Auktionsmarkt: Wie Christie's sparen will
Der Stammsitz des traditionsreichen Auktionshauses in London
Foto: Christie's, AW Fisher PressebildLondon. Eigentlich wollte Christie’s Chef Guillaume Cerutti die virtuelle Pressekonferenz zur bevorstehenden „One“-Auktion vom 10. Juli einleiten. Sie ersetzt die New Yorker Galaauktionen. Aber die Krise des Kunstmarktes ist so tiefgreifend, dass seine Ausführungen zur internen Restrukturierung sich weniger als Teil einer globalen Strategie anhörten denn als Sparmaßnahme.
Christie‘s legt die Abteilungen „Impressionisten und Moderne“ mit der für „Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst“ zusammen. Es wird für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts eine einzige Abteilung geben. Damit gehe man auf das veränderte Verhalten ein, die Kunden sammelten eklektischer.
Die Umstrukturierung hat Auswirkungen auf das Management, auf Auktionsformate und Terminierungen. Innovativ ist die Zusammenlegung nicht, nahm doch Phillips eine solche konzeptuelle Vereinfachung schon vorweg. Christie’s ist bisher das erste der großen Auktionshäuser, das offen über die schwierige Lage im Markt spricht. Laut Cerutti stehen ein „robustes Management“ und „Kostenreduzierungen durch Mitarbeiterreduzierung“ bevor.
Sotheby’s ist immer noch mit Umstrukturierungen nach der Privatisierung beschäftigt: Von den Auswirkungen der Aufspaltung in eine Luxus- und eine Kunstsparte des Hauses wird sicher bald mehr zu hören sein. Bonhams hat seit März einen neuen Managing Direktor für das Vereinigte Königreich und Europa. Patrick Masson dürfte alle Hände voll zu tun haben, da das Haus weiterhin vorrangig auf „Live-Auktionen“ setzt.
Phillips hingegen baut weiterhin seine digitale Strategie aus. Für Kunden wie für Marktbeobachter wird eines klar: Jeder geht in diesen beispiellosen Monaten seiner eigenen Wege. Die Zeiten der koordinierten Auktionswochen sind auf absehbare Zeit vorbei.
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