirschend in Kauf.

Die Debeka jedenfalls ist in der Versicherungswirtschaft einer der ganz großen Gewinner, wie das Unternehmen selbst herausstellt. So verwies der Debeka-Vorstandschef Uwe Laue auf der Bilanzpressekonferenz im Mai 2012 stolz auf eine Studie, die von der Universität Köln erstellt worden ist. Darin wurde die Entwicklung von Versicherungskonzernen zwischen 1960 und 2010 analysiert.

Das Ergebnis: Die Debeka hat von allen Versicherungskonzernen in Deutschland ihren Marktanteil langfristig am stärksten ausgeweitet – und zwar um 3,43 Prozentpunkte. Große Konkurrenten wie Axa, Allianz oder Ergo hätten dagegen Verluste beim Marktanteil hinnehmen müssen. Laues Fazit lautete daher: „Wir sind der erfolgreichste Versicherungskonzern in den letzten 50 Jahren.“

Inwieweit dabei auch unlauter verschaffte Wettbewerbsvorteile eine Rolle spielten, fragen sich nun viele Branchenkenner. Dabei ist klar, dass der Vorteil in der privaten Krankenversicherung besonders groß ist. Denn eine Krankenversicherung wird von Beamten in der Regel zu Beginn ihres Berufslebens abgeschlossen.

Wegen der Altersrückstellungen, die früher nicht mitgenommen werden konnten, sind nach einigen Jahren Wechsel zu Konkurrenten sehr unwahrscheinlich – zumal die Debeka ein Versicherer mit vergleichsweise hochwertigen Produkten ist. Das wurde der Debeka in zahlreichen Bewertungen von Außenstehenden, etwa  vom „Map-Report“, immer wieder bestätigt.

 

Die Debeka reagierte kurz vor der ersten Veröffentlichung des Handelsblatts am 1. November mit der Ankündigung,  dass zum 31. Oktober 2013 neue Verhaltensrichtlinien für ihre 17.000 Mitarbeiter eingeführt würden. Damit würden die strengen Standards, die bei der Debeka bereits 2010 in Kraft getreten sind, weiter verschärft.

Vorstandsvorsitzender Laue räumte in diesem Zusammenhang „Verfehlungen in der Vergangenheit“ ein: „So wissen wir, dass in den 1980er- und 1990er-Jahren Vertriebsmitarbeiter auf eigene Rechnung Adressen potenzieller Kunden erworben haben, die zwischen Mitarbeitern weiter verteilt wurden.“

Auch der damaligen Führungsmannschaft habe die Sensibilität für diese datenschutzrechtliche Thematik gefehlt, erklärte Laue. „Und in diese Selbstkritik schließe ich mich ausdrücklich mit ein.“ Die Debeka lehne Geschäfte mit Adresshändlern schon immer ab. Und deshalb seien die Verhaltensvorschriften entsprechend verschärft worden.

Da die Debeka schon immer bewusst auf Werbung verzichtet habe, sei sie vor allem dadurch gewachsen, dass zufriedene Mitglieder „ihre“ Versicherung weiterempfehlen. Das sei Teil der Vertriebsphilosophie als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und gleichzeitig Messlatte für Zufriedenheit, glaubt die Gesellschaft.

Gerade deshalb lege die Debeka höchsten Wert darauf, dass diese Empfehlungen rechtlich absolut einwandfrei seien. Die Verhaltensrichtlinie umfasse neben den Themen Datenschutz, IT-Sicherheit und Nichtdiskriminierung konkretere und umfangreichere Regelungen gegen Bestechung und Korruption. Eine direkte Weisung laute: „Die Debeka toleriert keinerlei Form der Bestechung und Korruption.“

Um die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Debeka aufzuklären, habe die Debeka am Montag, dem 4. November 2013, externe und interne Überprüfungen aufgenommen. Für die externen Überprüfungen habe sie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verständigt und darüber hinaus Kontakt mit der Staatsanwaltschaft Koblenz aufgenommen. Zusätzlich stehe das Unternehmen seit Anfang November in Kontakt mit dem Landesbeauftragten für den Datenschutz Rheinland-Pfalz.

Wer interessante Unterlagen zur Debeka weiterleiten möchte, kann dies anonym in diesem Online-Briefkasten tun: https://handelsblatt-recherche.com/

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