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Comdirect-Chef Arno Walter im Interview „Die Konkurrenz ist nur wenige Klicks entfernt“

Onlinebanken bauen ihr Angebot aus. Comdirect-Chef Arno Walter beschreibt den Wandel der Branche, unterschiedliche Geschäftsmodelle und neue Angebote.
08.12.2019 - 08:29 Uhr
Der Manager führt die Onlinetochter der Commerzbank.
Comdirect-Chef Arno Walter

Der Manager führt die Onlinetochter der Commerzbank.

Frankfurt Onlinebanken wie ING, Comdirect und DKB wachsen seit Jahren rasant. Und das wird nach Einschätzung von Comdirect-Chef Arno Walter auch so weitergehen.

„Direktbanken sind heute etwas für jedermann – und nicht mehr nur für jüngere, technikaffine Menschen“, sagt Walter im Handelsblatt-Interview. „Wir sind raus aus der Nische.“ Ein Beleg dafür ist wohl auch der Plan der Commerzbank, die Comdirect vollständig zu übernehmen und in den Konzern zu integrieren.

Im Interview spricht Walter über neue Angebote, die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der deutschen Direktbanken und neue Konkurrenten aus dem Fintech-Sektor.

Herr Walter, viele Direktbanken haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Warum?
Arno Walter: Ich würde von drei Wellen bei der Entwicklung von Direktbanken sprechen. In den Neunziger- und Nullerjahren waren Direktbanken Spezialanbieter für eine relativ kleine Zielgruppe. In der zweiten Welle, in den letzten fünf bis zehn Jahren, haben Direktbanken ihr Angebot langsam ausgeweitet. Sie wurden zu Hausbanken für selbstbestimmte Kunden, die es gewöhnt sind, sich eigenständig um ihre Finanzthemen zu kümmern.

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    Und die dritte Welle?
    Die dritte Welle beginnt gerade. Durch die Digitalisierung sind Direktbanken in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Menschen haben ihr Smartphone heute im Schnitt bis zu 200 Mal am Tag in der Hand. Schätzungsweise 80 Prozent der Bevölkerung finden es völlig normal, über den PC oder das Handy Bankgeschäfte abzuwickeln. Direktbanken sind heute etwas für jedermann – und nicht mehr nur für jüngere, technikaffine Menschen. Wir sind raus aus der Nische.

    Wie reagieren die Direktbanken darauf?
    Die Zahl der potenziellen Kunden, die reif sind für ein Direktbanken-Angebot, ist deutlich gestiegen. Deswegen adressieren Direktbanken heute nicht mehr nur einen kleinen Markt, sondern alle Kundengruppen – und bauen ihr Angebot sukzessive aus. Wir bieten unseren Kunden zum Beispiel ganz neu auch Versicherungen über die Comdirect Versicherungsmakler AG an.

    Geht es nicht vor allem darum, durch die zusätzlichen Angebote mit den bestehenden Kunden mehr zu verdienen und so den Null- und Negativzinsen zu trotzen?
    Natürlich wollen wir den Kunden einen besseren Service bieten und damit am Ende auch mehr mit ihnen verdienen. Ein entscheidender Punkt ist jedoch auch, dass die Zufriedenheit unserer Kunden hoch bleibt und dass diese nicht zu einem Wettbewerber wechseln. Denn die Konkurrenz ist heute nur wenige Klicks entfernt. Die Zeiten, in denen Kontowechsel in Deutschland ein Tabu waren, sind lange vorbei. Auch sonst hat sich das Kundenverhalten stark verändert.

    Inwiefern?
    Früher haben gerade digitalaffine Kunden Dienstleistungen über verschiedene Spezialisten bezogen. Sie haben ihre Wertpapiergeschäfte beispielsweise über Comdirect gemacht, Immobilienkredite über Interhyp und den Bausparvertrag über eine Filialbank. Heute wollen viele Kunden auch diese Angebote digital. Auch Filialbankkunden werden immer digitaler und wickeln mehr Bankgeschäfte über den PC oder ihr Smartphone ab. Deshalb müssen klassische Hausbanken immer mehr Online-Angebote bieten.

    Was die Profitabilität angeht, ist die ING mit einem Vorsteuergewinn von mehr als einer Milliarde Euro die klare Nummer 1 unter den Direktbanken in Deutschland. Was können die DKB, Consors und Sie von der ING lernen?
    Es handelt sich zwar bei allen vier Instituten um Direktbanken, aber die Geschäftsmodelle unterscheiden sich zum Teil sehr deutlich. Die ING ist führend beim Thema Baufinanzierung. Das Plattformgeschäft über Interhyp hat sie frühzeitig gestartet und exzellent aufgesetzt. Darüber hinaus ist die ING auch im Firmenkundengeschäft stark. Aus beiden Sparten kommen sehr große Ergebnisbeiträge, das Wertpapiergeschäft scheint da eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Auch die DKB ist im Firmenkundengeschäft sehr stark.

    Warum ist die Comdirect in dem Bereich nicht aktiv?
    Wir haben uns mit dem Thema schon mehrfach beschäftigt. Selbstständige und Gewerbetreibenden, die privat bei uns ein Konto haben, fragen uns regelmäßig, ob wir nicht auch ein Firmenkundenkonto anbieten können. Perspektivisch ist das sicherlich eine Überlegung wert. Aber bisher haben wir uns dafür entschieden, unsere Ressourcen auf den Ausbau des Geschäfts mit Privatkunden zu konzentrieren.

    Während Comdirect, ING & Co. ihr Angebot ausweiten, sind neue Nischenanbieter wie Scalable Capital, Auxmoney und Weltsparen entstanden, die sich im Wesentlichen auf ein Kernprodukt konzentrieren. Wie passt das zusammen?
    Durch die Digitalisierung sind die Eintrittsbarrieren für neue Wettbewerber gesunken. Deshalb gibt es immer mehr Nischenanbieter. Man sieht jedoch auch, dass es ein sportliches Unterfangen ist, ohne Kundenbasis mit einem Produkt auf Dauer erfolgreich zu sein. Deshalb findet unter den Fintechs eine Konsolidierung statt. Die Geldgeber konzentrieren sich stärker auf wenige, größere Anbieter.

    Herr Walter, vielen Dank für das Interview.

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