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Buchtipp: „Das Geschenk“ Sebastian Fitzek – Der Rockstar unter den Romanautoren

Er ist einer der erfolgreichsten Romanautoren Deutschlands. Die Leser können in seinen Thrillern hautnah dabei sein. Hat Fitzek die Bestseller-Formel gefunden?
27.12.2019 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Autor hat bisher 26 Bücher veröffentlicht. Quelle: Getty Images
Sebastian Fitzek

Der Autor hat bisher 26 Bücher veröffentlicht.

(Foto: Getty Images)

Frankfurt Der Mann, der zwischen zwei Buchdeckeln alle Schrecken dieser Welt verpackt, sitzt gut gelaunt in einem kleinen Kabuff und erzählt Anekdoten: Über seine Anfänge als Autor und seine Inspirationsquellen. Mit tiefer Stimme nimmt Sebastian Fitzek den winzigen Raum ein und lässt selbst die langweiligste Antwort wahnsinnig spannend klingen. Es scheint, als wisse er genau, welche Wirkung er erzielt.

Nicht umsonst ist Fitzek einer der erfolgreichsten Krimiautoren Deutschlands – und der Bestsellergarant des Verlags Droemer Knaur. Fitzek veröffentlicht jährlich ein, bis zwei neue Psychothriller und ist bekannt dafür, in seinen Büchern Alltagssituationen in Albträume kippen zu lassen. Da verschwindet plötzlich ein Kind im Behandlungsraum und taucht nicht wieder auf, während der Vater im Wartezimmer verzweifelt.

Oder eine Frau nimmt ein Paket für einen Nachbarn an, den sie noch nie gesehen hat, der aber scheinbar direkt neben ihr wohnt. In Fitzeks Büchern treffen grausame Psychopathen auf Frauen und Kinder, denen Furchtbares angetan wird. Es handelt sich um ein Schock-Rezept, dem wahrscheinlich jeder zweite Krimiautor so oder so ähnlich folgt. Doch Fitzek ist erfolgreicher als die meisten von ihnen. Was ist sein Geheimnis?

Insgesamt hat der Autor seit seinem Debüt 2006 26 Bücher veröffentlicht, davon 19 Psychothriller, und insgesamt zwölf Millionen Exemplare verkauft. Kündigt er ein neues Buch an, kleben in den Schaufenstern vieler Buchhandlungen bereits Wochen im Voraus die Werbeplakate.

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    Und schon vor dem eigentlichen Verkaufsstart rutschen seine neuen Psychothriller auf die obersten Plätze der Amazon-Vorbestellungen. Wenn er gerade mal keinen Bestseller schreibt, liest Fitzek auf speziell inszenierten Events, betreibt einen eigenen Fanshop und unterhält seine Fans in den sozialen Medien. Denn Fitzek ist nicht nur ein Bestsellergarant, sondern zusätzlich ein Meister der Selbstvermarktung.

    Die Leser werden Teil der Show

    Im Oktober hat Fitzek seinen neuesten Thriller „Das Geschenk“ veröffentlicht. Auch wer den Autor nicht kennt, stolpert im Laden über das Buch, denn es sticht durch seine Aufmachung hervor: Dicke rote Schleifenbänder sind auf ein schwarzes Päckchen gedruckt, obendrauf der obligatorische Geschenkanhänger mit der Aufschrift „Sebastian Fitzek, Psychothriller, Das Geschenk“. Faltet man das schwarze Päckchen auf, erscheint das eigentliche Buch – als Geschenk von Fitzek selbst.

    Sebastian Fitzek: Das Geschenk
    Droemer HC
    368 Seiten
    23 Euro

    Diese kreativen Inszenierungen seiner Bücher machen Fitzek aus und unterscheiden ihn von anderen Krimiautoren. „Die Leser sollen ein Erlebnis mit meinem Buch kaufen“, erklärt Fitzek. Deshalb spielt er oftmals die Schlüsselszenen seiner Bücher in der Wirklichkeit nach, so auch bei seinem neuen Thriller. Passend zum Titel des Buchs fanden einige Leser vor ihrer Haustür ein Geschenk.

    Sie hatten sich freiwillig mit 25.000 anderen auf Fitzeks Facebook-Seite gemeldet, waren ausgewählt worden und erwarteten einen persönlichen Besuch des Autors. Sie ahnten nicht, dass sie Teil einer Inszenierung sein würden.

    Anstatt Fitzek zu treffen, durchlebten die Leser Szenen aus dem neuen Psychothriller: Sie wurden von einem Taxi abgeholt, erhielten Hinweise, wurden ausgesetzt und landeten am Ende in einem blutverschmierten Badezimmer. Dort trafen sie Fitzek dann doch noch. Er wartete hinter einer der Toilettentüren und erschreckte die ankommenden Fans.

    Nach derart aufwendigen Vermarktungsstrategien kann Fitzek seine Lesereisen natürlich nicht in einfachen Buchhandlungen veranstalten. Er liest stattdessen in Privatwohnungen, einer Trauerhalle oder einer rollenden Dunkelkammer.

    Und wenn er will, füllt er mit einer Lesung auch problemlos das Tempodrom in Berlin mit seinen 2900 Plätzen. Mal wird er dabei von einem Liveorchester begleitet, mal von einer Lasershow. Zuletzt ließ sich der Autor für eine Show an einem Seil in die Luft ziehen. Er schwebte über dem Publikum und erinnerte mehr an einen Rockstar als an einen Schriftsteller.

