Nadja Swarovski: „In den Wohnbereich zu gehen war ein logischer Schritt“
Die erste Frau in der Geschäftsleitung des Familienbetriebs setzt immer wieder neue Akzente.
Foto: SwarovskiFrau Swarovski, Sie haben zur Mailänder Möbelmesse eine Kollektion von Wohnaccessoires vorgestellt. Haben Kristalltierchen ausgedient?
Natürlich denken die Leute an unsere Figuren. Aber wir können viel mehr! Wir produzieren ja nicht nur Kristall, sondern sind auch Meisterschleifer. Mit der Kollektion Atelier Swarovski haben wir angefangen, Schmuck herzustellen und auch Diamanten zu schleifen. Von dort in den Wohnbereich zu gehen war ein logischer Schritt.
Zuvor ist es Ihnen bereits gelungen, die Idee Kronleuchter zu entstauben.
Wir haben 2002 angefangen, mit verschiedenen Designern zu arbeiten und den Lüster neu zu interpretieren. Das war die Geburtsstunde der Crystal-Palace-Kollektion, die wir seitdem immer weiterentwickeln. Ich weiß noch genau, wie zuerst alle meinten: Das lohnt sich nicht, denn der Lüster sei tot.
Meine Antwort war: Solange Swarovski Komponenten an die Lüster-Industrie liefert, müssen wir dieses Produkt nach vorne bringen. Als dann der „Blossom“-Leuchter von Tord Boontje auf dem Cover der „New York Times“ landete, war klar: Nun müssen wir selbst ins Lüster-Geschäft einsteigen, statt nur die Bauteile zu produzieren.
Was hat sich seitdem verändert?
Schon im ersten Jahr hat sich der Verkauf der Komponenten um 20 Prozent erhöht. Plötzlich sah man überall Lüster. Das hat eine neue Tür des Designdenkens geöffnet.
Swarovski sitzt in Tirol. Sie wohnen in London. Welche Rolle spielt der internationale Austausch?
Wir müssen wissen, was die Trends sind. Daher sind unsere Büros in Paris, Mailand, London und New York sehr wichtig, weil dort die Modeindustrie ist. Wir machen viele Videokonferenzen. Doch es hilft wahnsinnig, die Designer nach Wattens einzuladen und ihnen das Unternehmen zu zeigen. Wir haben starke Wurzeln in Österreich, aber mit dem Flair der internationalen Designindustrie. Genau diese Mischung ist entscheidend.
Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°5/2018. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 7. September 2018 am Kiosk erwerben.