Bundesbank-Projekt „Tiber“: „Wir greifen auf drei Wegen an“: So lassen sich deutsche Banken fast immer hacken
Die Zahl der Cyberattacken hat sich in der letzten Dekade verdreifacht, schätzt der Internationale Währungsfonds. Der Finanzsektor zählt dabei zu den am meisten attackierten Branchen.
Foto: dpaFrankfurt. Pierre-Alain Mouy sitzt mit zwei Hacker-Kollegen im Besprechungsraum des Vorstands eines Versicherungskonzerns. Mit ihren Rechnern sind sie gerade ins Netzwerk des Unternehmens eingedrungen, als plötzlich die Tür aufgeht und ein Geschäftsführer vor ihnen steht. „Wer seid ihr denn?“, fragt er die Eindringlinge. „Kommt ihr von SAP?“ Als Mouy das bejaht, ist der Manager zufrieden. Er wünscht den Hackern noch viel Erfolg – und verschwindet wieder.
Mouy ist Geschäftsführer der IT-Sicherheitsfirma Nviso in Frankfurt. Finanzfirmen, Industriekonzerne und auch staatliche Stellen können sich von ihm attackieren lassen, um Schwachstellen in der eigenen Organisation zu erkennen und zu beheben. Der 40-jährige Franzose macht dabei immer wieder die Erfahrung, dass Firmen nicht nur wegen schwacher IT-Systeme anfällig sind für Cyberattacken, sondern auch wegen mangelhafter Zugangskontrollen zu ihren Geschäftsräumen.
Mouy kann sich derzeit vor Aufträgen kaum retten, denn im Finanzsektor ist die Angst vor Hackerattacken so groß wie nie zuvor. In der Coronapandemie wurde vielen Unternehmen vor Augen geführt, wie alt ihre IT ist – und wie verwundbar. Außerdem gilt schon länger: Die Angriffe werden immer professioneller, der potenzielle Schaden immer größer. Insgesamt hat sich die Zahl der Cyberattacken in der letzten Dekade verdreifacht, schätzt der Internationale Währungsfonds. Der Finanzsektor zählt dabei zu den am häufigsten attackierten Branchen.