Tabuthema am Arbeitsplatz: Wie man mit Depressionen im Job umgehen kann
In der EU leiden knapp 84 Millionen Menschen an psychischen Krankheiten wie Angststörungen und Depressionen – am höchsten ist die Zahl in Deutschland.
(Photo by Pim Chu on Unsplash)
Foto: HandelsblattBonn. Ich bin 39 Jahre alt und lebe das Leben, das ich mir gewünscht habe. Tatsächlich aber fühlt sich gerade gar nichts gut an – ich stecke seit Wochen in einer depressiven Episode (so nennen Ärzte das), die im Grunde jeden von uns erwischen kann. Ja, auch Sie. Und zwar so unerwartet und unerwünscht, wie man plötzlich einen Schnupfen bekommt. Aber der Reihe nach.
Ich bin schon mit 15 an Depressionen erkrankt und habe über viele Jahre viel Energie in eine „Strahlemaske“ investiert – ein Gesicht, das ich öffentlich zeigte, das andere sehen und dem sie glauben sollten.
Mit der Energie, die ich investierte, hätte ich Kraftwerke betreiben können. Warum habe ich das getan? Weil ich mich schämte, mich unvollkommen oder unsicher fühlte. Oder weil ich nicht klagen, nicht schwach wirken, keine Last sein wollte. Schon gar nicht am Arbeitsplatz, wo Depressionen und andere seelische Krankheiten noch immer ein Tabuthema sind.
Dabei bin ich mit meiner Strahlemaske überhaupt nicht alleine. Mindestens jeder zehnte Arbeitnehmer erkrankt im Job an einer seelischen Störung. Laut Bundesgesundheitsministerium leidet jeder dritte von uns im Laufe seines Lebens mal an einer solchen Krankheit. Und wir Deutschen leiden laut einer EU-Vergleichsstudie zufolge sogar relativ oft an psychischen Krankheiten.