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KapitalmarktausblickGold, Anleihen, Aktien: Vier Gründe, 2020 mehr zu investieren

Nach einem Jahr mit großen Gewinnen in allen Anlageklassen setzen Investoren und Banken für 2020 vor allem auf Aktien. Doch sie werden bescheidener.Andrea Cünnen, Anke Rezmer 27.11.2019 - 18:00 Uhr

Aktien sind für Strategen im kommenden Jahr die erste Wahl.

Foto: Reuters

Frankfurt. In den beiden vergangenen Jahren wurde an den Märkten Geschichte geschrieben. 2018 brachen fast alle Aktienmärkte simultan ein. Auch der Goldpreis stürzte ab, und Anleihen verzeichneten zumindest zwischenzeitlich große Verluste. 2019 ging es bislang simultan für alle Anlagen nach oben, und Investoren strichen ordentliche Gewinne ein.

„Ein solcher Gleichklang an den Kapitalmärkten ist ungewöhnlich. 2020 sollte sich dieses Szenario höchstens in abgeschwächter Form wiederholen“, sagt Martin Lück, einer der Chefanlagestrategen beim Vermögensverwalter Blackrock.

Konkret rechnen die Fondshäuser und Banken, die in diesen Tagen ihre Ausblicke für das kommende Jahr vorlegen, mit leicht steigenden Aktienmärkten und allenfalls moderat fallenden Anleihemärkten. Und das trotz der gestiegenen Bewertungen von Aktien und der Minus- bis Minirenditen bei Anleihen. Auch der Goldpreis hat noch etwas Luft nach oben, wenn man den Prognosen glaubt.

Um die Ausblicke einzuordnen, ist ein kurzer Rückblick nötig.

Haupttreiber für die Märkte nach unten und nach oben waren in diesem und im vergangenen Jahr die Notenbanken. Die Angst davor, dass die US-Notenbank (Fed) 2019 die Leitzinsen erhöht und damit die US-Konjunktur in eine Rezession treibt, hatte den Märkten 2018 die Zuversicht ausgetrieben. Das vierte Quartal 2018 war für den US-Leitindex S&P 500 mit minus 14 Prozent das schlechteste Quartal seit der großen Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008.

2019 waren es wiederum die Notenbanken, die mit ihrer Kehrtwende hin zu einer lockeren Geldpolitik die Kurse an allen Märkten in die Höhe trieben. „Die Fed hat den Leitzins in diesem Jahr dreimal auf ein Band zwischen 1,50 und 1,75 Prozent gesenkt. Die Europäische Zentralbank hat die Einlagenzinsen weiter in den negativen Bereich gedrückt und kauft seit November wieder monatlich neue Anleihen für 20 Milliarden Euro.

Für Joachim Schallmayer ist die Lage eindeutig: „Bis auf den radikal veränderten Kurs in der Geldpolitik gab es 2019 keinen weiteren Treiber, der die gute Wertentwicklung bei den Anlageklassen erklären könnte“, sagt der leitende Kapitalmarktstratege bei der Dekabank.

Doch künftig haben die Notenbanken nicht mehr viele Möglichkeiten. Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater schließt daraus: „Es ist nur noch wenig geldpolitischer Treibstoff vorhanden, deshalb wird der simultane Anstieg der Vermögenspreise zu einem Ende kommen.“

Doch die gute Nachricht ist: Störfeuer von den Notenbanken wird es voraussichtlich nicht geben. Mit Zinserhöhungen rechnet derzeit wohl niemand, nicht in den USA und erst recht nicht in der Euro-Zone. Von daher gilt für Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege beim Fondshaus DWS: „Die Geldpolitik wird die Märkte weiter stimulieren.“

Gute Aussichten gibt es vor allem an den Aktienmärkten. Dafür gibt es vier Gründe.

1. Die Konjunktur stabilisiert sich.

Strategen sehen Zeichen dafür, dass die Wirtschaft ihre Talsohle schon durchschritten hat. Darauf weisen weltweit Frühindikatoren hin, in Deutschland zum Beispiel der zum dritten Mal in Folge gestiegene Ifo-Geschäftsklimaindex.

