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Sammelleidenschaft rund ums Auto„Automobilia“ sind ein Selbstläufer

Lenkrad, Leuchtschrift, Sammlerstück - begehrte Objekte rund ums Auto haben einen Namen: Automobilia. Seltene Exemplare kommen bei Auktionen mittlerweile zu saftigen Preisen unter den Hammer.dpa und Stefan Weißenborn 06.08.2014 - 10:20 Uhr Artikel anhören

Windkanalmodell des Porsche Typ 917 LH: Ein Museumsstück, das einem Liebhaber viel Geld wert war.

Foto: Screenshot

Berlin. Nettopreis 20.000 Euro: Für diesen Betrag erstand ein Bieter im vergangenen Jahr bei einer Auktion in Ladenburg nahe Karlsruhe einen Porsche von 1968. Es handelte sich nicht um ein fahrbares Modell in Lebensgröße. Es war ein knapp ein Meter langes Windkanalmodell mit „kleineren Farbabplatzern, wohl Gulf-Lackierung, ähnlich Le Mans 1971“ - der Porsche Typ 917 LH. „Ein Museumsstück“, so die Veranstalter der Automobilia Auktion Ladenburg.

Das einzige bekannte Exemplar war aber nicht die einzige Devotionalie, die bei der Versteigerung unter den Hammer kam. Auch eine Betriebsanleitung des BMW Typ 507 Achtzylinder von 1957 - „sehr guter Zustand, Rarität, Auflage 500“ - fand zu einem stolzen Preis einen Käufer: Bei 4.300 Euro fiel der Zuschlag.

Automobilia - unter diesem Begriff werden Sammelobjekte bezeichnet, die nahezu alles sein können, mit einer Einschränkung: Sie müssen mit motorisierter Mobilität zu tun haben.

Kurz gesagt: Es geht um alles, was „mit Autos, Motorrädern und vielleicht dem Fahrrad zu tun hat“, sagt Marcel Seidel, Geschäftsführer beim Auktionshaus Seidel & Friedrich, das die Automobilia-Auktionen seit 2001 regelmäßig veranstaltet. Nie geht es aber um Fahrzeuge selbst oder ölige Ersatzteile.

„Auch Werbegeschenke, etwa ein Schminkspiegel für Frauen mit Mercedes-Stern hinten drauf, zählen zu Automobilia“, umreißt Seidel das Betätigungsfeld der Sammelwütigen. Großen Gefallen finden neben historischen Verkaufsprospekten, Rennprogrammen, prestigeträchtigen Autoteilen wie Schaltknüppel oder Kühlerfiguren sogar ganze Zapfsäulen und andere Dinge aus dem Umfeld der motorisierten Mobilität.

Eine Grenze setzt Seidel bei seinen Versteigerungen aber - sobald man die Moral verletzt sieht: „Das Totenbuch des Sekretärs vom alten Ferdinand Porsche, das uns angeboten wurde, haben wir nicht in die Auktion aufgenommen.“

Aber das Geschäft brummt auch so. Im Jahr 2013 wurden allein durch Seidel & Friedrich Objekte für insgesamt rund 2,2 Millionen Euro versteigert, auf jeden Zuschlagspreis erhebt das Auktionshaus gut 19 Prozent Provision.

Dass teils so hohe Preise zustande kommen, liegt laut Seidel vor allem an der Seltenheit und dem Preis des Autos, dem das Objekt zugeordnet ist. „Wenn das Auto drei Millionen kostet, kann alles, was direkt dazu gehört - eine Betriebsanleitung oder ein Garantieschein - schon mal einige Tausender bringen.“

Deckblatt einer frühen Porsche-Bedienungsanleitung, wie sie vom Dorotheum ab 500 Euro zur Ersteigerung angeboten wurde.

Foto: PR

Auch spiele die Legendenbildung eine Rolle - etwa bei Devotionalien rund um verstorbene Rennfahrer. Eine von dem bei der Mille Miglia 1957 mit 28 Jahren tödlich verunglückten spanischen Rennfahrer Alfonso de Portago signierte Fotopostkarte, „rückseitig mit handschriftlicher Widmung“, wechselte für 3.600 Euro den Besitzer.

