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Coronakrise Deutsche Museen sorgen sich um ihre Budgets

Einbruch beim Kartenverkauf, ausfallende Sponsorengelder und knappe öffentlich Kassen: In Deutschland ringen die Museen finanziell mit der Coronakrise.
21.05.2020 - 13:08 Uhr Kommentieren
Einsame Betrachtungen in der Gemäldesammlung des Staatlichen Museum Schwerin. Quelle: dpa; Foto: Jens Büttner
Allein mit Alten Meistern

Einsame Betrachtungen in der Gemäldesammlung des Staatlichen Museum Schwerin.

(Foto: dpa; Foto: Jens Büttner)

Düsseldorf Zwei Millionen Euro Einnahmen fehlen den Staatlichen Museen zu Berlin infolge des Lockdowns pro Monat in ihren Kassen. Mit dieser Nachricht erschreckte die stellvertretende Generaldirektorin Christina Haak im April die Öffentlichkeit.

Nun werden die meisten der 17 Häuser unter strengen Hygieneauflagen langsam wieder für den Publikumsverkehr geöffnet. Doch hinter den für dieses Jahr angepeilten 17 Millionen Euro aus Ticket- und Museumsshop-Verkäufen, Miet- und Pachteinnahmen steht ein großes Fragezeichen. „Das bricht jetzt alles gerade weg“, sagt Haak.

Wie Deutschlands Museen mit den Coronabedingten Defiziten umgehen und wie sie das viel bedrohlichere Szenario einer Rezession durchstehen wollen, ist abhängig von der Trägerschaft, aber auch eine Frage des Standorts. Wer wie in Berlin zu 75 bis 80 Prozent vom Tourismus lebt, wird auch nach dem Ende des Lockdowns mit deutlichen Mindereinnahmen rechnen müssen.

Dennoch haben große, staatliche Kunstsammlungen wie in Berlin, Dresden oder München finanziell einen größeren Spielraum als tausende kleinerer Museen in kommunaler, privater oder gemischter Trägerschaft. „Oft viel zu knapp kalkulierte Budgets lassen sich bei wegbrechenden Einnahmen nicht halten“, reklamiert Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes, Berlin. Das angestellte Personal sei tariflich abgesichert, nicht aber die freien MitarbeiterInnen, die in ihrer Existenz bedroht sind.

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    „Wir werden uns auf massive Einschränkungen einstellen müssen“, sagt Heidrun Derks, Leiterin von Museum und Park Kalkriese, das die Varusschlacht im Osnabrücker Land thematisiert und wie ein mittelständisches Unternehmen geführt wird.

    Kernausgaben wie Personal- und Betriebskosten würden nicht durch Zuschüsse der öffentlichen Hand gedeckt. „Sie müssen durch Eintritte, Shop, Pachtverträge oder Einnahmen aus der Gastronomie hereinkommen“, erläutert Derks. Die Summe, die hierdurch erwirtschaftet werde, belaufe sich je nach Jahr auf 400.000 bis 600.000 Euro und werde zu 95 Prozent zwischen April und Oktober erwirtschaftet.

    Das Varusmuseum ist eine gGmbH; Gesellschafter sind die Stiftungen der Sparkassen im Landkreis Osnabrück mit dem Landkreis als Partner. Auf der letzten Sitzung bekamen die Mitarbeiter vom Aufsichtsrat zwar die ermutigenden Worte mit auf den Weg „nicht einschüchtern lassen“, „zuversichtlich planen!“ Doch Derks macht sich nichts vor: „Wir werden dieses Jahr irgendwie überleben.“ Das eigentliche Bibbern beginnt für sie im nächsten Jahr.

    Besucher genießen es auch, einmal nicht im Gedränge zu stehen. Der Nachteil sind weniger Einnahmen aus Eintrittsgeldern. Quelle: imago images/Emmanuele Contini
    Im Alten Museum in Berlin

    Besucher genießen es auch, einmal nicht im Gedränge zu stehen. Der Nachteil sind weniger Einnahmen aus Eintrittsgeldern.

    (Foto: imago images/Emmanuele Contini)

    Im privaten Museum Frieder Burda in Baden-Baden fehlten während des Lockdowns wöchentliche Einnahmen in fünfstelliger Größenordnung. Museumsdirektor Henning Schaper hofft jedoch, dass nach der Wiedereröffnung der Fehlbetrag auf nur 10.000 Euro wöchentlich gedrückt werden kann.

    „Nicht notwendige Investitionen werden für das nächste halbe Jahr gestrichen“, erläutert Schaper seine Einsparmaßnahmen. Am Ausstellungsprogramm will er nur leichte Änderungen vornehmen. Aber jede einzelne Leihgabe würde diskutiert, da die Transportkosten per Luftfracht um das Fünffache gestiegen seien. „Alles, was nicht mit dem LKW transportiert werden kann, ist unerschwinglich“, sagt Schaper.

