Jürgens Weinlese: Investoren mit Weinverstand gesucht
Besucher des Weinmuseums (La Cite du Vin) schauen sich Weinflaschen an. Das Museum wurde am 1. Juni 2016 eröffnet, um die Bedeutung von Wein für die gesamte Region im Südwesten von Frankreich zu unterstreichen.
Foto: AFPFranzösische Weinhersteller sind auf der Suche nach neuen Investoren. Und für nur 1000 Euro kann jeder dabei sein. Laut Unternehmer Maxime Debure aus Bordeaux brauchen Winzer in seiner berühmten Weinregion und in anderen Landesteilen Geld - und sie seien offen dafür, dieses über das Internet von privaten Investoren mit kleineren Geldbörsen einzusammeln.
Der 38-Jährige hat eine Crowd-Funding-Webseite mit dem Namen Wine-Funding gegründet. Über diese Plattform kann sich jeder an einem Weingut beteiligen, das gegründet, renoviert oder erweitert wird.
Normalerweise würden 1000 Euro gerade mal für ein paar Flaschen edlen Weins aus Frankreichs bekanntesten Regionen wie Bordeaux reichen. Für einen Sitz am Aktionärstisch der berühmtesten Châteaus genügt die Summe aber nicht.
Die Webseite von Debure hat den Fokus auf kleinere Weinproduzenten gelegt. In der größten Finanzierungsaktion, die derzeit läuft, werden eine Million Euro eingesammelt. Damit soll ein Weingut auf Vordermann gebracht werden, das Lussac-Saint-Emilion Rotwein herstellt.
„Kleine und mittelgroße Weinproduzenten sind unterfinanziert. Und das in einer Branche, die hohe Investitionen verlangt“, sagt Debure. Weinbau braucht Finanzmittel, um den Betrieb modern zu halten und den Export aufzubauen. Crowd-Funding kann hier Abhilfe schaffen." Zudem würden sich Verbindungen zwischen Weinproduzenten und Weinliebhabern knüpfen lassen.
Auch in Deutschland hat die Weinbranche Gelder per Crowdfunding eingesammelt, in erster Linie aber Händler. So hat der Online-Händler Geile Weine über diese Art einen sechsstelligen Betrag eingesammelt. Auch das Wein-Portal Sommelier Privé konnte sich per Crowdfunding einen Betrag von 300.000 einsammeln. Die jeweiligen Geldgeber erhielten beim Einkauf über das Portal auch einen Rabatt beim Einkauf. Allerdings mit wenig Erfolg: Sommelier Privé musste später Insolvenz anmelden, weil eine Anschlussfinanzierung nicht gelang.
Auch bei der Website von Debure ist es möglich, dass dass Verbraucher den Weinherstellern kleinere Summen leihen und die Rückzahlung später in Form von fertigen Produkten in Flaschen erfolgt - eine Art Anleihemodell. Sein Schwerpunkt liegt aber auf zahlungskräftgeren Investoren. Die Plattform ist seit dem vergangenen Monat für Gebote geöffnet. Geplant ist, dass auch Projekte aus anderen Ländern wie Italien und Südafrika akzeptiert werden.
Das Geschäftsmodell folgt dem der britischen Naked-Wines. Die von Verbrauchern finanzierte Wein-Webseite, die im jüngsten Geschäftsjahr auf einen Umsatz von 100 Millionen Pfund (128 Millionen Euro) kam, war vergangenes Jahr von Majestic Wine für 70 Millionen Pfund übernommen worden.
Frankreich ist die Nummer zwei unter den Ländern mit der höchsten Weinproduktion, gemessen am Volumen, nachdem es 2015 hinter Italien zurückgefallen war. Danach folgen Spanien, die USA und Argentinien.
„Wir wollen Investoren, die Wein im Besonderen verstehen“, sagt Patrick Ribouton vom Vermögensverwalter La Francaise. Er leitet das Renovierungsprojekt für Le Château La Tour de Ségur, das sich derzeit online um das Einsammeln von eine Million Euro bemüht, um eine 4,5 Million schwere Finanzierung auf den Weg bringen. „Wir brauchen Kapital. Und dies ist eine Quelle für Finanzmittel, um unsere Finanzierungsrunde abzuschließen.“
Riboutons Projekt - wie alle anderen auch - wurde zunächst von einem Expertenausschuss unter die Lupe genommen, zusammengestellt von Debure. Zu den Mitgliedern zählt beispielsweise Gérard Margeon, Chef-Sommelier des französischen Michelin-Sterne-Kochs Alain Ducasse.
Die Riege der Weininvestoren reicht von Familienerben bis hin zu Unternehmen wie dem Luxusgüter-Konzern LVMH, der neben dem Château Cheval Blanc und der Süßwein-Ikone Chateau d‘Yquem in Bordeaux weltweit exzelleten Weingüter gekauft auf. Der Versicherer Axa SA kontrolliert beispielsweise das Château Pichon-Longueville. Und die Schauspieler Angelina Jolie und Brad Pitt haben ebenso Geld in Wein gesteckt wie der chinesische Milliardär Jack Ma von der Alibaba Group.