Hinzu kommt das Phänomen des gegenseitigen Hochbietens: „Wenn nur einer bietet, geht ein Objekt schon mal für 300 Euro weg, das sonst vielleicht wesentlich mehr gebracht hätte.“ 

Im Mercedes-Benz-Werk Wörth, wo sonst die Lkw-Baureihen Actros, Antos, Axor, Atego, Unimog und Zetros sowie das Spezialfahrzeug Econic gebaut werden, kamen nun kleine Autos groß raus. Die Zeitschrift „Modell Fahrzeug“ kürte die Sieger der Leserwahl „Modellfahrzeug des Jahres 2012“.

Unter den insgesamt 162 Kandidaten wurde der Ferrari California Spyder von CMC als „Supermodell des Jahres 2012“ ausgezeichnet.

Foto: Pressefoto

Mit dem Innovationspreis wurde in diesem Jahr der Unimog von Lego im Maßstab 1:10 prämiert.

Außerdem wählten die Leser unter allen Automobilherstellern eine Marke, die ihrer Ansicht nach das Thema Modellauto am besten pflegt. Die Auszeichnung „Vorbildmarke“ geht nach 2011 auch in diesem Jahr an Mercedes-Benz.

Foto: Pressefoto

In insgesamt 22 Kategorien hatten die Leser die Qual der Wahl. Die Baugrößen der reichen vom Eisenbahnmaßstab H0 bis zur Baugröße 1:12.

Den Platz des kleinsten prämierten Modells teilen sich der SLS Roadster von Herpa (hier im Bild) und der BMW 2500 von Brekina, beide in 1:87.

Foto: Pressefoto

Den Platz des kleinsten prämierten Modells teilen sich der SLS Roadster von Herpa und der BMW 2500 von Brekina (hier im Bild), beide in 1:87.

Foto: Pressefoto

Die Sieger im Einzelnen sind: BMW 2500 von Brekina (1:87, Oldtimer), Mercedes-Benz SLS Roadster von Herpa (1:87, Pkw aktuell), Unimog-Zug „Circus Roncalli“ von Bubmobil (1:87, Nutzfahrzeuge).

Foto: Pressefoto

Die Sieger in den Maßstabsbereichen 1:43 heißen 2012: Porsche 908L von Minichamps (1:43, Großserie Klassik), Porsche 918 RSR von Minichamps (1:43, Großserie aktuell, hier im Bild), Robur Garant 30 K Bus von Edition Atlas (1:43, Nutzfahrzeuge), Cadillac Series 62 Six Window von Spark Modell (1:43, Kleinserie).

Foto: Pressefoto

Das größte prämierte Modell ist der Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer im Maßstab 1:12 von Premium Classixxs.

Der SLS Roadster von Herpa ist mit sieben Euro der preiswerteste Siegertyp. Für den Ferrari California Spyder von CMC in 1:18 muss der Käufer dagegen 337 Euro bezahlen.

Foto: Pressefoto

Sieger bei den Zweirad-Modellen im Maßstab 1:10: Die legendäre NSU Quickly (Schuco)

Foto: Pressefoto

In der Kategorie Landwirtschaftsmodelle in den Maßstäben 1:32 und 1:43 siegt der Samson Güllewagen SG28 von Wiking.

Foto: Pressefoto

Zu den weiteren Preisträgern zählten: Volkswagen Samba Bus von Schuco (1:18, Klassik), Aston-Martin-Lola LMP1 von Autoart (1:18, hier im Bild), Mercedes-Benz 300 SL in 1:12 von Premium Classixxs (div. Maßstäbe), Nordstadt Artz Käfer von High Tech Modell (Modellbau, 1:87), Opel-Rennwagen 12,3 Liter (Modellbau, 1:43), Fiat 695 SS von Tamiya (Modellbau, 1:24/25).

Foto: Pressefoto

Weitere Preisträger: Krupp Titan von Revell (Modellbau, Nutzfahrzeuge 1:24/25), VW Brezelkäfer in 1:16 von Revell (Modellbau, div. Maßstäbe), Porsche 917K in 1:43 von Kyosho (RC Elektro, Einsteiger), Porsche Super Traktor in 1:14 von Carson (RC Elektro, Business) und BMW 2002 DRM in 1:32 von Carrera (Slotracing).

Foto: Pressefoto

Weitere Preisträger: Krupp Titan von Revell (Modellbau, Nutzfahrzeuge 1:24/25), VW Brezelkäfer in 1:16 von Revell (Modellbau, div. Maßstäbe), Porsche 917K in 1:43 von Kyosho (RC Elektro, Einsteiger), Porsche Super Traktor in 1:14 von Carson (RC Elektro, Business) und BMW 2002 DRM in 1:32 von Carrera (Slotracing).

