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Ausblick auf 2020 Stellenstreichungen, faule Kredite: Das sind die Baustellen von Italiens Banken

Neue Bankenpleiten drohen Italien im kommenden Jahr nicht. Dafür stehen die Geldhäuser vor anderen Problemen. Experten pochen vor allem auf Stellenstreichungen.
30.12.2019 - 21:40 Uhr Kommentieren
Die große Bankenkrise droht Italien 2020 nicht. Dennoch müssen die Geldhäuser an einigen Problemen arbeiten. Quelle: dpa
Skyline des Mailänder Stadtteils Porta Nuova

Die große Bankenkrise droht Italien 2020 nicht. Dennoch müssen die Geldhäuser an einigen Problemen arbeiten.

(Foto: dpa)

Rom Wirklich überraschend kam die vorerst letzte Bankenpleite in Italien nicht. Die Banca Popolare di Bari galt schon länger als Wackelkandidat. Ein gutes Jahr nachdem die Regionalbank Banca Carige in Schieflage geraten war, mahnte die italienische Zentralbank Mitte Dezember zur Vorsicht und stellte die Volksbank aus Apulien schließlich unter Aufsicht.

Die Leitungsebene wurde entlassen, und staatliche Kommissare wurden eingesetzt – genau wie vor zweieinhalb Jahren beim Institut Monte dei Paschi, das vom Staat gerettet wurde und dessen Großaktionär das römische Finanzministerium ist. Allerdings: Die Krisenbank Banca Popolare di Bari ist viel kleiner als das Geldhaus aus Siena. Auswirkungen auf das Finanzsystem des Landes dürfte die Schieflage der Volksbank aus Bari daher nicht haben.

Zudem stellte ihr die italienische Regierung bereits eine Finanzhilfe von 900 Millionen Euro bereit. Sie geht nicht direkt an die Bank, sondern wird als Eigenkapital in die staatliche Entwicklungsbank Banca del Mezzogiorno-Mediocredito Centrale (MCC) fließen. Auf diese Weise soll wohl vermieden werden, dass die europäischen Aufsichtsbehörden die Finanzspritze als verbotene Staatshilfe werten – was ziemlich sicher der Fall wäre, wenn die Gelder direkt ans Geldhaus gezahlt würden.

Der Plan der Regierung sieht vor, dass die MCC gemeinsam mit dem Einlagensicherungsfonds der italienischen Banken FITD und anderen Investoren die Sanierung übernimmt. Am Montagabend einigte sich der FITD darauf, Banca Popolare di Bari seinerseits Finanzhilfen in Höhe von bis zu 700 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Davon seien 310 Millionen Euro bereits genehmigt. Diesen Betrag könne die Bank nutzen, um ihr Kapitalpolster zu verbessern, so der FITD.

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    Überraschend waren jedoch die Details der Pleite, die erst bekannt wurden, nachdem die Staatsanwaltschaft in Bari Ermittlungen aufgenommen hatte. Aus Dokumenten und Mitschnitten wurde deutlich, dass die Sparer und Anteilseigner der Volksbank seit Langem bewusst getäuscht worden waren. „Die Bilanzen der Filialen waren alle gefälscht, und es gab zu viele unregelmäßige Kredite“, sagte Vincenzo De Bustis, ehemaliger CEO der Banca Popolare di Bari, in dem beschlagnahmten Mitschnitt.

    Vor allem die rund 70.000 Anteilseigner sind betroffen, die in gutem Glauben und nach schlechter Beratung Bankanleihen gekauft hatten. Der Staat griff auch deshalb bei der Bankenrettung ein, um sie zu schützen. Andernfalls hätten sie nach der europäischen Gläubigerbeteiligung ihr Erspartes verloren.

    „Keine neuen Problemfälle“

    Kurz vor Weihnachten gab es weitere Enthüllungen: So wurde bekannt, dass der ehemalige Verwaltungsratschef und sein Sohn kurz vor der kommissarischen Verwaltung der Bank Millionenbeträge von ihren privaten Konten auf eine andere Bank transferiert hatten. Solche Details spiegeln die eine Seite des Problems bei kleinen und mittleren Banken in Italien wider. Denn ein ähnliches Verhalten hatte es auch bei den vorherigen Pleiten im Land gegeben: selbstherrliche lokale Fürsten, die vor allem im eigenen Interesse handeln, Klientelismus und  Missmanagement.

