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Dax-UmfrageWas gegen eine Korrektur nach dem Dax-Rekord spricht

Ungeachtet aller Skepsis hat der deutsche Leitindex einen neuen Höchststand markiert – und die Rally kann noch weitergehen, wie eine Handelsblatt-Umfrage zeigt.Andreas Neuhaus 23.05.2023 - 12:39 Uhr Artikel anhören

Die Anlegerstimmung hat sich die vierte Woche in Folge verschlechtert.

Foto: dpa

Düsseldorf. Die abgelaufene Börsenwoche hat dem Dax neue Höchststände beschert. Das Frankfurter Börsenbarometer stieg am Freitag bis auf 16.332 Punkte und erreichte einen Schlussstand von 16.281 Zählern – jeweils Bestmarken.

Auf diesem Niveau dürfte sich der deutsche Leitindex halten, eine schnelle Korrektur ist ohne entsprechende Nachrichtenlage unwahrscheinlich, wie das Ergebnis der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment zeigt. Diese wird wöchentlich unter inzwischen mehr als 8000 Privatanlegerinnen und -anlegern durchgeführt.

Mit dem Rekordhoch hat der Dax eine über einmonatige Seitwärtsbewegung abgeschlossen: Mehr als fünf Wochen lang bewegte er sich zwischen rund 15.650 und 16.000 Punkten. Auf eine solche Phase folgt häufig ein neuer Bewegungsimpuls, der oft umso stärker ausfällt, je länger die Seitwärtsbewegung dauert.

Zu sehen war das in der vergangenen Woche, in der der Dax in der Spitze um mehr als 400 Punkte oder 2,6 Prozent anstieg. Möglich war dieser Kursanstieg durch zwei Faktoren, erklärt Börsenexperte Stephan Heibel. Der Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX wertet die wöchentliche Dax-Umfrage des Handelsblatts aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.

Erstens: „Die Hoffnung auf eine baldige Einigung im US-Schuldenstreit hat die Rally genährt.“ Der Streit zwischen den US-Demokraten und -Republikanern um die Anhebung der Schuldenobergrenze belastete die Märkte zuletzt. Nun wurden die Verhandlungen intensiviert, und eine schnelle Einigung ist bereits zum Teil eingepreist.

Viele Anleger sind unterinvestiert

Der zweite Grund für die Rally ist die schlechte Stimmung unter den Anlegern, erklärt Heibel. Viele Anleger würden die Kursentwicklung skeptisch sehen – immerhin ging es seit Jahresbeginn um nunmehr fast 17 Prozent aufwärts – und hätten sich für fallende Kurse positioniert. Dementsprechend sind viele Anleger unterinvestiert und müssen bei steigenden Kursen nachkaufen, um der Entwicklung nicht komplett hinterherzulaufen.

Dass große Skepsis ein Kontraindikator ist, ist eine der Grundannahmen der Sentiment-Theorie, bei der aus der Stimmungslage der Anleger Rückschlüsse auf die künftige Kursentwicklung gezogen werden. Heibel hatte darauf in seinen Auswertungen der Handelsblatt-Umfrage mehrfach aufmerksam gemacht.

Daher kommt auch die Börsenweisheit, dass sich eine Rally entlang einer Wand der Sorge („Wall of Worry“) nach oben bewegt. Während die Kurse steigen, geben immer mehr Anleger ihre skeptische Haltung auf und sorgen dadurch für einen steten Strom an neuen Käufern.

„Der große Pessimismus der Vorwochen hat sich nun entladen“, sagt Heibel. „Wir sind jedoch noch weit entfernt von einer Euphorie und überschäumendem Optimismus, die zur Vorsicht mahnen würden.“

Denn das ist eine weitere Grundannahme der Sentiment-Theorie: Eine zu gute Stimmung ist ein Vorbote von fallenden Kursen, weil dann schon nahezu alle Anleger investiert sind und neue Käufer fehlen.

Bessere Stimmung, aber keine Euphorie

Nach der vergangenen Woche ist die Stimmung unter den Anlegern von null auf plus 3,9 Punkte gestiegen. Ab einem Wert von 4,0 zeigt das Sentiment Euphorie an. Das wäre einerseits ein Warnsignal, andererseits können Phasen der Euphorie lange anhalten. Darüber hinaus muss man die Anlegerstimmung im Gesamtkontext sehen, und hier zeigt sich, dass die Rally noch Luft nach oben haben könnte.

Denn die Selbstzufriedenheit ist zwar von minus 1,1 auf plus 1,7 Punkte gestiegen, liegt damit aber immer noch im moderaten Bereich. „Offensichtlich gibt es viele Anleger, die diese Rally nicht ausreichend antizipiert haben und nun zu wenig investiert sind, um davon ausreichend zu profitieren“, analysiert Heibel. Es gibt also noch potenzielle Käufer.

„Viele Anleger blicken ungläubig auf die Rally“, stellt Heibel fest. Denn die Liste an Problemen ist lang, mit dem Ukrainekrieg, der immer noch zu hohen Inflation, den dadurch stark gestiegenen Zinsen sowie dem unsicheren Wirtschaftsausblick.

Das zeigt sich auch in der pessimistischen Erwartungshaltung. Diese hat sich nach minus 3,3 Punkten in der Vorwoche nur geringfügig auf minus 2,9 verbessert. In drei Monaten rechnet nur knapp jeder vierte Befragte mit steigenden Kursen.

Auch die Investitionsbereitschaft bleibt mit einem Wert von minus 0,5 Punkten gering. In der Vorwoche lag sie bei minus 1,0. „Anleger wollen eher verkaufen, als auf diesem Niveau erst einzusteigen“, resümiert Heibel.

Diese Ergebnisse zeigen also insgesamt keine gefährliche Euphorie an. Vielmehr befürchten die Befragten weiterhin einen deutlichen Kursrückgang – und genau das spricht gegen einen Kurseinbruch und für moderat steigendende Kurse oder eine Konsolidierung auf hohem Niveau, erklärt Heibel: „Die große Skepsis, die sich im nach wie vor großen Pessimismus sowie in der schwachen Investitionsbereitschaft zeigt, dürfte einen stärkeren Rückschlag verhindern.“

Börsenweisheit könnte in die Irre führen

Denn für starke Kursreaktionen sorgt an der Börse stets das Unerwartete. Auf fallende Kurse bereiten sich aber aktuell sowohl Privatanleger als auch Profis vor, wie Daten der Börse Stuttgart und der europäischen Terminbörse Eurex zeigen.

Die Börsenweisheit „Sell in May and go away“ könnte sich in diesem Jahr daher als falsch herausstellen, meint Heibel: „Denn weiterhin favorisiert die Sentiment-Theorie, mit der die Erwartung der Anleger als Kontraindikator interpretiert wird, weiter steigende Kurse.“

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 8000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anlegerinnen und Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können.

Umgekehrt gilt: Wenn die Anlegerinnen und Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

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Erstveröffentlichung: 22.05.2023, 15:00Uhr

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