Geldanlage: Was Anleger über Gaming-Aktien wissen sollten
Vergangenes Jahr setzte die Gaming-Branche weltweit 184 Milliarden US-Dollar um.
Foto: ReutersKöln. Sie gilt als das Event der Gaming-Branche: Vergangene Woche hat in Köln die Gamescom stattgefunden, die nach eigenen Angaben weltweit größte Messe für Computer- und Videospiele. Mit rund 320.000 Besucherinnen und Besuchern aus über 100 Ländern hat sie dieses Jahr einen neuen Rekord aufgestellt. Zudem zählte das digitale Angebot der Gamescom allein bis Samstagabend über 180 Millionen Zugriffe.
Damit dürfte klar sein, dass Gaming längst keine Nische mehr ist: Vergangenes Jahr setzte die Branche weltweit 184 Milliarden US-Dollar um, berichtet Newzoo, das Research-Institut der Gaming-Branche. Am meisten Umsatz machten dabei Handyspiele (92,2 Milliarden US-Dollar), es folgten Konsolen- und PC-Spiele mit 51,8 Milliarden und 38,2 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Zahlen zwar leicht rückläufig. Das Jahr 2022 gilt unter Branchenexperten allerdings auch als Korrekturjahr nach der hohen Nachfrage nach Videospielen in den Coronajahren.
„Der Markt für Videospiele hat deutliches Wachstumspotenzial“, sagt Christian Henke, Senior Analyst beim Broker IG Europe. Seiner Prognose nach könnten die Erlöse in diesem Jahr bereits 361,5 Milliarden US-Dollar erreichen. Videospiele als Zeitvertreib dürften nämlich wieder an Beliebtheit gewinnen, prognostizierte Henke: „Bis 2027 wird mit einer durchschnittlichen Steigerung von 8,4 Prozent pro Jahr gerechnet, sodass bis dahin ein Marktvolumen von rund 500 Milliarden US-Dollar erreicht werden könnte.“
Mit Aktien der Big Player können auch Privatanleger an dem Boom teilnehmen. Allerdings weisen Aktien aus dem Videospiel-Sektor ein recht hohes Risiko und eine hohe Volatilität auf: „Insbesondere, wenn teure Neu- und Weiterentwicklungen von Spielen bei den Kunden nicht ankommen und floppen“, erklärt Henke.
Electronic Arts
Electronic Arts (EA) ist einer der umsatzstärksten Gaming-Titel. Das Unternehmen steckt hinter bekannten Spielen wie „Fifa“, „Battlefield“, „Madden NFL“, „Need For Speed“ oder „Die Sims“.
EA erwirtschaftete von April bis Juni dieses Jahres einen Nettoumsatz von 1,9 Milliarden US-Dollar und realisierte so ein Umsatzplus von rund neun Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Das Nettoergebnis kletterte dabei um 29 Prozent auf 402 Millionen US-Dollar.
Das Unternehmen brachte in diesem Jahr fünf Neuerscheinungen auf den Markt und aktualisierte im Laufe des Quartals über 145 Inhalte in 37 Titeln. Allerdings gibt es aktuell Gegenwind vom Franchise-Partner: „Fifa 2023“ wird das letzte Spiel von EA unter diesem Namen gewesen sein, der Nachfolger soll „FC 24“ heißen.
Analyst Henke sieht bei EA dennoch „enormes Wachstumspotenzial“ in den kommenden Jahren. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (2024e) von 30 ist die Aktie allerdings auch eher hoch bewertet.
Ubisoft
Etwas günstiger ist dagegen Ubisoft, ein französisches Unternehmen, dem unter anderem die Star-Wars-Spiele gehören. Die Aktie kommt aktuell auf ein KGV (2024e) von 25. Die Umsatzprognose für 2023 liegt bei 2,2 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr sind die Umsätze und die Rentabilität des Unternehmens bisher rückläufig.
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Ubisoft könnte allerdings schon bald von einem Mega-Deal der Branche profitieren: Microsoft will für 69 Milliarden US-Dollar den Videospieleriesen Activision Blizzard übernehmen, zu dem beliebte Videospiele wie „Call of Duty“, „Overwatch“ und „Candy Crush“ gehören.
Um die letzte Hürde, die Vorbehalte der britischen Kartellbehörde (CMA), auszuräumen, will Microsoft die Cloud-Gaming-Rechte von Activision Blizzard für 15 Jahre an Ubisoft abtreten. Damit würden die Cloud-Streaming-Rechte für bestehende Cloud-basierte PC- und Konsolenspiele, sowie neue Cloud-Spiele, die Activision in den nächsten 15 Jahren veröffentlichen wird, bei Ubisoft liegen.
Auch Senior Analyst Henke ist optimistisch gestimmt: „Die Ubisoft-Aktie arbeitet nach den drastischen Kursverlusten an einer Bodenbildung. Diese könnte bereits in Kürze abgeschlossen werden.“
Nintendo
Spannend für Anleger wie für Fans könnte vor allem das kommende Jahr werden: Ende 2024 soll Gerüchten zufolge nämlich die Nachfolge-Konsole der Nintendo Switch erscheinen.
Mit 10,1 Milliarden Euro prognostiziertem Jahresumsatz für 2023 belegt das japanische Unternehmen aktuell Platz 8 der Top 10 der Branche, geht aus dem Newzoo-Branchenreport hervor. Mit einem geschätzten KGV von 18 für 2024 ist die Aktie im Branchenvergleich niedrig bewertet.