Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Buchtipp: Drei Wünsche Ewig unterschätzt: Wie Laura Karasek aus dem Schatten ihres Vaters tritt

Trotz Prädikatsexamen galt Laura Karasek lange als „Promitochter“. In ihrem Roman beschreibt sie ihre Sicht auf die Beziehung zu ihrem Vater – dem Literaturkritiker Hellmuth Karasek.
05.12.2019 - 15:20 Uhr Kommentieren
Sie hat zwei Staatsexamen mit Prädikat abgeschlossen. Quelle: Getty Images
Laura Karasek

Sie hat zwei Staatsexamen mit Prädikat abgeschlossen.

(Foto: Getty Images)

Frankfurt Laura Karasek ist Stammgast im Restaurant Charlot. Die Kellner begrüßen sie mit Handkuss und bleiben einen Moment länger stehen. Früher war die 37-Jährige in dem Edellokal immer mit ihren Eltern. Heute kommt sie mit Freunden oder zu geschäftlichen Treffen wie dem Interview mit dem Handelsblatt. Die Alte Oper von Frankfurt ist ganz in der Nähe wie auch der Glasbüroturm, in dem die Anwaltskanzlei Clifford Chance sitzt – Karaseks ehemaliger Arbeitgeber, eine der führenden Wirtschaftskanzleien der Welt.

Heute lebt Karasek in anderen Sphären: der Schriftstellerei. Vor wenigen Wochen kam ihr dritter Roman mit dem Titel „Drei Wünsche” heraus. Es handelt von drei Frauenfiguren und ihren teilweise schwierigen Beziehungen mit dem Vater, dem Chef, dem Partner und einem unerfüllten Kinderwunsch.

In dem Buch ist klar, wer das Vorbild für den Vater ist: Hellmuth Karasek, ihr Vater, der bekannte Literaturkritiker und Professor der Theaterwissenschaft. Da ist sie ganz offen, verbergen will sie das „auch gar nicht“.

Der Tod vom Vater war 2015 für Laura Karasek ein tiefer Einschnitt. Nicht nur verlor sie einen geliebten Menschen. Es wurde ihr bewusst, dass sie noch andere Ziele im Leben hegt, als eine erfolgreiche Wirtschaftsanwältin zu sein. Heute lebt sie ein anderes Leben, veröffentlicht Bücher und moderiert im Frühjahr wieder jeden Montag auf ZDFneo die Talkshow „Zart am Limit“. „Ich hatte immer davon geträumt, ein Buch zu schreiben und eine eigene Fernsehsendung zu haben“, sagt sie. 

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Träume zu verwirklichen – das hört sich einfacher an, als es zu tun ist. Die Geschichte von Laura Karasek steht für uns alle: Wie befreit man sich von den Eltern? Und wie findet man seinen Platz im Leben, findet aus Irrwegen wie dem ihrigen, der Welt der Aktenordner und Wirtschaftsparagrafen?

    Als Promikind abgestempelt

    Hinter der Glasfassade der Kanzlei Clifford Chance herrscht eine eigene Welt: Die Kantine bietet neben dem Mittagessen gegen fünf Uhr Kuchen und ab 20 Uhr ein Abendessen an. Es gibt Duschen. Die Arbeitszeiten sind lang, die Anzüge grau, die Hemden weiß.

    Und früher war mittendrin: die wortgewandte 37-jährige Blondine mit der rauchigen Stimme. Sie trägt gerne Stöckelschuhe, hat geschminkte Lippen und rote Fingernägel. „Laura war modisch immer sehr experimentierfreudig“, sagt ihr ehemaliger Chef und Förderer Uwe Hornung. Grau, Blau und Schwarz assoziiere er auf keinen Fall mit ihr. „Eher Signalfarben.“

    Er lobt ihre gute Schreibe und ihren Humor, ihre kollegiale Art. „Sie hatte für jeden ein gutes Wort übrig.“ Sie sei ein Sonnenschein in der Kanzlei gewesen, der nun fehle. Die Zuneigung ist gegenseitig, Karasek spricht von ihrem Chef als „großer Frauenförderer“.

    Sechs Jahre arbeitete Laura Karasek in der Welt der Gesetze und Verträge. Sie mochte die Kanzlei, die Arbeit, die Kollegen. „Es war wie auf Safari, eine exotische Welt, die ich von zu Hause nicht kannte. Es war nur meins.“ Doch nagte in ihr auch ein Gefühl: „Ich passe nicht in diese förmliche Welt.“ Lange Zeit hat sie das Gefühl ignoriert. Karasek wollte es dort schaffen, auch um es ihrem Vater zu zeigen.

    Oft war sie in Meetings die einzige Frau. Für sie war das kein Problem, hat es mit Humor genommen wie vieles im Leben – auch sich selbst. „Ich sperre mich aus, zertrümmere mein Handy oder ich schließe den Baum ohne mein Fahrrad ab.“ Im Interview fällt ihr kurz darauf der E-Zigaretten-Aufsatz auf die Hose. „Oh“, ruft sie. Ein schnelles Wischen und Wedeln. Der brennende Teil ist aus. Karasek lacht. Zurück zur Frage. Ob sie was an der Kanzlei genervt habe?