    Die andere Seite sind strukturelle Probleme. „Das Businessmodell der kleinen und mittleren Institute ist überholt“, sagt Bankenexperte Marcello Messori von der römischen Wirtschaftsuni Luiss dem Handelsblatt. „Es gibt Verzerrungen, und das Modell der engen Bindung an das Territorium ist nicht effizient.“ Das gelte auch für die Kreditvergabe an die kleinen und mittleren Unternehmen. So habe es etwa Fälle gegeben, bei denen diese an den Kauf von Bankaktien gekoppelt worden sei.

    Der Bankenexperte fordert vor dem Hintergrund der jüngsten Krisensituationen Veränderungen: „Alle Volksbanken wie die Banca Popolare di Bari müssten in Aktiengesellschaften umgewandelt werden“, meint Messori. Eine entsprechende Gesetzesnorm von 2015 sei aber zurückgenommen worden.

    Wie sieht es 2020 aus? Kommt ein neuer Zyklus von Bankenrettungen? „Ich sehe keine weiteren Krisensituationen wie bei der Bank in Bari“, sagt Pier Carlo Padoan, Abgeordneter und ehemaliger Wirtschafts- und Finanzminister, dem Handelsblatt. „Das war eine Krise, die seit Langem schwelte.“ Einige Banken könnten jedoch Probleme haben, ihr Personal zu reduzieren, was durch strukturelle Anpassungen nötig werde.

    Auch Messori sagt: „Im Moment scheint es keine neuen Problemfälle zu geben.“ Der Bankenverband ABI will nicht Stellung nehmen und verweist auf die laufenden Untersuchungen. Aber schon seit Jahren kritisieren Experten, dass Italiens Banken zu viele Filialen betreiben und zu viele Mitarbeiter beschäftigten.

    Tausende Stellenstreichungen nötig

    Eine Studie der Strategieberatung Oliver Wyman von November nennt Zahlen: Die italienischen Banken müssen in den nächsten fünf Jahren 70.000 Stellen streichen, 7.000 Filialen schließen und die Kosten um fünf Milliarden Euro reduzieren, wenn sie ihr derzeitiges Gewinnniveau halten wollen – und das „ohne neue Krisen, ohne eine Rezession und ohne signifikante Kapitalerhöhungen“, heißt es in der Studie.

    Auch die beiden Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo unternehmen strukturelle Anpassungen. Was ihre Ergebnisse angeht, unterscheiden sie sich stark von den kleinen Banken. Sie spielen nämlich mit anderen Geldinstituten in der europäischen Liga auf Augenhöhe.

    Beide legten sehr gute Zahlen vor: Unicredit will 2019 mit 4,7 Milliarden Euro Gewinn abschließen, Intesa Sanpaolo vermeldete für die ersten neun Monate des Jahres einen Nettogewinn von 3,3 Milliarden Euro, das beste Neunmonatsergebnis seit 2008. Beide Banken kündigten aber auch Kostenreduzierungen an.

    Unicredit – Mutter der Hypo-Vereinsbank – will bis 2023 rund 8.000 Stellen streichen, erklärte Bankchef Jean-Pierre Mustier im Dezember bei der Präsentation des neuen Strategieplans. Bekannt wurde, dass es am stärksten Italien treffen soll: 6.000 Arbeitsplätze sollen dort abgebaut und 450 Filialen geschlossen werden.

    Schon heute gibt es 14.000 Mitarbeiter weniger als 2016, und 1.000 Filialen wurden seitdem geschlossen. Dadurch sanken die Kosten um 1,7 Milliarden Euro im Jahr. Unicredit ist auch die einzige Bank in Italien, die ab 2020 unter bestimmten Voraussetzungen Negativzinsen von ihren Kunden verlangen will.

    Faule Kredite bleiben ein Problem

    Intesa Sanpaolo – nach Börsenkapitalisierung die größte Bank Italiens mit einem Wert von 40 Milliarden Euro – hat ein anderes Geschäftsmodell. Sie ist die größte Geschäftsbank des Landes für Privatkunden und Unternehmen. 240 Milliarden Euro an Ersparnissen der Italiener liegen auf Intesa-Konten.