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege beim Fondshaus Fidelity, sieht den steigenden Frachtratenindex als ein Indiz für eine Erholung des weltweiten Wirtschaftswachstums. Auch für Kreuzkamp steht fest: „Eine Rezession ist nirgendwo zu befürchten.“

In den USA gibt es für den wirtschaftlichen Optimismus auch handfeste politische Gründe. US-Präsident Donald Trump könne sich einen Einbruch der Wirtschaft angesichts der im November anstehenden Wahlen nicht leisten, betont Kater.

Deshalb ebben auch die Ängste vor einer weiteren Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China ab. „Der erste Schritt des Handelsdeals wird kommen“, ist Lück überzeugt. „Trump wird an einer guten Konjunktur gemessen.“

2. Die Unternehmensgewinne werden steigen.

Eine wieder etwas stärker wachsende Wirtschaft stimmt Strategen zuversichtlich mit Blick auf die Gewinne der Unternehmen, die in diesem Jahr im Schnitt weltweit bestenfalls anämisch waren. DWS und Deka rechnen mit einem Gewinnwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Bereich.

Konkret erwartet die DWS, dass die Unternehmen in Europa im nächsten Jahr sechs Prozent mehr verdienen werden. In den USA sind es fünf und in den Schwellenländern im Schnitt sogar neun Prozent. Da langfristig die Gewinnsteigerungen der Unternehmen die Aktienkurse bestimmen, sollten auch die Aktienbörsen in ähnlichem Umfang zulegen, meint Kreuzkamp.

Die Notenbanken haben diese Gesetzmäßigkeit zwar in den vergangenen beiden Jahren außer Kraft gesetzt. Doch jetzt geht auch Lück von Blackrock davon aus, dass die Entwicklung der Aktien wieder stärker durch die Gewinnentwicklung der Unternehmen getrieben wird.

3. Die Niedrigzinsen machen Aktien attraktiv.

Strategen sind sich einig, dass Anleger im Umfeld von Mini- und Minuszinsen um Aktien nicht mehr herumkommen. Anleihen gerade in Europa werfen kaum noch jährliche Zinsen ab, und das Kurspotenzial ist begrenzt.

Schließlich sind die Kurse von Anleihen schon so stark gestiegen, dass Anleger, die sie heute kaufen und bis zur Fälligkeit halten, dabei sogar oft weniger Geld zurückbekommen, als sie angelegt haben.

Das bedeutet für Schallmayer von der Dekabank: „Aktien sind unverzichtbarer denn je.“ Die Dividendenrenditen von Aktien sind vielfach höher als die Renditen von Anleihen, und das Kurspotenzial bei Aktien ist höher als das bei Anleihen.

4. Aktien sind noch nicht zu teuer.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die Bewertungen von Aktien schon zu hoch sind. Im Dax zum Beispiel ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis dank der gestiegenen Kurse und der gesunkenen Gewinne von elf auf über 14 gestiegen. Im S&P 500 werden die Aktien sogar mit dem 17,5-Fachen ihrer für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne bewertet.

Doch erstens haben die Bewertungen damit historisch noch keine extremen Werte erreicht. Zweitens dürfen die Bewertungen nach einhelliger Ansicht von Strategen angesichts der extrem niedrigen Zinsen höher sein als üblich.

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege bei der Deutschen Bank, verweist darauf, dass die Bewertungen bei Anleihen und Immobilien viel höher sind als bei Aktien. „Ich sage nicht, dass Aktien günstig sind“, meint Stephan. Aber die gängigen Bewertungsmodelle für Aktien würden auf höheren Zinsen basieren. Dieses Preismodell stimme nicht mehr.

In ihrem Tenor pro Aktien sind sich Investoren und Banken einig, aber darüber, wo die größten Chancen bei Aktien liegen, gibt es unterschiedliche Ansichten.

