ING Deutschland: Vorsteuergewinn bricht um 22 Prozent ein
Frankfurt. Die ING Deutschland hat im zweiten Quartal erneut einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet. Der Vorsteuergewinn brach von April bis Juni im Vorjahresvergleich um 22 Prozent auf 381 Millionen Euro ein.
Das geht aus den am Donnerstagmorgen veröffentlichten Quartalszahlen des niederländischen Mutterkonzerns ING hervor. Bereits im ersten Quartal war der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent auf 364 Millionen Euro zurückgegangen.
Grund ist ein deutlich gesunkener Zinsüberschuss. Dieser ging um elf Prozent auf 709 Millionen Euro zurück. Dies konnte auch ein um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 154 Millionen Euro gestiegener Provisionsüberschuss nicht ausgleichen.
Die Kosten stiegen um fünf Prozent auf 390 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr beschäftigt die ING Deutschland 498 Mitarbeiter mehr.
Auch der Wettbewerb um Einlagen macht sich bei dem Institut bemerkbar. Während die ING Deutschland im ersten Quartal dank Zinsaktionen noch Einlagenzuflüsse in Höhe von 15 Milliarden Euro verzeichnete, musste die deutsche Onlinebank im zweiten Quartal Einlagenabflüsse in Höhe von 900 Millionen Euro hinnehmen.
Dabei bietet die Direktbank ihren Kunden weiterhin Zinsangebote. So erhalten seit dem 7. Mai Neukunden, die ein Extrakonto eröffnen, 2,5 Prozent Zinsen auf das Tagesgeld. Das Angebot gilt für vier Monate und für Guthaben bis zu 250.000 Euro.
Direktbanken werben mit vergleichsweise hohen Zinsen
Ende Juni war allerdings auch die spanische Großbank BBVA mit einer Digitalbank in Deutschland gestartet und lockt Kunden mit drei Prozent Zinsen auf Einlagen auf dem Girokonto. Das Angebot ist für zwölf Monate gültig - bis zu einem Kontoguthaben von 500.000 Euro. Die Zinsen werden nach Angaben des Instituts monatlich ausgezahlt.
Zinsaktionen seien ein beliebtes Instrument, um neue Kunden zu werben und von der eigenen Marke zu überzeugen, sagte Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies in Frankfurt (CFS).
Auch die Commerzbank-Digitaltochter Comdirect bot ab Mitte Juni ebenfalls zeitweise drei Prozent Zinsen, allerdings unter bestimmten Bedingungen.
„Der Wettbewerb um Einlagen ist in Deutschland schon immer sehr hart“, sagte Brühl. Einlagen seien ein sehr wichtiges Refinanzierungsinstrument für Banken. Andere Finanzierungsinstrumente wie etwa Anleihen seien deutlich teurer, sagte Brühl.
ING übertrifft Erwartungen – trotz Gewinnrückgang
Der niederländische Mutterkonzern ING hat im zweiten Quartal ebenfalls einen Gewinnrückgang verzeichnet, der dank steigender Gebühreneinnahmen geringer ausfiel als von Analysten befürchtet. Der Nettogewinn sank um knapp sechs Prozent auf 1,68 Milliarden Euro, wie das Institut am Donnerstag mitteilte.
Für das Gesamtjahr rechnet ING nun damit, am oberen Ende der zuvor prognostizierten Spanne von fünf bis zehn Prozent Wachstum bei den Gebühren zu landen. Gleichzeitig sollen die operativen Kosten eher am unteren Ende der avisierten Bandbreite von 12,5 bis 12,7 Milliarden Euro liegen.
Konzernchef Steven van Rijswijk verwies auf die hohen Marktschwankungen und die wirtschaftliche Unsicherheit, die von den zu Quartalsbeginn von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zollerhöhungen ausgelöst worden seien.
Mit Material von Reuters.