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Märkte-InsightBridgewater-Gründer Ray Dalio enttäuscht seine Anhänger

Der Chef und Gründer des weltgrößten Hedgefonds hält eine Kursblase für unwahrscheinlich. Beim Trendthema Künstliche Intelligenz muss der Manager aber passen.Frank Wiebe 04.03.2024 - 18:47 Uhr
Ray Dalios Zurückhaltung bei künstlicher Intelligenz hat seine Gründe. Foto: AP Photo/Julia Nikhinson, Handelsblatt [M]

Normalerweise beglückt er seine Anhänger eher mit breiten historischen Erkenntnissen. Er warnt etwa, China könnte die USA als führende Weltmacht ablösen, so, wie einst die USA Großbritannien abhängten. Und er stellt Zusammenhänge zwischen Staatsverschuldung, militärischer Stärke, wirtschaftlichen Zyklen und politischen Unruhen her.

Nun hat sich Bridgewater-Gründer Ray Dalio einer sehr aktuellen Frage gewidmet: Erleben wir gerade eine gigantische Kursblase? Immerhin scheinen die Kurssteigerungen, obwohl zuletzt etwas gebremst, kein Ende zu finden. Dalios Einschätzungen verfolgen Anleger genau, schließlich führt der Manager den weltgrößten Hedgefonds.

Mit Blick auf eine mögliche Kursblase bleibt Dalio relativ entspannt. Zunächst zählt er auf, was seiner Meinung nach eine Kursblase ausmacht: historisch hohe Bewertungen, eine unrealistische Fortschreibung von positiven Trends beispielsweise beim Gewinnwachstum, unerfahrene Aktienkäufer, weitverbreiteter Optimismus, Käufe auf Pump und spekulative Käufe von Vorräten, etwa Rohstoffen.

Markt ist nicht mit den 90er-Jahren vergleichbar

Seine Einschätzungen der aktuellen Lage mahnen zur Vorsicht, zeigen aber keinerlei Dramatik. Er erkennt im US-Aktienmarkt etwas erhöhte Bewertungen, aber nicht vergleichbar mit den Kursblasen der 1920er- oder 1990er-Jahre.

Dalio sieht zwar etwas mehr Aktivität von völlig neuen Aktienkäufern, aber weniger als zur Covid-Zeit. Vor wenigen Jahren gab es das Phänomen der überwiegend fast wertlosen „Meme-Aktien“, die neue Aktienfans über die sozialen Medien pushten. Sie verfolgten auch die Absicht, damit Hedgefonds in die Enge zu treiben, die gegen diese Papiere gewettet hatten, um dann von deren Deckungskäufen zu profitieren.

Ray Dalio: „Was Sie daraus machen, ist Ihre Sache.“ Foto: Bloomberg/Getty Images

Dalio sagt zu Recht, dass der Markt auch nicht mit dem der 90er-Jahre vergleichbar sei. Wer sich daran erinnert, weiß, dass damals in Deutschland völlig unerfahrene, zum Teil noch jugendliche Käufer in etwa so über den Börsengang von Infineon diskutierten wie über den neuesten Hit der Musikszene.

Auch bei den anderen Punkten sieht der Hedgefondsmanager wenig Dramatik. Wer gehofft hat, dass er daraus Empfehlungen ableiten könne, wird enttäuscht. Dalio schließt seinen Beitrag mit den Worten: „Was Sie daraus machen, ist Ihre Sache.“

Dalio tut sich mit Einschätzung des KI-Hypes schwer

Und er räumt offen ein, dass er das Thema Künstliche Intelligenz (KI), das die Aktien in erster Linie treibt, persönlich nicht gut einschätzen kann. Sollte KI die Erwartungen enttäuschen, könnte es daher schon zu einer „deutlichen Korrektur“ kommen.

Hierzu wäre einiges zu ergänzen: Die Anwendungen werden viele Branchen revolutionieren und für Produktivitätsgewinne sorgen. Schon heute leistet ChatGPT Erstaunliches bei der Formulierung von Texten und dem Entwurf von Programmiercodes. Noch unheimlicher ist, dass KI Fotos und Videos, vielleicht bald schon ganze Spielfilme erstellen kann.

KI-Chips

Auf dem Gipfel des Erfolgs? Wer Nvidia jetzt gefährlich werden könnte

Der Hype ist vor allem bei der Firma Nvidia zu erkennen, deren Aktie derzeit am schnellsten steigt. Das Unternehmen liefert Chips, die für die Lernmodelle benötigt werden, auf denen die KI-Anwendungen beruhen. Fraglich ist aber noch, ob KI für echte Innovationen sorgen wird.

Und noch ein Punkt sollte zur Zurückhaltung mahnen: Es ist gerade die Ähnlichkeit mit menschlichen Äußerungen, die die Magie von ChatGPT begründet. Das Programm ist nahe daran, den von dem Computerwissenschaftler Alan Turing erdachten Test zu bestehen: dass sich in einem Gespräch nicht mehr deutlich erkennen lässt, dass es sich nicht um einen Menschen handelt. Das treibt den Hype.

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Aber genau genommen denkt die Software nicht. Sondern sie plappert, was sie in unzähligen Vorgängen gelernt hat. Doch kann darauf der Fortschritt beruhen?

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