    Die Grundideen für diese ungewöhnlichen Aktionen denkt er sich selbst aus. „Ich sage immer, was ich gerne hätte, und habe ein Gefühl dafür, was ich nicht will“, erzählt Fitzek. Die Umsetzung sei dann eine Zusammenarbeit zwischen Marketingexperten und dem Verlag: „Ich bin da eher der Impulsgeber am Anfang.“

    Vor seiner Schriftsteller-Karriere hat Fitzek als Unterhaltungschef und Formatentwickler beim Radio gearbeitet. Dort kannte er seine Zielgruppe in- und auswendig, Marktforschungen und Nutzeranalysen lieferten exakte Daten über die Interessen seiner Hörer. Für seine Bücher gibt es genau das nicht. „Ich mache da keine Analysen, denn mein Buch soll nicht den Marktgegebenheiten angepasst werden“, so Fitzek.

    Er will sich kein Image aufdrücken lassen und hatte am Anfang seiner Karriere das Glück, dass er „unter dem Radar“ flog: Das Manuskript für seinen ersten Roman lehnten 15 Verlage ab. Bei Droemer und Knaur kam er schließlich doch unter Vertrag. Sein erstes Buch „Die Therapie“ erschien 2006 mit einer Startauflage von nur 4000 Exemplaren. Auf Marketing für den damals unbekannten Autor wurde komplett verzichtet. Fitzek grinst: „Ich durfte machen, was ich wollte.“

    Das Erfolgsrezept von Sebastian Fitzek

    Seit damals gelingt ihm der Sprung auf die oberen Plätze der Bestsellerlisten fast jedes Jahr aufs Neue. Kaum ein anderer deutschsprachiger Autor hat in den vergangenen dreizehn Jahren so viele Bücher mit so großem Erfolg abgeliefert. Die Vermutung liegt nahe, dass Fitzek ein funktionierendes Konzept entwickelt hat, in das er nur noch seine Ideen einfüllen muss. Zack, fertig ist der nächste Bestseller.

    So einfach ist es aber laut Fitzek nicht: „Ein Rezept zum Nachbacken gibt es nicht. Es hilft aber, sich einfach mal mit Erzähltheorien und der Grammatik zu beschäftigen.“ Schreiben sei schließlich ein Handwerksberuf. „Und nur weil man die letzten fünf Prozent nicht lernen kann, heißt das ja nicht, dass man sich die 95 Prozent Handwerk nicht mal rausziehen sollte.“ Er selbst habe das alles gemacht und sich mit Sprachtheorien beschäftigt, habe Werke von Aristoteles bis zur modernen Heldenreise gelesen.

    Von Thomas Harris, dem Autor des Buchs „Das Schweigen der Lämmer“ hat Fitzek sich einen Trick abgeschaut: „Er schafft es, dass wir mit dem Kannibalen im Buch sympathisieren, obwohl wir das eigentlich gar nicht wollen.“

    Das gelänge Harris nur, weil er dem Leser vorher schon eine Figur präsentiert, die er nicht leiden kann: „Dadurch ist die Schublade des Bösewichts schon besetzt, und der kultivierte Kannibale passt nicht mehr rein.“ Mit solchen ambivalenten Figurenkonstellationen spielt Fitzek auch selbst gerne.

    Ansonsten findet Fitzek für die Handlungen in seinen Psychothrillern im Alltag Inspiration. Er ist Vater dreier Kinder und hat mit den gleichen Sorgen zu kämpfen wie viele Eltern. Um daraus gruselige Szenarien für seine Bücher zu entwickeln, nutzt er einen Trick: „Ich versuche, Dinge von einer ganz anderen Seite zu betrachten und eine Was-wäre-wenn-Situation zu erschaffen.“

    Was wäre, wenn das Kind nicht aus dem Arztzimmer zurückkommt? Was wäre, wenn das Kind im Auto vor mir nicht lachend winkt, sondern weinend gegen die Scheibe hämmert? Eine einfache Regel, die allein noch nicht für ein Buch, geschweige denn einen Bestseller ausreicht.

    Ebenso wichtig sei es, die Hauptcharaktere festzulegen und zu verstehen. Dafür begibt sich der Thrillerautor auch schon mal selbst in psychologische Behandlung. „Ich habe die Nummer eines Psychiaters aus dem Telefonbuch gesucht und gesagt, dass ich etwas recherchieren möchte“, erzählt Fitzek.

    Um ein Gespräch mit dem Psychiater zu simulieren, musste sich Fitzek etwas überlegen, was ihn an sich selbst stört. Er wählte seine Handysucht, und der Psychiater erklärte ihm daran die Gedankenwelt psychisch kranker Menschen. „Solche Gespräche helfen mir sehr, mich in Menschen mit beispielsweise Zwangsstörungen hineinzuversetzen“, erzählt Fitzek.

    Das gelingt ihm bisher sehr zuverlässig. Ein Nervenkitzel bleibt jede neue Veröffentlichung trotzdem. „Man kann halt nie sagen, ob das neue Buch jetzt ein Megaerfolg oder ein Flop wird“, so Fitzek. Er weiß, wie das Geschäft funktioniert und wie schnell eine Karriere wieder beendet sein kann. „Es kann alles passieren“, erklärt er.

    Die gute Laune und den Spaß am Job raubt ihm das nicht. Sein lautes Lachen ist noch zu hören, als er das Kabuff schon längst wieder verlassen hat.

    Mehr: Welche Neuerscheinungen waren 2019 wichtig? Das sind die Empfehlungen der Handelsblatt-Redaktion für Romane.

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