Dax-Umfrage: Anleger schwelgen in Euphorie – Noch kein Signal für ein Ende der Rally in Sicht
Düsseldorf. Gibt die Anlegerstimmung Signale, dass die Rekordjagd des Dax bald endet? Nein, meint Sentimentexperte Stephan Heibel nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment und weiterer Indikatoren.
Demnach sind die Anleger derzeit in Feierlaune. Am Montag erreichte der Dax erneut einen Rekordstand. Die Stimmung ist den Daten zufolge sogar euphorisch, was als Warnsignal für bald fallende Kurse gilt. Doch für Heibel ist die gute Laune der Investoren berechtigt, da der deutsche Leitindex ein Allzeithoch nach dem anderen erreicht.
Die Euphorie rund um den Chiphersteller Nvidia, der mit seinen Zahlen in der vergangenen Woche die Erwartungen übertroffen hat, wirkt sich positiv auf den gesamten Aktienmarkt aus. In der vergangenen Woche legte der Dax 1,8 Prozent zu.
Dabei gab es im deutschen Leitindex nicht einzelne Aktien, die den Index besonders stark nach oben zogen. Vielmehr fand die Rally in nahezu allen Branchen statt: Im Automobilsektor, bei Versicherungen, Banken, IT-Unternehmen, in der Logistikbranche, in der Industrie, im Einzelhandel sowie im Marketing stiegen die Kurse leicht.
„Von einer Stimmungsschieflage, die korrigiert werden müsste, kann also nicht die Rede sein“, fasst der Sentimentexperte die Entwicklung zusammen. Mit Schieflagen sind extreme Werte bei dem Umfrageergebnis gemeint, die nicht durch fundamentale Entwicklungen gestützt oder in sich widersprüchlich sind.
So ist auch der große Pessimismus bei der Erwartungshaltung an den Dax-Trend in drei Monaten nachvollziehbar. Seit Monaten ist die Nachrichtenlage bei den wirtschaftlichen Rahmendaten dramatisch schlecht, insbesondere in Deutschland.
US-Wirtschaft überraschend robust
In den USA hingegen zeigt sich in diesen Tagen, dass der Pessimismus der vergangenen Monate übertrieben war. In den vergangenen zwei Jahren beschäftigte Investoren vor allem die Frage, ob der Notenbank Fed trotz hoher Zinsen eine weiche Landung gelingt, also ob sie die Inflation dämpfen kann, ohne dass die Konjunktur in eine Rezession rutscht. Mittlerweile setzt sich die Erkenntnis durch, dass die US-Wirtschaft den Zinskurs der Währungshüter gut überstanden hat. Sie zeigt keinerlei Schwäche.
Für die Fed gibt es mit Blick auf die Konjunktur also keinen Grund, die Zinsen voreilig wieder zu senken und damit einen erneuten Anstieg der Inflation zu riskieren. So verschob die US-Bank Goldman Sachs in der vergangenen Woche die Erwartung an die erste Zinssenkung um ein paar Monate nach hinten.
Nun stellt sich die Frage: Was passiert mit den Aktienmärkten, wenn die US-Wirtschaft so robust ist, dass Zinssenkungen im laufenden Jahr gar nicht möglich sind? Auf der einen Seite gelten Zinssenkungen als positiv für die Märkte. Doch wenn die US-Wirtschaft weiter so deutlich wächst, bedarf es keinerlei Zinssenkungen, um höhere Gewinne zu ermöglichen. „In meinem Börsenbrief Heibel-Ticker schreibe ich stets vom Zinsplateau und nicht vom Zinsgipfel, um diese Möglichkeit zu veranschaulichen“, erläutert Heibel.
Aktuelle Umfragedaten
Das Anlegersentiment bleibt mit einem Wert von 4,5 weiterhin auf hohem Niveau und ist die zweite Woche euphorisch. Das Warnsignal für fallende Kurse beginnt bei vier. Auch die Selbstzufriedenheit bleibt mit 2,1 hoch.
Mit steigenden Kursen steigt auch die Skepsis, zu sehen an der Zukunftserwartung, die auf minus 1,7 absackt. Kaufen möchte auf dem hohen Aktienmarktniveau niemand mehr, die Investitionsbereitschaft steht inzwischen bei minus 0,9.
Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart für Privatanleger ist auf minus sieben abgerutscht und zeigt ein gestiegenes Absicherungsbedürfnis. Negative Werte bedeuten einen Überhang von Put-Hebelprodukten auf den Dax in den Depots. Diese gewinnen bei fallenden Kursen an Wert.
Das Put-Call-Verhältnis an der Frankfurter Terminbörse Eurex, über die sich institutionelle Anleger absichern, bleibt auf niedrigem Niveau. Institutionelle Anleger sehen keinen besonderen Absicherungsbedarf.
Ganz anders sieht es an der Chicagoer Terminbörse CBOE aus, dort ist das Put-Call-Verhältnis angestiegen. Es werden also mehr Put-Absicherungen gekauft, Investoren trauen der Rekordjagd an der Wall Street nicht mehr so recht.
Auch US-Fondsmanager haben ihre Anlagequote um 20 Prozentpunkte auf 75 Prozent deutlich reduziert. Die Bulle-Bär-Differenz bei den US-Privatanlegern steht bei 18 Prozentpunkten. 44 Prozent sind optimistisch, 26 Prozent sind pessimistisch gestimmt. Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit einem Wert von 78 Prozent extreme Gier an, es ist also Vorsicht geboten.
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