1. Startseite
  2. Advertorials
  3. Berufsplanung für Frauen mit Behinderung: Den eigenen Karriereweg gestalten

Anzeige - Sämtliche Inhalte auf dieser Seite sind ein Angebot der jeweiligen Unternehmen. Für den Inhalt ist nicht das Handelsblatt verantwortlich.

Berufsplanung für Frauen mit BehinderungDen eigenen Karriereweg gestalten

Karen Schallert war mit einer schweren Erkrankung lange als Führungskraft beruflich erfolgreich. Heute berät sie Frauen in ähnlicher Situation bei der Planung ihres Karrierewegs. Thomas Trösch 08.03.2021 - 08:12 Uhr

"Ich habe alle Chancen ergriffen, die ich hatte."

Foto: Handelsblatt

Die Diagnose ist ein Schock: Als bei Karen Schallert Multiple Sklerose festgestellt wird, scheint der Karriereweg der erfolgreichen Managerin an sein Ende zu kommen. „Meine Welt brach zusammen“, so Schallert. „Die Ungewissheit, wie sich die Krankheit entwickeln wird, war groß.“

Vier Wochen später soll Karen Schallert eine neue Stelle als Personalleiterin antreten. Die Tage bis dahin sind angefüllt mit Zweifeln, ob sie dem Stress der neuen Aufgabe gewachsen ist, aber auch mit Überlegungen, wie sie die Herausforderungen mit Krankheit meistern kann. „Schließlich kam ich für mich zu dem Ergebnis: Es wird sich für jede Herausforderung eine Lösung finden lassen“, so Schallert.

Inklusion in 2020

Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderung erreicht Höchststand

Dass Frauen mit Behinderung die Stressbelastung am Arbeitsplatz als besonders hoch einschätzen, belegt eine aktuelle Studie, die das SINUS Institut in Heidelberg im Auftrag der Aktion Mensch durchgeführt hat. Danach ist es vor allem das Gefühl, Vorgesetzten und Kollegen ständig beweisen zu müssen, dass sie ihre Arbeit genauso gut machen können wie Menschen ohne Behinderung, das die Frauen unter Druck setzt.

Auch Karen Schallert kennt diesen selbst auferlegten Zwang: „Oft habe ich nach einem Krankheitsschub viel zu früh wieder angefangen zu arbeiten. Der Druck dahinter kam nicht von außen, den habe ich mir selbst gemacht mit Gedanken wie: ‚Du bist in einer Führungsposition; du darfst die Kollegen, die Firma insgesamt nicht durch Fehlzeiten belasten.‘ “ Es hat lange gedauert, bis sie diesen Zwang ablegen konnte. Längst nicht alle Frauen in vergleichbarer Situation schaffen das.

Frühzeitig Assistenz einfordern

Als Mentorin mit eigenem Unternehmen gibt Karen Schallert heute ihre Erfahrungen an andere Frauen in ähnlicher Lebenslage weiter. Ein wichtiges Anliegen ist ihr dabei, die Frauen zu ermutigen, bei Bedarf Assistenz einzuholen. „Ich selbst hätte das viel früher tun sollen“, so Schallert. „Ein Beispiel: Wenn ich nach einem harten Arbeitstag ins Auto einstieg, waren meine Beine oft so müde, dass ich sie kaum ins Auto ziehen konnte. Ich hätte Kollegen bitten sollen, dass sie mir beim Einsteigen helfen, aber das wollte ich nicht. Heute würde ich solche Unterstützung frühzeitig einfordern.“

Interview

Diversity in Deutschland: Es ist noch ein Weg zu gehen

Die Erfolge ihrer unternehmerischen Tätigkeit haben Karen Schallert die Auszeichnung „Mentorin des Jahres 2020“ eingebracht. Ihren Mentees gibt sie regelmäßig mit auf den Weg, ihren Berufsweg am eigenen Karrierewunsch zu orientieren und weniger an mögliche Einschränkungen zu denken. „Frauen mit Handicap sind flexibel, kreativ und leistungsorientiert, denn der Alltag mit Beruf, Familie und Handicap stellt sie immer wieder vor Herausforderungen“, so Schallert. „Das sollte sich jeder Arbeitgeber vor Augen führen. Gut ausgebildete Menschen mit Handicap sind hoch motiviert und eine Bereicherung für jedes Unternehmen.“

Ein Befund, der auch von der Studie der Aktion Mensch unterstützt wird: Sie ergab, dass „Frauen mit Schwerbehinderung genauso stark motiviert [sind], (mehr) zu arbeiten und voranzukommen, wie Menschen ohne Schwerbehinderung.“. Auffallend sei zudem, dass „Frauen mit Schwerbehinderung deutlich häufiger als Frauen ohne Schwerbehinderung mehr arbeiten wollen, weil sie Spaß an ihrer Arbeit haben.“.

Bei der Weiterbildung ausgebremst

Doch auch das ergab die Untersuchung: Obwohl Frauen mit Behinderung hoch motiviert sind, im Arbeitsleben voranzukommen, werden sie bei Weiterbildung stark ausgebremst. So fühlen sich Frauen mit Behinderung so sehr wie keine andere Gruppe von Aufstieg, Führung und freier beruflicher Gestaltung ferngehalten: Gerade einmal jede Zehnte – der niedrigste Wert im Gruppenvergleich – arbeitet in einer leitenden Position.

"Kultur- und Bewusstseinswandel erforderlich."

Foto: Handelsblatt

„Für eine chancengerechte Teilhabe am Erwerbsleben ist zwingend ein Kultur- und Bewusstseinswandel erforderlich“, sagt Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch. „Wir brauchen einen Arbeitsmarkt, der die individuellen Stärken und Qualifikationen von Bewerber*innen sieht und sich Inklusion und Gendergerechtigkeit zur Maxime macht. Die Potenziale sind da – sie müssen nur genutzt werden.“

Auf ihrer Website ermutigt Karen Schallert dazu, das „scheinbar Unmögliche möglich zu machen“. Ein Satz, der auch als Kurzbeschreibung ihrer eigenen Berufsbiographie taugen würde. „Ich habe alle Chancen ergriffen, die ich hatte“, sagt sie heute. „Und ich kann jede Frau in ähnlicher Lage nur ermutigen, es genauso zu machen.“

Nach dem Studium sowie Aufenthalten in den USA arbeitete Karen Schallert für die Deutsche Post DHL Group, McKinsey & Company und zuletzt im internationalen Anlagenbau/Schiffbau bei der TGE Marine Gas Engineering GmbH. Obwohl sie durch ihre Multiple Sklerose-Erkrankung an den Rollstuhl gebunden ist, war sie 14 Jahre lang als Personalleiterin erfolgreich tätig. Jetzt arbeitet sie als Coach, Mentorin und Wirtschaftsmediatorin und unterstützt Menschen mit Handicap in ihren besonderen beruflichen Belangen.

Zurück zum Special