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AnlagenHedgefonds profitieren von der Coronapanik an den Aktienmärkten

Die Börsenturbulenzen spielen Hedgefonds in die Hände. Während die meisten Aktienindizes seit Jahresbeginn auf Talfahrt gingen, fuhren die Fonds Gewinne ein.Carsten Volkery 11.03.2020 - 04:00 Uhr

Für viele Anleger sind Kursabstürze dramatisch – doch Hedgefonds können kräftig profitieren.

Foto: AFP

London. Als die Capital Group vor einem Monat als neuer Großinvestor bei der Deutschen Bank einstieg, machte die Aktie des Geldhauses einen Sprung. Das Nachsehen hatten die Leerverkäufer, die Millionen darauf gewettet hatten, dass der Kurs fallen würde. Nach der verlorenen Wette stieß der Hedgefonds Caxton alle Deutsche-Bank-Papiere ab – und nahm einen zweistelligen Millionenverlust in Kauf.

Wenige Wochen später sieht die Lage schon ganz anders aus. In der Coronapanik ist die Deutsche-Bank-Aktie eingebrochen und notiert nun knapp 40 Prozent unter dem Zwischenhoch vom Februar. Die Leerverkäufer, darunter die Hedgefonds Marshall Wace aus London und AQR Capital aus Connecticut, dürfen sich bestätigt fühlen. Die Position von AQR Capital liegt aktuell mit 219 Millionen Euro im Plus.

Die Shortseller sind nicht die einzigen Fondsmanager, die von der Börsenpanik im Zuge der Coronakrise profitieren. Rund 40 Prozent aller Hedgefonds haben laut dem Datenanbieter Hedge Fund Research (HFR) im Februar Gewinne verzeichnet – trotz des Bärenmarkts. Besonders Anleihefonds und Makrofonds, die auf allgemeine Markttrends setzen, hätten in den ersten beiden Monaten des Jahres gut abgeschnitten, sagt HFR-Chef Ken Heinz. Anleihefonds etwa hätten um 1,5 Prozent zugelegt.

Das klingt nicht nach viel, bis man es mit dem Aktienmarkt vergleicht: Der marktbreite S&P 500 an der Wall Street hat seit Jahresbeginn 15 Prozent verloren, der Dax ist mit 20 Prozent im Minus.

Die Mehrheit der Hedgefonds liegt zwar auch leicht im Minus, hat sich aber deutlich besser gehalten. Der Eureka Hedge Fund Index, der mit 2233 Fonds einen breiten Querschnitt der Branche abdeckt, hat seit Jahresbeginn nur um 1,5 Prozent nachgegeben. Im Februar hätten Hedgefonds ihre beste Performance relativ zum Aktienmarkt seit Februar 2009 gezeigt, teilte der Datenanbieter am Dienstag mit.

Und es gibt etliche Ausreißer nach oben: So haben zwei der Volatilitätsindizes von Eureka Hedge seit Jahresbeginn zweistellig zugelegt. Das ist angesichts der Marktturbulenzen wenig verwunderlich.

Insgesamt hat sich die Performance der Hedgefonds und der Aktienindizes umgekehrt. Im vergangenen Jahr hatten sich die Hedgefonds schwergetan. Trotz ihrer ausgefeilten Strategien schafften sie es nicht, mit dem Bullenmarkt mitzuhalten. Im Schnitt erzielte die Branche laut HFR nur Vermögenszuwächse von rund zehn Prozent – während der S&P 500 und der Dax fast dreimal so stark wuchsen.

„Im vergangenen Jahr konnten Anleger nichts falsch machen“, sagt Patrick Ghali, Managing Partner bei der Hedgefonds-Beratung Sussex Partners. Man habe mit allen Anlageklassen Geld verdient. Inzwischen jedoch seien Aktien so teuer, dass die Leute wieder stärker die Risiken sähen. „Die Coronakrise erinnert daran, dass man nicht nur Aktien im Portfolio haben sollte.“

Hedgefonds hingegen profitieren vom Abwärtstrend. Die rund 50 Hedgefonds, mit denen er zusammenarbeite, hätten in der vergangenen Woche im Schnitt zwei, drei Prozent zugelegt, sagt Ghali. Die besten hätten sogar bis zu 15 Prozent geschafft. Namen darf er nicht nennen.

Lukrative Spekulationsobjekte

Nicht nur mit Wetten gegen europäische Banken lässt sich gerade Geld verdienen. Auch das Spekulieren gegen Fluggesellschaften, Kreuzfahrtschiffbetreiber und Energiefirmen ist für einige sehr lukrativ. Beispiel Saba Capital Management: Fondsmanager Boaz Weinstein konnte das Vermögen seines größten Fonds laut Finanznachrichtendienst Bloomberg in den ersten beiden Monaten des Jahres um 25,5 Prozent vermehren. Unter anderem hatte er im Dezember Kreditausfallversicherungen (CDS) zu Royal Caribbean Cruises und United Airlines gekauft und diese im Februar zu einem höheren Preis verkauft.

Zu den Gewinnern zählt auch Ken Griffin, Gründer des US-Hedgefonds Citadel in Chicago. Er machte zuletzt Dutzende Millionen mit Leerverkäufen gegen die Fluggesellschaften Lufthansa und Easyjet. Aktuell hat er auch die Ölfirmen Petrofac und Tullow Oil im Visier. In London wettete Crispin Odey von Odey Asset Management erfolgreich gegen amerikanische Schieferölfirmen.

HFR-Chef Heinz erwartet nicht, dass sich die Aussichten für Hedgefonds bald ändern. „Wir sind in einem anderen Marktumfeld als 2019“, sagt er. Es sei zu erwarten, dass die Turbulenzen vorerst anhalten. „Die Hedgefonds, die sich im Februar gut geschlagen haben, werden auch im März gut abschneiden.“

Auch Ghali ist zuversichtlich. Für Jahresprognosen sei es noch zu früh, aber im Moment sehe es so aus, als würden Hedgefonds den breiteren Markt übertreffen. „Wir sind vorsichtig optimistisch.“

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