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Kunstauktionen Die Pandemie zwingt die Versteigerer ins Internet

Auktionen mit Publikum sind in Corona-Zeiten tabu. Kunden sollen telefonisch und online mitbieten. Im Vorteil sind Versteigerer, die auch reine Internetauktionen anbieten.
02.04.2020 - 16:13 Uhr Kommentieren
Das 1988 hergestellte Objekt wird im Juni in der Online-only-Auktion „GOLD“ bei Van Ham aufgerufen. Sein Schätzpreis liegt bei 1200 bis 1500 Euro. Quelle: Van Ham
„Goldener Bauhelm“ von Asprey & Co.

Das 1988 hergestellte Objekt wird im Juni in der Online-only-Auktion „GOLD“ bei Van Ham aufgerufen. Sein Schätzpreis liegt bei 1200 bis 1500 Euro.

(Foto: Van Ham)

Düsseldorf Das Coronavirus verlangt dem Auktionshandel täglich eine neue Risikobewertung ab. Niemand kann sicher sagen, wie lange es noch beim Versammlungsverbot bleibt. Wann können wieder Live-Auktionen wie üblich mit Vorbesichtigung und Publikum stattfinden? Für das Versteigerungshaus Neumeister ist das eine existenzielle Frage. „Wir haben auf den letzten Auktionen 80 Prozent des Umsatzes mit Saalbietern gemacht“, erläutert Geschäftsführerin Katrin Stoll. Für die soeben abgesagte Märzauktion Alter Kunst musste bereits zwei Mal ein Ersatztermin gefunden werden. Nun richtet sich alle Hoffnung auf eine Versteigerung Ende April.

Andere Mitbewerber wie Van Ham und Lempertz verschoben ihre für Mitte Mai anberaumten Schmuck-, Kunstgewerbe- und Altmeisterauktionen ebenfalls um 14 Tage. Das gilt auch für Moderne- und zeitgenössische Kunst samt Fotografie. Sie sollen nun in der zweiten Juniwoche unter den Hammer kommen. Bei Grisebach, wo traditionell in der ersten Juni-Woche versteigert wird, planen die Gesellschafter sogar eine Verschiebung um vier bis sechs Wochen in die erste Juli-Hälfte.

Viele Experten sind überzeugt davon, dass die Versteigerer gut daran tun, ihre Frühjahrsauktionen wie üblich live zu veranstalten – selbst wenn die Bieter bei einem noch andauernden Versammlungsverbot ausschließlich über Telefon oder Internet zugeschaltet sind.

„Die Nachfrage ist jetzt da“, betont Van Ham-Chef Markus Eisenbeis. Auch Rupert Keim, Geschäftsführer des Auktionshauses Karl & Faber und Präsident des Bundesverbands Deutscher Kunstversteigerer (BDK), hält es für keine gute Idee, die anstehenden Auktionen weiter in den Herbst zu verschieben: „Der Wettbewerb ist momentan wegen der ausgefallenen Messen entschärft. Im Herbst jedoch werden viele Messen und Verkaufsausstellungen nachgeholt. Somit trifft ein Riesenangebot auf eine geschwächte Wirtschaft.“

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    Keim macht allerdings auch auf den veränderten rechtlichen Rahmen aufmerksam. „Eine Auktion, deren Offerte nicht vorbesichtigt werden kann, fällt unter das Fernabsatzgesetz“, erläutert der BDK-Präsident. Damit hätten die Auktionshäuser es mit verlängerten Gewährleistungsfristen und einem 14-tägigen Rückgaberecht der Ware zu tun.

    Glück hatte das Berliner Auktionshaus Dannenberg, das gewöhnlich in tagelangen Auktionen Tausende von Alltags- und Kunstobjekten unter den Hammer bringt. „Wir sind mit mehr als mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Inhaber Alexander Ernst. Die Vorbesichtigung der jüngsten Session hätte unter Einschränkungen noch stattfinden dürfen. Doch die Live-Auktion mit 5400 Positionen hätte ohne Publikum durchgeführt werden müssen.

    Dass erstaunlich wenig Lose zurückgereicht wurden führt Ernst zwar bescheiden auf die recht günstigen Schätzpreise zurück. Entscheidender aber dürfte sein, dass seine Kunden mit dem Mitbieten im Internet schon so lange vertraut sind.

    Mit eigener Online-Plattform

    Es geht aber nicht nur um die Zeitplanung, sondern auch um technische Infrastruktur. Kann sie in den Auktionshäusern der Mehrbelastung standhalten, wenn Kunden ausschließlich über Telefonleitungen und Internetverbindungen mitbieten wollen? Van Ham-Chef Eisenbeis fühlt sich mit bis zu 25 Glasfaserleitungen und eigener Online-Plattform gut gerüstet. Ein Prozent vom Hammerpreis kostet bei ihm das Mitbieten auf einer Live-Auktion im Netz.

    Bis auf Ketterer greift die Konkurrenz auf Fremdanbieter wie „lot-tissimo“, „Live Auctioneers“, „The saleroom“ oder „Invaluable“ zurück. Es fallen jedoch drei bis fünf Prozent Kosten an.

    Keine Frage ist, dass sich nun auszahlt, wer schon Erfahrungen mit dem komplett digitalisierten Auktionsgeschäft gemacht hat und damit über ein zweites Standbein verfügt. Marktführer sind Ketterer, wo bereits vor zehn Jahren die ersten Online Only-Auktionen eingeführt wurden, und Van Ham. Auch Karl & Faber veranstaltet reine Internetauktionen.

    Die Pandemie als Innovationsbeschleuniger

    „Corona beschleunigt die Entwicklung zum reinen Online-Bieten“, ist Robert Ketterer überzeugt. Er beobachtete in den letzten Wochen auffallend viele Internetzugriffe und reagierte schnell mit einem neuen Online Only-Auktionsformat.

    Das Coronavirus sorgt für ein Umdenken auch bei den Zögerlichen. Wie Grisebach-Mitgeschäftsführerin Micaela Kapitzky auf Nachfrage bekannt gibt, plant ihr Haus Online Only-Auktionen für die preisgünstigeren „Third Floor“-Auktionen.

    Van Ham begann 2017 mit hohen Anfangsinvestitionen den inzwischen fast abgeschlossenen Aufbau dieses Geschäftsfelds. 2020 hat das Haus bereits sieben Online Only-Auktionen veranstaltet.

    Stolz ist Van Ham-Chef Eisenbeis besonders auf einen, auch örtlich komplett vom Normalgeschäft getrennten, eigenen „Work Flow“. Ergänzt um komplett digitalisierte Werkverzeichnisse für einschlägige Grafikkünstler garantiert er eine schlanke effiziente Abwicklung. Die Voraussetzung für den Erfolg? Das Online-Geschäft „dürfen sie nicht als Abfallprodukt betrachten“.

    Mehr: Kunstkauf im Internet: Die Nische im Netz

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