Jörg Dittrich: „In der Politik fehlt Kenntnis unserer Wirtschaftsstruktur“
Berlin. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Jörg Dittrich, kritisiert die Steuerpläne der Koalitionsparteien. „Das Geld, das man Firmenerben wegnimmt, ist nicht mehr da, um es in Anlagen oder Arbeitsplätze zu investieren“, sagte Dittrich mit Blick auf das von der SPD vorgelegte Konzept für eine Erbschaftsteuerreform im Interview mit dem Handelsblatt. „Bei der Erbschaftsteuer wären wir gut beraten, zunächst das Urteil des Bundesverfassungsgerichts abzuwarten, bevor wir uns die Köpfe heißreden.“
„Eine hohe Erbschaftsteuer könnte Betriebe zwingen, Teile davon zu veräußern oder vielleicht die ganze Firma zu verkaufen, womöglich an Investoren aus dem Ausland“, sagte der Dresdner Dachdeckermeister. Während das SPD-Konzept Firmenerben belaste, bringe das von der CSU geforderte Vorziehen der Senkung der Körperschaftsteuer dem Handwerk wenig. Rund 75 Prozent der Handwerksbetriebe seien Personenunternehmen, die davon gar nicht profitieren würden, weil sie statt Körperschaftsteuer Einkommensteuer zahlen, sagte Dittrich. „In der Politik fehlen zu oft die Kenntnis und das Bewusstsein für unsere Wirtschaftsstruktur.“
Der SPD wirft der Handwerkspräsident mit Blick auf nötige Sozialstaatsreformen eine „Wagenburg-Mentalität“ vor, weil sie sich dem Dialog mit der Wirtschaft verschließe. „Der Kontakt Richtung SPD ist insgesamt ausbaufähig, es gibt zu wenig belastbaren Austausch“, sagte Dittrich. „Meine Erwartung an eine Volkspartei wäre eine andere.“