151-Millionen-Euro-Deal: Onlinebank Comdirect verkauft Tochter Ebase
Die Commerzbank-Tochter Comdirect verkauft ihre Tochter eBase.
Foto: dpaEinige Tage vor seinem Sommerurlaub verschlankt Vorstandschef Arno Walter die Onlinebank Comdirect. Das Institut verkauft seine Tochter Ebase, die Anlagelösungen für andere Banken und Versicherungen erbringt, für 151 Millionen Euro an die britische Finanztechnologiefirma FNZ. Mit dem Deal erfüllt das Institut aus Quickborn eine Forderung ihres kritischen Aktionärs Petrus Advisers. Er hatte bereits im September 2017 eine Veräußerung von Ebase angemahnt.
„Wir finden es gut, dass man sich dazu durchgerungen hat, das Geschäft zu verkaufen“, sagte Petrus-Manager Till Hufnagel am Dienstag im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Deal sei ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn Petrus mit einem etwas höheren Verkaufspreis gerechnet habe. „Wir hoffen, dass sich der stärkere Fokus aufs Kerngeschäft jetzt darin niederschlägt, dass man profitabler wirtschaftet“, sagte Hufnagel. Die Kosten von Comdirect seien nach wie vor zu hoch.
Comdirect-Chef Walter, der Petrus bisher die kalte Schulter gezeigt hat, widersprach dem Eindruck, Ebase sei auf Druck des Investors losgeschlagen worden. „Der Verkauf ist keine Reaktion auf die Forderung von Petrus Advisers“, sagte Walter dem Handelsblatt. „Die zukünftige strategische Rolle der Ebase wurde im Vorstand regelmäßig neu bewertet. Das ist ein ganz normaler Prozess.“ Ende vergangenen Jahres habe sich das Management dann aus zwei Gründen entschieden, einen Verkauf voranzutreiben. „Das Marktumfeld für eine solche Transaktion war sehr gut. Und wir wachsen in unserem Kerngeschäft so schnell, dass wir zusätzliche Mittel aus einem Verkauf dort gut gebrauchen können.“
Petrus hatte unter anderem die vergleichsweise niedrigen Wachstumsraten von Ebase und die geringen Synergien mit Comdirect kritisiert. Walter ließ erkennen, dass er diese Punkte ähnlich bewertet wie der Investor. „Die Wachstumsraten von Ebase sind nicht so hoch wie im Kerngeschäft von Comdirect“, sagte der Vorstandschef. „Das Geschäftsmodell von Ebase ist ein anderes und die Synergien zwischen beiden Unternehmen zudem überschaubar.“
Walter will Wachstum forcieren
Die European Bank for Financial Services (Ebase) ist in Aschheim bei München ansässig und beschäftigt 265 Mitarbeiter. Aktuell verwaltet sie ein Kundenvermögen von 31 Milliarden Euro. Comdirect hatte Ebase 2009 für 24,9 Millionen Euro von der damaligen Commerz Asset Management Holding erworben. Laut Walter wurde die Firma in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. „Mit dem Verkauf an die FNZ Group wird die Ebase diesen erfolgreichen Kurs fortsetzen.“
Durch die Veräußerung darf sich Comdirect auf einen Einmalertrag vor Steuern von mindestens 85 Millionen Euro freuen. Ein Teil der Einnahmen soll direkt ins Kerngeschäft investiert werden. Im laufenden Jahr will die Bank bis zu 30 Millionen Euro für neue Produkte, Technologie und Marketing-Kampagnen ausgeben. „Mit den Einnahmen wollen wir das Wachstum bei Comdirect nun nochmals forcieren“, kündigte Walter an.
Das wird auch der Mutterkonzern Commerzbank, der 82 Prozent an Comdirect hält, gerne hören. Deutschlands zweitgrößte Privatbank hatte im Herbst 2016 das Ziel ausgegeben, bis 2020 zwei Millionen neue Privatkunden gewinnen zu wollen. Comdirect soll dazu einen bedeutsamen Beitrag leisten.
Mehrere Behörden müssen dem Ebase-Verkauf noch zustimmen. Comdirect rechnet mit einem Abschluss der Transaktion bis Jahresende. „Einen weiteren Anpassungsbedarf bei Comdirect sehen wir momentan nicht“, betont Walter.