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Auktionsvorbericht Deutsche Kunstversteigerer trotzen Corona

Zahlreiche Auktionsangebote zu hohen sechsstelligen Preisen spiegeln das noch anhaltende Vertrauen in die Preisstabilität des Kunstmarkts.
18.06.2020 - 17:36 Uhr Kommentieren
Die beliebte Farbserigraphie soll mindestens 100 000 Euro bringen. Quelle: Ketterer Kunst /  VG-Bildkunst 2019
Keith Haring „Andy Mouse“

Die beliebte Farbserigraphie soll mindestens 100 000 Euro bringen.

(Foto: Ketterer Kunst / VG-Bildkunst 2019)

München Die Kataloge der noch ausstehenden Auktionen mit Klassischer Moderne und Gegenwartskunst in führenden deutschen Häusern sind ein paar Seiten schmaler geworden, aber in Bezug auf die angebotene Kunst nicht weniger gewichtig. Hochkarätige Spitzenwerke kommen zum Aufruf: Beim Auktionshaus Grisebach Emil Noldes Gemälde „Südsee Landschaft II“ von 1915, das auf 800.000 bis 1,2 Millionen Euro geschätzt wurde. Bei Ketterer ist es das auf bis zu 800.000 Euro getaxte, unscharf flirrende Fotogemälde „Christiane und Kerstin“ von Gerhard Richter.

Der befürchtete sturzflugartige Einbruch der Einlieferungen als Folge von Pandemie und Lockdown ist ausgeblieben, berichten befagte Auktionatoren. Der Grund: Das Fundament dieser Saison wurde in fast allen Häusern schon in den ersten Monaten des Jahres gelegt.

Diandra Donecker, Geschäftsführerin bei Grisebach, sagte dem Handelsblatt, dass etwa 50 Prozent des Angebots bereits Ende Februar akquiriert waren: Darunter Alexej von Jawlenskys „Landschaft mit Bäumen“ zur Taxe von 300.000 Euro, Mela Muters andachtsvolle „Kindergruppe“ von 1913 mit einer Mindesterwartung von 180.000 Euro, aber auch Neo Rauchs 1997 entstandenes Gemälde „Leitung“, das 80.000 Euro einspielen soll. „Obwohl mit dem vorzeitigen Schließen der Maastrichter Messe Tefaf das Gefühl aufkam, jemand hätte den Stecker des internationalen Kunstmarktes gezogen, wurde kein Objekt zurückgezogen“, unterstreicht Donecker.

Viele Wochen waren die Lieferketten unterbrochen. Dass sie nach Verschiebung des Auktionstermins auf den 9. Juli in der dann einsetzenden Aufholjagd wieder funktionierten, ist dem gut ausgebauten Netz aus Family Offices, Händlern und europäischen Sammlern zu verdanken.

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    Kunst ist in vielen Bereichen nach wie vor ein operativer Finanzposten. Notverkäufe aber sind in Berlin wie auch in München ausgeblieben. „Für mich steht hinter den Einlieferungen das Vertrauen, dass wir als Versteigerer wissen, wer das in den Auktionen kaufen wird“, erläutert Donecker. Nach dem langen Stillstand kam schließlich noch ein weiteres Highlight hinzu: Siegmar Polkes gerasterte Gestalt auf gepunktetem Stoff aus dem Jahre 1993. Die Taxe des Gemäldes liegt bei 300.000 Euro.

    Leicht gebremste Verkaufsbereitschaft

    Mit einer Gesamtschätzsumme von 21 Millionen Euro liegt auch Robert Ketterer etwas unter dem Schnitt. Der Auktionator registrierte mit Eintreten der Pandemie eine leicht gebremste Verkaufsbereitschaft im Hochpreis-Segment: „Es ist schwer Spitzen zu bekommen“. In diesem Bereich muss sich der Markt sowohl international als auch national erst noch beweisen.

    Doch auch Ketterer Kunst hat am 17. und 18. Juli ein Angebot, das mit mehreren Werken von Richter, Polke und Günther Uecker ganz Blöcke gesuchter Künstler vorweist. Ketterers Ruf, dem Markt zu geben, was der Markt will, drückt Keith Harings Lithographie „Andy Mouse“ aus. Der avisierte Preis von 100.000 Euro spiegelt internationale Auktionserlöse für diesen Druck.

    Gute Absatzchancen für deutsche Versteigerer

    Im Bereich der Moderne stehen Ernst Ludwig Kirchner und Paula Modersohn-Becker ganz vorn. Kirchners „Dorfstraße mit Apfelbäumen“ von 1907 soll 400.000 Euro bringen, seine kantigen „Heimkehrenden Heuer“ vor einer Bergkulisse mindestens 300.000 Euro. Modersohns ebenso stilles wie reduziertes Porträt „Kopf der Schwester Herma“ soll 140.000 bis 180.000 Euro kosten.

    Aufgrund der momentanen Windstille, die die Absage zahlreicher Messen, aber auch die eingeschränkten Auktionsaktivitäten in London und New York verursachen, sieht Ketterer gute Absatzchancen für die deutschen Häuser: „Das international ausgedünnte Angebot wird die geringere Kaufkraft kompensieren“.

    Intensive Telefonate mit Kunden

    Die Verlegung der Auktion von Juni auf den 16. Juli gab auch Karl & Faber in München Gelegenheit zu einem kräftigen Akquise-Nachschlag. Spitzenlos ist hier Pablo Picassos Zeichnung „Homme à l’agneau, mangeur de pastèque et flûtiste“, eine Tiergartenimpression von Max Liebermann und Marc Chagalls „Interieur jaune“ – jeweils mit Taxen von 250.000 Euro.

    „Wir haben während des Lockdowns mit unseren Kunden sehr intensiv per Telefon kommuniziert“, sagt Rupert Keim, Geschäftsführer von Karl & Faber. Den entscheidenden Impuls habe aber bei vielen die Marktsituation selbst gegeben. Die erfolgreichen reinen Online-Auktionen und ersten Saal-Auktionen im April vermittelten Zuversicht in den Markt.

    Erlöse für Gegenwartskunst sind konjunkturabhängig

    Mit einer dreiteiligen Zeichnung von Jorinde Voigt, einem Lurra-Stein von Eduardo Chillida und einer frühen Abstraktion Imi Knoebels agiert Karl & Faber im Bereich der Gegenwartskunst mit Taxen im 100.000 Euro-Bereich. Dennoch beobachtet Keim seit der Coronakrise eine Zurückhaltung bei den Einlieferungen von zeitgenössischer Kunst: „Auf diesem Gebiet sind die Ergebnisse sehr konjunkturabhängig“.

    Ob der Kunstmarkt nur eine Delle bekommt oder eine starke Korrektur erfährt, wird sich nach Meinung der Insider erst Ende des Jahres zeigen, wenn Insolvenzen aufs wirtschaftliche Klima durchschlagen könnten.

    Mehr: Lempertz: Das Beste kommt in die Abendauktion

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