Foto: Pressefoto

Auf Versteigerungen wie der von Marcel Seidel oder auch Bonhams oder des auf diesem Feld ebenfalls aktiven Wiener Auktionshauses Dorotheum, das zwei Mal pro Jahr Oldtimer- und Automobilia-Auktionen ansetzt, kommen Schnäppchenjäger eher selten zum Zuge.

Besser eignen sich Automobilia-Börsen. Zum Beispiel während der jährlich in Essen stattfindenden Oldtimer-Messe Techno-Classica haben Zubehör-Begeisterte die Möglichkeit, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Eine andere Adresse sind die Veterama-Märkte, die im Frühjahr am Hockenheim-Ring und im Herbst in Mannheim stattfinden.

Eine Miniatur des ersten VW-Busses T1 ist für Sammler mit Erinnerungen verbunden, die Nachbildung des aktuellen T5 dagegen einfach nur ein Transporter.

Foto: Simcatoys

Während Techno-Classica und Veterama in der Szene längst Institutionen sind, ist die Automobilia-Börse in der Klassikstadt in Frankfurt am Main eine Neuheit. Sie fand zum ersten Mal im vergangenen November statt und zog nach Angaben der Veranstalter immerhin rund 40 Händler aus ganz Europa an. „Die Sammlerszene für Merchandising und Fanartikel der Vergangenheit ist größer als gedacht“, sagt Marco Wimmer, Geschäftsführer der Klassikstadt.

Nächster Termin ist der 8. und 9. November. Auch BMW tut etwas für die Liebhaber von Automobilia und veranstaltet regelmäßig zum Jahresende die „Automobilia Börse“ im BMW-Museum in München.

Egal, wo er einkauft, den Automobilia-Fan treibt nach Auskunft von Marcel Seidel vor allem die Sammelleidenschaft an, bei der es manchmal nur noch um die Seltenheit und nicht mehr um den Gegenstand selbst geht. „Sie verselbstständigt sich mitunter. Die Sammelei ist oft auch eine Ersatzbefriedigung“, sagt der Auktions-Veranstalter. „Zum Beispiel, wenn man sich das Auto der Träume nicht leisten kann.“

Am meisten trifft dies wohl bei exotischen Fahrzeugen zu, deren Abbilder als Modellautos zu wahren Sammlerstücken werden. Das Hobby benötigt halt nicht so viel Platz und ist bedeutend preisgünstiger.

Austro Daimler Bergmeister, Faltprospekt, vom Dorotheum ab 300 Euro aufgerufen.

Foto: PR

Bei der Automobilia-Auktion in Ladenburg brachte eine Sammlung von knapp 300 Ferrari-Modellen von 1946 bis 2010 im Maßstab 1:43 allerdings auch schon 13.000 Euro. Aber selbst die Preise für neue Stangenware liegen meist um ein Vielfaches über denen von Spielzeugmodellen à la Siku oder Matchbox.

Zum Beispiel Volkswagen zeigt auf seiner Automobilia-Webseite 1:43-Modelle, die laut Volkswagen-Classic-Sprecher Eberhard Kittler teilweise, etwa im Falle des „Iltis mit spezieller Dakar-Beklebung“ oder anderer Sammlereditionen „zumindest Zukunftspotenzial“ haben.

Gleiches gilt wohl für limitierte Auflagen einschlägiger Hersteller von Modellautos wie Brekina, Herpa, Schuco oder Wiking. „Es gibt ja Leute, die zum Ziel haben, ein Modell jedes je verkauften Autos zu ergattern“, wundert sich Kittler, selbst Sammler von 1:43-Modellen, über die Auswüchse der Sammelwut.

Dass der Leidenschaft auch Grenzen gesetzt sind, zeigt ein weiteres Beispiel aus dem Auktionshaus in Ladenburg. Nicht über die Verkaufstheke ging der Reisepass einer gewissen „Charlotte Voss geb. Liemann, ausgestellt am 21. Juni 1928“. Die Dame heiratete später den erfolgreichen Rennfahrer Rudolf Caracciola, dessen Personalausweis über 4.000 Euro einbrachte. Doch die als Startpreis aufgerufenen 1.500 Euro wollte dann doch niemand berappen. „Ich bin mir aber sicher, dass der Pass zu diesem Preis weggeht, wir müssen ihn nur ein bisschen liegen lassen“, sagt Seidel. (dpa)

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