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DaxPause der Börsenrally ist „überfällig und gesund“

Der deutsche Leitindex hat sich von seinem Rekordhoch entfernt. Doch auch wenn das paradox klingt: Erst dadurch gibt es eine Grundlage für die weitere Rally.Andreas Neuhaus 07.10.2024 - 15:57 Uhr Artikel anhören
Bulle und Bär vor der Börse in Frankfurt: Das Dax-Sentiment des Handelsblatts kann bei der Einschätzung der aktuellen Börsenlage helfen. Foto: dpa

Düsseldorf. Der Rekordlauf am deutschen Aktienmarkt pausiert vorerst. In der vergangenen Woche gab der deutsche Leitindex Dax knapp zwei Prozent nach und verliert auch am Montag leicht. Das muss aber kein Grund zur Sorge sein, zeigt das Ergebnis der Handelsblatt-Umfrage zum Dax-Sentiment.

Dafür befragt das Handelsblatt jeden Freitagmorgen knapp 9000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.

Zur aktuellen Marktentwicklung sagt Heibel: „Die Konsolidierung der abgelaufenen Woche war überfällig und gesund.“

Das Umfrageergebnis zeigt, dass sich die Anlegerstimmung (Sentiment) deutlich abgekühlt hat. Während sie in der Vorwoche noch mit 4,8 Punkten euphorisch war – ab vier Punkten liegt die Stimmung im extremen Bereich –, gab sie diesmal auf 0,4 Punkte nach.

Vor einer Woche verorteten noch 87 Prozent den Dax in einem Aufwärtstrend oder nahe seinem Höhepunkt, jetzt tun das nur noch 42 Prozent. Dafür ist die Gruppe derer, die eine Seitwärtsbewegung beobachten, von zehn auf 31 Prozent gewachsen.

Auch die Selbstzufriedenheit ist deutlich gesunken. Sie zeigt an, ob Anleger mit der Marktbewegung gerechnet haben und richtig positioniert waren. Der dazugehörige Wert fiel von 2,6 Punkten auf genau null.

Schlechtere Stimmung und unzufriedenere Anleger – das klingt erst mal schlecht. Doch diese Entwicklung ist förderlich für die kommenden Wochen, erklärt Sentiment-Experte Heibel: „Die Sentiment-Indikatoren haben ihre überhitzten Werte normalisiert.“ Denn ist die Stimmung zu gut, ist das ein Zeichen dafür, dass schon der Großteil der Anleger investiert ist und die Kurse nicht mehr oder kaum noch steigen können.

Zukunftsoptimismus unter deutschen Anlegern ist hoch

Wichtig ist auch, dass sich die Stimmung nur abkühlte und nicht tief in den Minusbereich einbrach. Dementsprechend wollen nur wenige der Befragten Aktien verkaufen. Im Trend wollen sie eher noch kaufen, wobei der dazugehörige Wert mit 0,7 Punkten niedrig ist. In der Vorwoche lag er noch bei 1,5 Punkten.

Gleichzeitig ist der Zukunftsoptimismus ungebrochen. Mittlerweile bilden die Anleger, die in drei Monaten mit einem Aufwärtstrend rechnen, die größte Gruppe unter den Befragten. In der Vorwoche war noch die Gruppe derer am größten, die mit einer Seitwärtsbewegung rechnen.

Die Anleger blicken also wieder optimistischer in die Zukunft, der zugehörige Wert steigt auf 3,0 Punkte. In der Vorwoche waren es noch 1,6 Punkte.

„Es bleibt ein gesunder Optimismus, der für eine Wiederaufnahme der Rally hilfreich ist“, resümiert Heibel. Das allein dürfte aber zu wenig sein, um die Kurse wieder nach oben zu bewegen.

Denn wie sich aus dem Umfrageergebnis ableiten lässt, sind die meisten Privatanleger bereits in Erwartung steigender Kurse investiert. „Nachfrage muss aus deutscher Sicht also aus dem Ausland kommen“, sagt Heibel.

Aufwärtsimpuls müsste von internationalen Investoren ausgehen

Unmöglich ist das nicht. Der Dax war bereits vor zwei Wochen beliebt bei internationalen Investoren, weil die deutschen Großkonzerne besonders international aufgestellt sind. „Daher werden sie als Profiteure der chinesischen Konjunkturhilfen gesehen“, erklärt Heibel.

Auch von der positiven Konjunkturentwicklung in den USA kann der Dax profitieren, weil die Vereinigten Staaten der größte Handelspartner Deutschlands sind. Für internationale Investoren kann es daher attraktiv sein, in deutsche Unternehmen mit einem starken US-Geschäft zu investieren – zumal die Bewertungen hierzulande deutlich niedriger sind als in den USA.

Sollten die Kurse durch ausländische Käufer oder ein überraschendes Ereignis steigen, erwartet Heibel aber nicht, dass das zu einer neuen Aufwärtsdynamik führt. Denn die deutschen Anleger sind bereits investiert und warten auf steigende Kurse. „Dadurch dürften Kurszuwächse diese Woche nach oben begrenzt sein“, sagt Heibel.

Anders sieht es aus für den Fall, dass die Kurse deutlich fallen. „Dann könnte sich sehr wohl eine verstärkende Dynamik entwickeln, da viele deutsche Anleger auf steigende Kurse setzen. Sie würden überrascht und könnten Aktien verkaufen, was einen leichten Verkaufsdruck verstärken würde.“ Von einem niedrigeren Niveau aus könnte die Rally dann neuen Schwung aufnehmen.

Umgekehrt ist die Lage übrigens am Goldmarkt. Hier steigt der Kurs derzeit von einem Rekordhoch aufs nächste. Dadurch ist die Stimmung unter Anlegern euphorisch, die Erwartung an weitere Kursgewinne ist aber gering.

In der Vergangenheit war das eine Konstellation, die zu weiter steigenden Kursen führte, sagt Heibel: „14-mal gab es eine vergleichbare Stimmungslage in der Vergangenheit. Nur dreimal stand der Goldpreis sechs Monate später niedriger, durchschnittlich stieg er um acht Prozent an.“

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Seit 2014 analysiert Stephan Heibel die Handelsblatt-Umfrage. Foto: Matthias Martin, Berlin
Über den Sentimentexperten
Seit 1988 verfolgt Stephan Heibel die Börsen der USA und Europas. Seit 2014 wertet er wöchentlich die Sentimentumfrage unter den Handelsblatt-Lesern aus, analysiert die Daten, interpretiert die Ergebnisse und gibt Einschätzungen zu Entwicklungen am Aktienmarkt. Zudem schreibt er wöchentlich im Börsenbrief Heibel-Ticker für mehr als 25.000 Leser über Hintergründe zum Aktienmarkt und Ursachen für Kursbewegungen von Aktien. Privatanleger nutzen seine Einschätzungen und Investmentideen zur selbstständigen Portfoliooptimierung.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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