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Dax-UmfrageAnleger haben sich auf einen Rückschlag am Aktienmarkt vorbereitet

Noch vor einer Woche schien die Lage am Aktienmarkt aussichtslos zu sein, doch das Bild hat sich deutlich verändert. Was das für Anleger bedeutet.Jürgen Röder 04.05.2020 - 15:33 Uhr

Die Aussichten für weitere Dax-Kursgewinne sind sehr gut.

Foto: AP

Düsseldorf. Nach dem deutlichen Plus von fünf Prozent in der vergangenen Handelswoche gehen die Aktienmärkte zum Wochenanfang wieder auf Talfahrt. Fällt der Dax wieder Richtung 8255 Punkte, dem bisherigen Tiefstand des Börsencrashs seit Ende Februar?

Nach Auswertung der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment und weiterer Indikatoren gibt Stephan Heibel Entwarnung. „Nach den Entwicklungen der vergangenen Woche ist eine Rückkehr zu den Tiefs aus dem März unwahrscheinlich geworden“, erläutert er.

Ein erneuter Rückschlag sei zwar bereits im Gange. Doch im Anschluss dürfte sich seiner Meinung nach die Erholungsbewegung wieder fortsetzen. „Wer also in den vergangenen Wochen Teilgewinne mitgenommen hat, kann nun wieder damit beginnen, Aktien zu kaufen“, sagt der Inhaber des Analysehauses Animusx.

Für ihn gibt es mehrere Gründe, warum der Dax nicht wieder so tief fallen dürfte. Zum einen sind Privatanleger auf einen Rückschlag vorbereitet, man hat sich ausreichend abgesichert. Sie müssten also bei weiter fallenden Kursen nicht so hohe Verluste wie im März hinnehmen.

Zum anderen sind institutionelle Anleger noch nicht so stark investiert wie früher. Im Gegenteil, die Cash-Reserven sind noch immer verhältnismäßig hoch. „Diesmal dürften Investoren viel früher Aktien kaufen, um sich für die Zeit nach Corona zu positionieren“, lautet das Fazit des Sentimentexperten. Auch die Entwicklung des fünfwöchigen Sentiment-Durchschnitts (siehe Grafik) lässt mit einer Notierung im negativen Bereich eine Fortsetzung der Erholung zu.

Nach Meinung von Heibel läuft der Aktienmarkt derzeit auf ein Szenario zu, das als die „perfekte Welle“ bezeichnet wird: Die Notenbanken weltweit pumpen Liquidität ins System und viele Regierungen legen Konjunkturhilfen auf, um die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 zu mildern.

Nun erwarten viele Anleger, dass die wirtschaftlichen Folgen überschaubar bleiben, gleichzeitig jedoch Finanzmärkte und Wirtschaft mit Geld geflutet werden. Die Folge? Steigende Kurse und, wenn Notenbanken nicht rechtzeitig gegensteuern, Inflation.


In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent


Die aktuellen Umfragewerte des Dax-Sentiments zeigen, wie sehr die steigenden Kurse Anleger in eine gute Stimmung versetzt haben. Das kurzfristige Sentiment ist in der verkürzten Handelswoche von minus 2,4 auf plus 1,8 gesprungen, ein massiver Stimmungsumschwung. „Euphorie wird zwar erst bei einem Wert von vier erreicht, aber vor dem Hintergrund der depressiven Stimmung seit Ende Februar ist dieser Stimmungsumschwung bemerkenswert“, erläutert der Sentimentexperte.

Die spannende Frage lautet: Wie entwickelt sich die Stimmung in der kommenden Woche? Eine weitere, deutlichere Verbesserung würde gleich in Euphorie münden, ein Kontraindikator, der fallende Kurse signalisiert. Die Anleger wären dann in „Partylaune“. „Doch Partys sind derzeit verboten“, scherzt Heibel. „Mal sehen, ob sich die Anleger daran halten“.


Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
Angaben in Prozent


Von dem Dax-Plus in Höhe von fünf Prozent in der vergangenen Handelswoche wurden die meisten Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Denn der Indikator Selbstzufriedenheit/Verunsicherung zeigt mit einem Minus von 3,9 große Verunsicherung bei den Umfrageteilnehmern über die jüngste Marktentwicklung. Kaum einer will glauben, dass die Krise nun schon ihren Zenit überschritten haben könnte.

Und so ist die Zukunftserwartung auch weiter abgesackt: Mit einem Wert von minus 2,6 dominieren nun bereits in der dritten Woche in Folge die Bären über die Bullen. Die Kursgewinne an den Aktienmärkten in der vergangenen Woche hält die Mehrzahl für vorübergehend. In drei Monaten werde der Dax wieder tiefer stehen, so die Überzeugung der Mehrheit.


Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?
Angaben in Prozent


Daher ist auch keine Investitionsbereitschaft vorhanden: Zum Kaufen ist es nach dem aktuellen Kurssprung zu spät, zum Verkaufen hingegen gibt es nicht ausreichend Positionen im Depot der Umfrageteilnehmer. Entsprechend neutral ist die Investitionsbereitschaft mit einem Wert von minus 0,1.

Der Blick auf andere Indikatoren zeigt: Privatanleger haben sich mit Put-Hebelprodukten, die bei fallenden Notierungen an Wert gewinnen, massiv gegen Kursverluste abgesichert. Denn der Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart zeigt einen Wert von minus zwölf an. In den vergangenen zwölf Monaten lag dieser Indikator lediglich Mitte September 2019 auf einem ähnlich niedrigen Niveau. Bei Werten im positiven Bereich überwiegen Call-Hebelprodukte auf den Dax und umgekehrt.


Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent


Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben sich in der vergangenen Woche hingegen nicht eindeutig positioniert. Vor zwei Wochen hatten sie noch auf steigende Kurse spekuliert, nun hat man die Gewinne eingestrichen.

In den USA ist das Put-Call-Verhältnis im neutralen Bereich, nachdem insbesondere im Aktienbereich zuvor starke Absicherungen eingegangen wurden.

Das Bulle-Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit minus 25 Prozent einen starken Überhang der Bären. Pessimismus dominiert also auch in den USA noch immer das Marktgeschehen.

Der anhand von technischen Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit einem Wert von 46 Prozent eine neutrale Verfassung an. Andere kurzfristige technische Indikatoren bilden eine leicht überkaufte Marktverfassung ab, die Korrektur könnte etwas weitergehen.

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