    Das Thema Kostenreduzierung treibt die Bank ebenso um. Rund 89.000 Mitarbeiter hat die Bank, der Plan zum Abbau von Stellen läuft. „Wir erwarten, dass Intesa die Reduzierung der operativen Kosten weitertreibt“, meinte das Brokerhaus Banca Akros bei der Vorlage der Quartalszahlen im November.

    Die niedrigen Zinsen und die gesunkenen Risikoaufschläge seien von Vorteil für die hauseigene Vermögensverwaltung, sagte Bankchef Carlo Messina. Seit im September die neue Koalition von sozialdemokratischer PD und der Bewegung Fünf Sterne die Regierung stellt, haben sich die Märkte nach dem Intermezzo der Populisten beruhigt.

    Doch das chronische Problem der Banken bleiben die faulen Kredite in den Büchern, obwohl der Abbau läuft. „Das italienische Bankensystem ist heute weitaus gestärkter als vor einigen Jahren“, sagt Ex-Minister Padoan. „Das sieht man deutlich beim starken Abbau der NPL, der notleidenden Kredite.“

    So befreite sich Unicredit von 50 Milliarden Euro an ausfallgefährdeten Forderungen, zu Jahresbeginn sollen es zehn Milliarden Euro sein. Intesa Sanpaolo hat seine notleidenden Kredite seit Dezember 2017 um rund 20 Milliarden Euro reduziert. „Wir bauen sie schneller ab“, sagt Messina. „Das Tempo ist höher, als es unser Strategieplan 2018 bis 2021 vorsieht, wir haben heute schon 80 Prozent des Ziels erreicht.“

    „Italien ist kein schwaches Land“

    Den Ratingagenturen ist das nicht genug. „Wir meinen, dass die italienischen Banken weiterhin ein größeres Risiko als die meisten anderen Institute in Europa haben, trotz der Verbesserungen in den letzten drei Jahren“, heißt es in einem Bericht von Standard & Poor’s. Von 340 Milliarden Euro im Jahr 2015 sei die Zahl auf 165 Milliarden gesunken (Stand: Juli 2019) so die Ratingagentur.

    Bis Ende 2020 sei damit zu rechnen, dass die notleidenden Kredite unter zehn Prozent der Kundenkredite fielen. Der schnellere Abbau leide jedoch unter dem langsamen Justizsystem in Italien. Insolvenzprozesse und Pfändungen zögen sich hin. Dahinter stecke ein weiteres Problem, so Standard & Poor’s. „Der immer noch große Bestand könnte ein Folgerisiko werden, wenn die Wirtschaft in Italien sich weiter verschlechtert.“ Das hochverschuldete Land leidet unter einem schwachen Wachstum.

    „Wenn die Wirtschaft nicht wieder auf Wachstumskurs kommt, können wir nicht damit rechnen, dass die Banken gedeihen“, meint Notenbank-Gouverneur Ignazio Visco. Die Banken würden wieder Profit machen, deshalb könnten sie die Herausforderungen angehen, vor denen sie stünden.

    „Einige kleine Banken sind heute noch schwach. Wir verfolgen genau, was sie tun, aber das Problem ist, dass unser Krisenmanagement nicht angemessen ist“, so der Chef der Banca d’Italia in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ zum Jahresende. Er fordert europäische Normen. Für Standard & Poor’s kommen zu den Strukturproblemen der Banken die niedrigen Zinsen hinzu, die die Rendite schmälern.

    Was muss kommen in diesem Jahr? „Eine tiefgreifende Weiterentwicklung und dann Aggregationen“, sagt Experte Messori. „Italien ist kein schwaches Land“, erklärt Intesa-Chef Messina. Es habe zwar eine hohe Staatsverschuldung, aber viel privates Vermögen. Und die Mehrzahl der Unternehmen habe eine hohe Liquidität. „Wenn man mit dem Triple-A-Teil Italiens arbeitet, der vergleichbar ist mit den wirtschaftsstärksten Regionen von Deutschland, dann kann das für internationale Investoren sehr interessant sein.“

    Mehr: Die hohen Staatsschulden Italiens nehmen den Bankensektor in Geiselhaft.

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