Women-on-Board-Index 2020: Frauenanteil in DAX-Vorständen liegt bei knapp über zehn Prozent
In den Aufsichtsräten ist die Frauenquote dank Gesetz erreicht. In den Vorständen sieht es dagegen anders aus. Nun soll auch hier ein Gesetzt Veränderung bringen.
Foto: Adobe StockMonika Schulz-Strelow hat es oft gehört. Quoten brächten nichts. Im Gegenteil, Frauen in Führungspositionen zu drängen, könnte Unternehmen nur schaden. Für ihre Arbeit bei der Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (FidAR) ist Unternehmensberaterin und ehrenamtliche Präsidentin der FidAR, Schulz-Strelow, kritisiert und angefeindet worden. Besonders stark in der Zeit, bevor das Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen am 1. Mai 2015 verabschiedet wurde. Was hat das Gesetz gebracht? Eine Menge, sagt sie heute.
2020 liegt der durchschnittliche Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 188 börsennotierten Konzerne bei 32,2 Prozent. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 19,7 Prozent. Aktuelle Zahlen hat die FidAR in ihrem Ranking des Women-on-Board-Index 2020 veröffentlicht. Allen Kritikern zum Trotz belegen zahlreiche Studien, wie zuletzt die der Unternehmensberatung McKinsey: Ein diverses Führungsteam hat nicht nur eine um 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein, ein solches steuert das Unternehmen auch erfolgreicher durch Krisenzeiten. Unterschiedliche Denkweisen erbringen zusammen bessere Ideen.
Monika Schulz-Strelow ist die Präsidentin der Initiative FidAR.
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Ein Erfolg für die Bemühungen von FidAR und Monika Schulz-Strelow. Und dennoch erlebt sie gerade eine Art Déja-vu. Aktuell wird darüber diskutiert, ob eine Quote neben den Aufsichtsräten auch für die Vorstände von Unternehmen gesetzlich festgeschrieben wird. Am 6. Januar wird über den Gesetzentwurf in einer Kabinettssitzung beraten. Geplant ist, dass in den Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern bei Neubesetzungen künftig mindestens eine Frau berücksichtigt wird.
Der Stand laut der jüngsten FidAR-Erhebung: In den Vorständen der 188 börsennotierten Unternehmen hat sich der durchschnittliche Frauenanteil auf 10,7 Prozent verdoppelt. Bislang mussten sie nur angeben, mit welchen Zielgrößen für Frauen im Vorstand sie planen – und bei 75 der 188 Unternehmen lautete die Antwort im Juni dieses Jahres schlicht null, wie die FidAR im aktuellen WoB-Index veröffentlichte.
Die Umsetzung des Gesetzes könnte problematisch werden
„Dieser Gesetzentwurf ist ein wichtiges Signal“, sagt Schulz-Strelow. „Aber das reicht nicht. Es ist auch wichtig, dass das Gesetz konsequent umgesetzt wird.“
Sie befürchtet, dass einige Unternehmen vielleicht Auswege suchen, das Gesetz zu umgehen, das im Mai 2021 in Kraft treten könnte. Zum Beispiel, indem Verträge mit Vorstandsmitgliedern zuvor noch vorzeitig verlängert werden. Oder durch eine personelle Verkleinerung des Vorstands. Deshalb hält sie auch öffentlichkeitswirksame und empfindliche Sanktionen für notwendig, wenn die Regeln missachtet werden.
Klaus Josef Lutz, Chef von Europas größtem Agrarhandelskonzern Baywa, sagte kürzlich auf Anfrage des Handelsblatts, dass das Gesetz völlig überflüssig sei. Der gesellschaftliche Druck reiche vollkommen aus, sodass sich das Thema Frauen in Vorständen in den kommenden Jahren von selbst erledigen werde. Das sieht Monika Schulz-Strelow entschieden anders. „Ohne die Quote wären wir in fünf Jahren nie zu einem Drittel Frauenanteil in den Aufsichtsräten gekommen“, sagt sie. „Und obwohl es dort jetzt mehr Frauen gibt, die über Vorstandsbesetzungen entscheiden könnten, ist der Anteil noch immer so dürftig.“
Doch woran liegt das? Sollte man nicht meinen, dass Frauen, die es geschafft haben, den Weg für andere Frauen ebnen? „Leider passiert das noch zu selten“, sagt Monika Schulz-Strelow. „Zu selten wird ein wirkliches Netzwerk aufgebaut. Viele denken leider immer noch: Ich habe mich so sehr angestrengt, es hierher zu schaffen, das sollen die anderen auch erst mal leisten.“ Es seien eben nicht nur Männer, die es Frauen zuweilen schwer machen, es nach oben zu schaffen. Sondern auch Frauen.
Die Quote könne deshalb ein Türöffner sein. Für motivierte, qualifizierte Frauen, die zu oft bei der Besetzung wichtiger Posten übergangen werden. Und nicht zuletzt helfe die Öffentlichkeit, die das Thema aktuell wieder genießt und breit aufgreift. „Ich habe in 2015 Droh-Mails bekommen“, sagt Monika Schulz-Strelow. „Das zeigt natürlich, wie emotional dieses Thema damals besetzt war. Und da sehe ich glücklicherweise schon mal einen großen Unterschied zu heute: Diese Mails bekomme ich nicht mehr.“