Regional findet zum Beispiel Christian von Engelbrechten, Fondsmanager bei Fidelity, Europa und Asien am attraktivsten. Schallmayer von der Deka und Kreuzkamp von der DWS halten Europa und die Schwellenländer für besonders interessant. Beide Regionen seien niedriger bewertet als die USA, von daher werde eine „marginale Verbesserung der Rahmenbedingungen am ehesten zu spüren sein“, betont Deka-Stratege Schallmayer.

Lück von Blackrock dagegen hält unter den Industrienationen die USA für interessanter als Europa. Gründe dafür sind für ihn das größere Wachstumspotenzial der US-Wirtschaft und die voraussichtlich erneut starken Aktienrückkäufe der US-Unternehmen. Von daher sieht Lück beim S&P 500 ein Potenzial von rund zehn Prozent.

Auch bei der Branchenauswahl gibt es unterschiedliche Ansichten – selbst innerhalb der Fondshäuser.

Bei Fidelity etwa sieht Kapitalmarktstratege Roemheld angesichts der Konjunkturstabilisierung Chancen bei konjunkturabhängigen, unterbewerteten Aktien. Von Engelbrechten setzt in seinem Deutschland-Fonds vor allem auf Aktien, die auch bei einer schwachen Konjunktur gut wachsen. Diese findet er tendenziell in den Sektoren Gesundheit, Software und Technologie.

Risiken aus dem Jahr 2019 bleiben erhalten

Einig wiederum sind sich die Strategen darin, dass sich Investoren bei Aktien 2020 erneut auf größere Schwankungen einstellen müssen. Denn: Die Risiken aus dem Jahr 2019 bleiben Investoren erhalten.

Auch wenn Strategen von einem ersten Schritt im Handelsabkommen ausgehen, bleibe Trump „unberechenbar“, wie Lück sagt. Das könne sich auch immer wieder gegen Europa richten und zu Erschütterungen der Aktienmärkte führen.

Auch der Brexit kann noch für Unruhe sorgen. Selbst wenn es zu einem geregelten Brexit kommt, müssen im Nachgang noch viele Handelsabkommen mit der EU verhandelt werden.

Zudem sieht Lück Eskalationsrisiken im Mittleren Osten und die Gefahr, dass sich die chinesische Wirtschaft deutlich abschwächt.

Dies alles könne zu „drastischen, kurzen Rücksetzern um zehn bis 20 Prozent an den Aktienmärkten führen. Genau das wären für Lück aber Kaufchancen, denn vor allem dank der Unterstützung der Zentralbanken wirke der Trend am Aktienmarkt stabil.

Solche Unruhen am Aktienmarkt bringen dann Anleihen als Anlageklasse ins Spiel. Es werde Phasen geben, in denen die Aktienmärkte schwächer laufen und im Gegenzug die Anleihekurse zulegen, meint Stephan von der Deutschen Bank. Von daher könnten Investoren, die aktiv mit Anleihen handeln, auch mit den Zinspapieren noch Erträge erwirtschaften.

Gold gehört ins Depot

Unter diesem Aspekt gehört auch Gold für viele Strategen ins Depot. Tendenziell profitiert Gold ebenfalls von den niedrigen Zinsen. Gold wirft keine Zinsen ab, aber das machen viele Anleihen ja auch nur noch in geringem Umfang. Von daher fällt dieser Nachteil des Goldes weg.

Viel wichtiger ist Gold aber laut Stephan vor allem als Krisenversicherung im Depot. Das bedeutet: Wenn die Aktienmärkte doch stärker fallen als gedacht, wird die Flucht in Gold voraussichtlich zunehmen.

Stephan hat dazu einen Vergleich: „Das ist ähnlich wie bei einer Feuerversicherung: Wenn Sie die haben, sitzen Sie auch nicht jeden Abend auf dem Sofa und hoffen, dass Ihr Haus abbrennt.“

Von daher sollten Anleger wohl froh sein, wenn sich mit Anleihen und Gold im kommenden Jahr wenig verdienen lässt – und der simultane Höhenflug der Anlageklassen endet.

Mehr: Kommt noch eine Jahresendrally an den Börsen – oder ist sie schon vorbei?

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