    Ich war das Promikind. Es stand diese Annahme im Raum, ich selbst hätte nichts geleistet. Laura Karasek (Autorin)

    Nur eine Sache. Karasek, die zwei Staatsexamen mit Prädikat abgeschlossen hat, wurde als Frau ständig unterschätzt. „Bei mir kam noch hinzu, dass ich gerne Stöckelschuhe trage und Karasek heiße – ich war das Promikind. Es stand diese Annahme im Raum, ich selbst hätte nichts geleistet.“ Dabei arbeite sie auch heute noch 70 Stunden die Woche.

    „Es klingt jetzt blöd, aber ich wollte es vor allem Männern beweisen“, sagt sie. „Ich kann genauso lang sitzen wie ihr. Ihr könnt laut brüllen, ich kann auch laut brüllen.“ Schnell stieß sie an Grenzen. Sie wurde mit Floskeln abgespeist und gar gefragt, ob sie ihre Tage habe. „Nein, ich kann auch so laut werden. Einfach weil es mich aufregt. Ich habe genauso das Recht dazu“, sagt Karasek noch heute in Aufregung. Sie hat gelernt, sich durchzusetzen. 

    Zweifel am Aussehen

    Aber wieso hat sie sich nicht angepasst? Auch einen grauen Anzug und flache Schuhe angezogen? Stattdessen war sie die extravagante Blondine, die als Anwältin eine Kolumne im „Stern“ hatte, Bücher schrieb und Stefan Raab in seiner Sendung eine Lektion über Sex in der Literatur erteilt hat. „Ich habe mich natürlich gefragt, warum man einem bestimmten optischen Bild entsprechen muss, wenn man ernst genommen werden will“, sagt sie. Doch letztlich war ihr wichtiger, ihre Persönlichkeit zu zeigen. 

    Vielleicht auch, weil sie sich auf diese Weise von ihren Eltern, ihrem berühmten Vater lösen konnte. Auch wenn sie aus einem Literaturhaushalt kommt, wollte sie dem Bild nie entsprechen. „Ich möchte diese prollige und oberflächliche Seite an mir auch ausleben, weil ich die auch mag, und nicht wie der Nerd oder Bücherwurm aussehen.“

    Laura Karasek ist ein Papakind. Wobei sie heute eine sehr enge Bindung zu ihrer Mutter habe. Aber sie und ihr Vater hatten eine besondere Verbindung. Sie haben sich gegenseitig bewundert, hatten eine „Erwiderungsgewissheit“, sagt sie. Laura ist die ältere Tochter aus zweiter Ehe mit der Kulturredakteurin Armgaard Seegers. Ihr Bruder Niko Karasek ist drei Jahre jünger. Er ist Filmemacher. 

    Laura Karasek lebt das Prinzip: Wenn ich mich öffne, tun es die anderen Menschen auch. „Wenn Menschen die Fassade aufrechterhalten, werden die Gespräche langweilig. Das interessiert mich einfach nicht“, so Karasek. Sie fasziniere Literatur, weil sie „in die Abgründe, in die Seele schauen will“.

    Laura Karasek: Drei Wünsche
    Eichborn
    368 Seiten
    20 Euro

    In Abgründe schaut sie in ihrer Talkshow. In „Zart am Limit“ spricht sie mit ihren Gästen über Menstruation, Geld und Alltagsrassismus – gesellschaftliche Grenzthemen. Der „Spiegel“ beschrieb ihren Sendeauftakt als interessant, aber ohne „wirklich neue Talkfarbe“. Auch die „Taz“ urteilt: „wenig innovativ“. Im Schnitt schalten 530 000 Zuschauer ein. Nicht schlecht, aber es gibt Ausbaupotenzial.

    Es wird eine zweite Staffel mit neuem Konzept geben. Vonseiten des Senders habe sie gehört, sie würde mit ihrem Aussehen polarisieren. Karasek trifft das. „Das ist einer der Nachteile des neuen Jobs“, sagt sie. Als Autorin sei sie viel angreifbarer als in der Kanzlei. In der Welt hinterm Glasturm.

    Karasek beschleicht manchmal das Gefühl, nicht genug zu sein. „Das begleitet mich. Auch auf das Äußere bezogen“, gibt sie zu. Außenstehende hingegen sehen die schlanke, hübsche, wortgewandte und lebensfrohe Frau. Sie hat zwei Kinder, ist mit Banker Dominic Briggs verheiratet. Der Karrierewechsel ist geschafft. Es scheint, als hätte Karasek es erneut allen bewiesen. Fühlt sie sich jetzt mehr angekommen?

    „Ich bin heute anders glücklich“, sagt sie. Jetzt sei ihre Arbeit „mehr das, was ich auch privat machen würde“. Weniger Transaktionen und Anlagemodelle, dafür mehr Kultur, Begegnungen, Bücher und Fernsehsendungen. „Ich finde mein Leben jetzt reichhaltiger.“ Aber es sei absurd, zu glauben, dass ein Beruf immer Spaß macht.

    Mehr: Seine große Zeit hatte er als Kulturchef des „Spiegels“, bekannt wurde Hellmuth Karasek im Fernsehen als Talkgröße: Ein geschäftstüchtiger Freund der Pointe zwischen den Welten der Kultur. Zum Tod des Kritikers.

    Startseite
    Mehr zu: Buchtipp: Drei Wünsche - Ewig unterschätzt: Wie Laura Karasek aus dem Schatten ihres Vaters tritt
    0 Kommentare zu "Buchtipp: Drei Wünsche: Ewig unterschätzt: Wie Laura Karasek aus dem Schatten ihres Vaters tritt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%