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AsiatikaBegehrte Raritäten aus China

Die Asia Week in New York spielt in den Auktionen von Christie’s, Bonhams und Sotheby’s mehr ein als 2015. Aber nur gute Herkunft sorgt für hohe Zuschläge.Barbara Kutscher 23.09.2016 - 07:56 Uhr Artikel anhören

Rare Teeschale der Song-Dynastie: Für sage und schreibe 11,7 Millionen Dollar verkauft. Quelle: Christie's New York

Foto: Handelsblatt

New York. Sofort nach Aufruf des kostbaren schwarzen Teeschälchens mit irisierenden Tupfen aus der Südlichen Song-Dynastie (1127– 1279) bei Christie’s hoben sich Dutzende von filmenden Handys. Auf den Hammerschlag mussten die wieder zahlreich angereisten asiatischen Sammler jedoch fast zehn Minuten lang warten. Erst dann gaben zwei Konkurrenten gegen einen Telefonbieter auf, der als Einziger bereit war, inklusive Aufgeld 11,7 Millionen Dollar für das winzige Stück zu zahlen.

Der untere Schätzpreis hatte bei 1,5 Millionen Dollar gelegen. Das auf Laien unscheinbar wirkende Schälchen war Teil der umfangreichen „Linyushanren Collection“, die über dreißig Jahre von einem japanischen Sammler zusammengetragen wurde und sich auf die Song-Dynastien (960–1279) spezialisiert. Vor vier Jahren hatte sie bei Christie’s in Ausstellungen in Hongkong, London und New York mit ihrer repräsentativen Auswahl von Gefäßformen und -glasuren einen ersten beeindruckenden Auftritt.

Nun folgt die Versteigerung in drei Tranchen. Die am 15. September 2016 in New York angebotenen 28 Stücke fanden sämtlich, oft zum Mehrfachen der Taxe, zu insgesamt 18,4 Millionen Dollar Käufer. Und es sind nicht mehr nur westliche, japanische oder taiwanesische Sammler, die sich traditionell für die eleganten Gefäße interessieren. Im Saal und an den Telefonen bewarben sich unter anderem Sammler aus Beijing und Macau.

Ming-Möbel aus tropischem Hartholz

Auch das Auktionshaus Bonhams freute sich über einen namhaften Nachlass: hier gab es klassische Ming-Möbel aus den begehrten tropischen Harthölzern Huanghuali und Zitan. Für die hatten sich John und Celeste Fleming aus Denver, Colorado, unter Anleitung der führenden Hongkonger Händlerin Grace Wu Bruce schon in den 1990er-Jahren interessiert. Und obwohl Experten der Sammlung nicht unbedingt eine „A+“-Bewertung geben, brachte sie Bonhams am 12. September, direkt zu Beginn der vollgepackten Woche, gute 3,9 Millionen Dollar ein.

Highlight unter den 20 Fleming-Losen war ein seltenes Vier-Pfosten-Bettgestell vom Typ „Jiazichuang“ (späte Ming-Dynastie), das seine Höchstschätzung bei 1,4 Millionen Dollar verdreifachte. Ein seltenes Himmelbett mit sechs Pfosten (spätes 16./frühes 17. Jahrhundert), ein weiteres Werk aus der geschätzten Sammlung des Architekten Ignazio Vok, folgte drei Tage später bei Christie’s. Hier bewilligte ein asiatischer Bieter am Telefon 845.000 Dollar, immerhin mehr als das Doppelte der Erwartung.

Die Ruhestatt aus kostbarem Huanghuali-Holz kostete bei Bonhams fast 1,4 Millionen Dollar. Quelle: Bonhams

Foto: Handelsblatt

Nach der jüngsten Runde von New Yorker Asiatika-Versteigerungen zeigten sich die Verantwortlichen bei Sotheby’s, Christie’s und Bonhams unisono zufrieden. Insgesamt wurden in der dritten Septemberwoche 130,4 Millionen Dollar eingehämmert, sie lagen weit über den Einnahmen vom letzten September und auch über denen vom März dieses Jahres.

Stärkste Konkurrenz um Altchinesisches gab es im Spitzenbereich. „Jeder verlangt nach dem Besten“, bestätigt Sotheby’s Mee-Seen Loong, Vice Chairman, Chinese Art. Dagegen bewegte sich im Mittelmarkt nicht viel, ein gut informiertes Publikum ließ zu hoch Taxiertes links liegen. Wichtige Provenienzen wurden ebenfalls hoch bezahlt.

Erlös für den Ankaufsetat

Größte Zugkraft hatte da das New Yorker Metropolitan Museum of Art, das Christie’s am 15. September kräftig Depotware verkaufen ließ. Die tonangebende „Association of Art Museum Directors“ erlaubt den Verkauf von Museumseigentum, solange der Erlös dem Ankaufsetat zugutekommt und nicht für Unterhaltskosten des Museums verwandt wird. Keine Sorge, das Met besitzt immer noch mehrere Tausend Stück an chinesischer Keramik. Die aussortierten 204 Lose von Song-Dynastie bis zur Qianlong-Periode (960–1796) waren Dubletten, nicht so Qualitätvolles oder heute nicht mehr Geschätztes, trotzdem wurden alle abgesetzt.

Die Zuschläge sprangen bis auf gut 2 Millionen Dollar, so viel kostete eine sehr seltene Schultervase („Laifu Zun“) mit sogenannter „Peachbloomglasur“ in zart Rosa-Violett aus der Kangxi-Periode (1662–1722). Sie kam 1950 aus dem Nachlass von Mary Stillman Harkness, Ehefrau des Standard-Oil-Erben Edward Stephen Harkness, in die Sammlung. Betont niedrige Schätzpreise lockten auch Novizen in den voll besetzten Saal und brachten dem Museum einen schönen Erlös von 12,1 Millionen Dollar.

Dagegen baute Sotheby’s eine solide Führungsposition bei klassischer chinesischer Malerei und Kalligraphie mit dem wichtigen Nachlass von Roy und Marilyn Papp aus. Roy Papp aus Phoenix, Arizona, hatte sich schon 1988 mit der guten Spürnase, die ihn auch als Investor auszeichnete, der im Westen wenig beachteten chinesischen Malerei der Ming- und Qing-Dynastien zugewandt.

Die besten 40 Werke der gut publizierten Sammlung schenkten die Papps zwar ans Phoenix Art Museum; Bietern auf der Abendversteigerung am 14. September wurden unter 122 Losen dennoch Begehrenswertes geboten. Die sich über viereinhalb Stunden bis kurz vor Mitternacht hinziehende Auktion stellte zwar alle auf eine harte Geduldsprobe. Bis auf sieben Gemälde wurde aber fast alles abgesetzt. Die eingehämmerten 32,2 Millionen Dollar verdoppelten die Erwartung.

Allein 9,5 Millionen Dollar forderte eine fast fünf Meter lange Handrolle, leider ein Fragment. An ihr hatten mehrere Maler unter der Leitung von Wang Hui (1632–1717) gearbeitet. Mit feinstem Pinsel schilderten sie sehr detailliert Kaiser Kangxi nebst Tross auf der Tour durch die südliche Provinz. Insgesamt wurden zwölf dieser Gemälde nach 1689 in Auftrag gegeben, aneinandergereiht wären sie über 200 Meter lang.

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