    Vorsicht beim Planen

    Optimistisch bleibt Katia Baudin, Direktorin der Kunstmuseen Krefeld, trotz unsicherer Aussichten. „Krefeld hat das Glück, dass die Kultur hier Chefsache ist.“ Oberbürgermeister Frank Meyer ist zugleich der Kulturdezernent der Kommune. Die wirtschaftete jahrelang im Nothaushalt, darf aber ab 2021 wieder frei über ihre Mittel verfügen.

    „Wir planen vorsichtiger, weil man nicht weiß, wie lange die Coronakrise noch dauert“, erläutert Baudin. „Und wir fragen uns: Wo liegen die Prioritäten? Was können wir später machen?“

    Gelassen geht die studierte Betriebswirtin und Kunsthistorikerin mit den Unwägbarkeiten der Zuwendungen aus Drittmitteln um. Ein Drittel bezahlt die Stadt, zwei Drittel eine Privatstiftung und Sponsoringpartner aus der privaten Wirtschaft.

    Die Zuwendungen der heimischen Wirtschaft könnten jedoch einbrechen, fürchtet Baudin. Deshalb versucht sie, mit möglichst vielen Partnern zusammen zu arbeiten. Wer sich sich nur auf die Mittel eines Gebers stützt, steht mit leeren Händen da, wenn sie wegfallen.

    Unbesetzte Stuhlreihen vor der Videoarbeit von Andrea Bowers Videoprojektion
    Im Abteiberg Museum Mönchengladbach

    Unbesetzte Stuhlreihen vor der Videoarbeit von Andrea Bowers Videoprojektion "My Name Means Future" aus dem Jahr 2019/2020. Das über 50-minütige Video ist eine Leihgabe aus der US-Sammlung Mitchell & Emily Wie Rales und Teil der aktuellen Bowers-Schau.

    (Foto: Museum Abteiberg, Mönchengladbach; Foto: Achim Kukulies)

    Am Ende könnte weder auf die öffentliche Hand noch auf die Privatwirtschaft Verlass sein, sorgt sich Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museum Hannover. Für ihn gibt es bereits Anzeichen, dass die öffentlichen Gelder auf keinen Fall wachsen, eher sogar weniger werden. „Alle Projektförderungen, die wir im laufenden und für das nächste Jahr beantragt haben, wurden seitens des Landes bereits mit einem Fragezeichen versehen.“

    Auch Stiftungsgelder würden für die Museen knapper, da etliche Stiftungen Notfonds für selbstständige Künstler aufgelegt hätten, ergänzt Spieler. „Diese Mittel stehen dann natürlich für die Projektförderung nicht mehr zur Verfügung.“

    Im Übrigen erwartet der Museumsleiter, dass die Lage in der Privatwirtschaft noch schwieriger wird. So wurde eine Sponsoringanfrage für das Ausstellungsvorhaben „How to survive“ bereits abgesagt: „Wegen Coronakrise kein Budget“.

    Museum als Ankerpunkt

    Über allem aber steht ein grundsätzliches Problem. „Kultur ist in den meisten Bundesländern nicht als gesetzlich verpflichtende Aufgabe definiert“, klagt der norddeutsche Museumsmann. Ausnahmen bilden Sachsen und das Land Nordrhein-Westfalen, wo sich die erfahrene Kulturpolitikerin Isabel Pfeiffer-Poensgen im engen Austausch mit der Bundesregierung für weitere Corona-Hilfsmaßnahmen stark macht.

    Was Kultur für eine Zivilisation bedeutet, wird sich letztlich auch an der Art und Weise bemessen, wie sie mit ihrem kulturellen Erbe umgeht. „Brauchen wir das Museum, das sammelt, bewahrt und erforscht überhaupt noch“, fragte Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseums Bonn noch vor nicht langer Zeit provokant. Dabei dachte er nicht nur an die mehr als 2500 neuen Museen, die seit 1990 errichtet wurden, sondern eben auch an Sammlungen, die wissenschaftlich nicht weiter erforscht und ausgebaut werden können, weil die Politik im Museum in erster Linie eine Besucherzahlen generierende „Kulturmaschine“ sieht.

    Infolge der Coronakrise kristallisiert sich jedoch klarer heraus, was die Gesellschaft an ihren Museen hat. „Das Museum wird wieder als Ankerpunkt in der Region begriffen“, fasst die Vizepräsidentin des Deutschen Museumsbunds, Christina Haak, die Erfahrungen zusammen. Während des Lockdowns wurde den Menschen bewusst: „Etwas, das vorher selbstverständlich da war, war plötzlich weg. Auf einmal werden wir als identitätsstiftend wahrgenommen.“

    Mehr: Art Market Report: Der Kunstmarkt geht in eine ungewisse Zukunft

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