Bank: Taunus Sparkasse reagiert auf Immobilienkrise
Frankfurt. Die Taunus Sparkasse reagiert auf die Probleme am Immobilienmarkt. Sie erhöhte die Risikovorsorge für drohende Verluste von Immobilienkrediten im vergangenen Jahr kräftig. Das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut legte dafür gut 48 Millionen Euro beiseite, wie es am Donnerstag mitteilte.
Das Geldhaus reagiere auf die sinkenden Immobilienwerte und sorge durch erhebliche Wertberichtigungen vor, sagte Sparkassenchef Oliver Klink.
Klink verwies darauf, dass die Darlehensnachfrage der Kunden 2023 angesichts hoher Unsicherheit, höherer Zinsen und „extrem gestiegener Baukosten“ massiv zurückgegangen sei. Obwohl die tatsächlichen Abschreibungen nur 1,3 Millionen betragen hätten, „haben wir uns entschieden, auf Nummer sicher zu gehen“, sagte er. Klink erwartet, dass die Immobilienkrise womöglich noch länger anhält.
Immobilienkrise trifft auch regionale Geldhäuser
Das Beispiel der Taunus Sparkasse zeigt, dass die Immobilienkrise auch manche regionale Geldhäuser stärker trifft. Das Kreditinstitut aus Bad Homburg, das mit einer Bilanzsumme von 7,4 Milliarden Euro zu den 50 größten Sparkassen zählt, ist bei Projekt- und Gewerbeimmobilien engagiert und muss sich deshalb angesichts der Probleme am Immobilienmarkt mehr wappnen als viele andere Sparkassen, die nur oder weitgehend Wohnimmobilien finanzieren.
Der Büroimmobilienmarkt steckt in einer Krise, weil viele Firmenmitarbeiter im Homeoffice arbeiten und Unternehmen daher weniger Bürofläche brauchen.
Große Banken mit einem umfangreichen Immobiliengeschäft haben 2023 indes ebenfalls teils enorme Rückstellungen für Immobilienrisiken gebildet, allerdings besonders für den US-Gewerbeimmobilienmarkt. Zudem hatten einige Geldhäuser Darlehen an die inzwischen insolvente Signa-Gruppe des Immobilienfinanzierers René Benko vergeben.
Netto betrug die neue Risikovorsorge für das Kreditgeschäft gut 20 Millionen Euro, weil die Taunus Sparkasse für andere Darlehen Rückstellungen auflösen musste. Die operative Ergebnisstärke und die vorhandenen Rücklagen würden mehr als ausreichen, um auch eine Verschärfung der Immobilienkrise auszuhalten, erklärte die Sparkasse.
Zwei Kommunen erhalten Geld
So profitierte auch die Taunus Sparkasse von den gestiegenen Zinsen. Der Gewinn nach Steuern sank jedoch auf 51 Millionen Euro, gut sieben Millionen weniger als im Vorjahr. 2022 war das Ergebnis jedoch durch einen Sondereffekt getrieben, die Sparkasse hatte eine Büroimmobilie für 31 Millionen Euro verkauft.
Zum ersten Mal überhaupt schüttet die Taunus Sparkasse Geld an ihre Träger, den Main-Taunus-Kreis und den Hochtaunuskreis, aus – zumindest einen kleinen Betrag. Es geht lediglich um zwei Millionen Euro. Nur ein Teil der 350 deutschen Sparkassen reicht eine Ausschüttung an ihre Träger und somit quasi Eigentümer weiter. Während manche der öffentlich-rechtlichen Geldhäuser traditionell Jahr für Jahr ausschütten, tun das die meisten Sparkassen nicht oder nie.
Erstpulikation: 12.07.2024, 09:14 Uhr.