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Digitale Bank Fintech Solarisbank wächst kräftig und strebt Kapitalerhöhung an

Die digitale Bank hat ihre Erträge verdoppelt und möchte neues Kapital aufnehmen. Das Ziel, ab 2020 Gewinne zu schreiben, hat das Start-up verworfen.
19.02.2020 - 14:23 Uhr Kommentieren
Solarisbank: Fintech gewinnt Mineralölkonzern BP als Kunden Quelle: Bloomberg
Roland Folz

Der CEO der Solarisbank spricht auf einer Konferenz in Berlin im vergangenen Juni.

(Foto: Bloomberg)

Berlin Die Solarisbank ist weiter auf Wachstumskurs. Das Fintech steigerte 2019 seine Zins- und Provisionserträge von gut sieben Millionen Euro auf mehr als 15 Millionen Euro. Jetzt kündigt der Finanz-Geschäftsführer Thom Rasser gegenüber dem Handelsblatt an: „Auch im laufenden Jahr streben wir rund eine Verdoppelung an.“

Allerdings stehen den ambitionierten Plänen des Berliner Unternehmens derzeit hohe Verluste gegenüber, die im vergangenen Jahr um zwei Millionen auf rund 20 Millionen Euro gestiegen sind. Im Zuge dessen ließ das Unternehmen auch das im vergangenen Jahr postulierte Ziel fallen, 2020 die Gewinnschwelle zu erreichen. „Wir wollen das jetzt mittelfristig erreichen, also innerhalb von zwei, drei Jahren“, sagt Rasser.

Das 2016 von dem Berliner Company-Builder Finleap gegründete Start-up gehört zu den etablierten Unternehmen in der deutschen Fintech-Szene und hat eine Vollbanklizenz. Allerdings ist es in der breiten Öffentlichkeit nicht so bekannt wie beispielsweise die Smartphone-Bank N26, das Zinsportal Weltsparen (Raisin) oder der digitale Vermögensverwalter Scalable Capital.

Schwerpunktmäßig ist die Solarisbank auf das B2B-Geschäft ausgerichtet. Im Kern hilft sie also Unternehmen, Bankdienstleistungen zu erbringen oder ist Kooperationspartner von Finanzinstituten, die in Deutschland keine Banklizenz haben. Doch sie vermittelt auch Ratenkredite an Privatkunden.

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    Die Verschiebung des Gewinnziels begründete Rassen, der zuvor Chef des deutschen Ablegers der niederländischen NIBC Bank war, mit weiteren jährlichen Investitionen im zweistelligen Millionenbereich. „Wir schaffen damit die Grundlagen für weiteres Wachstum, was für uns derzeit Priorität hat“, sagt der gebürtige Niederländer.

    Das Unternehmen wächst schnell, doch die Verluste seit Gründung addieren sich bereits auf 63 Millionen Euro. Friederike Stradtmann, Expertin für Fintechs und digitale Geschäftsmodelle bei der Beratungsgesellschaft Accenture, verwundert die Entwicklung nicht. „Die wenigsten Fintechs kommen in den ersten Jahren in die schwarzen Zahlen.“

    In der Anfangsphase von Fintechs seien immer Investitionen ins Wachstum notwendig, vom Marketing bis zur Informationstechnologie (IT), erklärt die Beraterin – dies gehe auch zulasten der Erträge. Aber ein „verspäteter Break-even muss nicht grundsätzlich negativ sein, wenn man die Ursachen dafür kennt und mit entsprechenden Maßnahmen gegensteuern kann.“

    Neue Kapitalrunde geplant

    Bei der Solarisbank schrumpft mit den Verlusten aus dem vergangenen Jahr die Kapitalbasis von gut 52 Millionen Euro auf 32 Millionen Euro. „Wir verfügen immer noch über eine sehr solide Kernkapitalquote. Aber bei unserem Wachstum und den Investitionsmöglichkeiten ist es keine Überraschung, dass wir dieses Jahr in puncto Kapitalaufnahme etwas unternehmen wollen“, sagt Rasser.

    In den vergangenen Kapitalrunden sammelte die Solarisbank rund 100 Millionen Euro ein, allein 57 Millionen Euro in der dritten Runde, der bislang letzten, im Frühjahr 2018. Mittlerweile gehören so illustre Namen wie ABN Amro, Arvato, BBVA, Lakestar, SBI, Visa, Yabeo und Finleap zu den Investoren. An strategischen Investoren herrscht damit kein Mangel, was ein Indiz dafür sein könnte, dass die Solarisbank bei der Kapitalaufnahme stärker auf Fonds setzt, die Wachstum finanzieren.

    Zur möglichen Höhe der nun geplanten Kapitalzufuhr machte das Unternehmen keine Aussagen. Aber ein dreistelliger Millionenbetrag wäre keine große Überraschung. Bei der vergangenen Kapitalerhöhung wurde die Solarisbank mit rund 200 Millionen Euro bewertet.

    Auch nach der nächsten Runde wäre das Institut wohl noch ein Stück davon entfernt, ein Einhorn zu werden, also ein Unternehmen mit einer Bewertung von rund einer Milliarde Euro. „Dieses Thema steht für uns nicht im Vordergrund. Wir fokussieren uns auf unser weiteres Wachstum und die Zufriedenheit unserer Partner“, gibt sich Rasser diplomatisch.

    Die Investitionen, die die Solarisbank tätigt, fließen derzeit in die IT und neue Produkte. „Wir entwickeln beispielsweise unsere Plattform kontinuierlich weiter, um eine immer höhere Anzahl von Konten oder Transaktionen mit immer höherer Performance abwickeln zu können“, sagt Rasser.

    Bezüglich der Höhe der Investitionen sei es ein großer Unterschied, „ob wir uns im Bereich von sechsstelligen oder siebenstelligen Kontozahlen bewegen“, verdeutlicht Rasser. Das sind sozusagen Vorleistungen für die Kooperation mit mehreren großen Partnern aus dem nichteuropäischen Ausland, die in diesem Jahr starten sollen und von der sich die Solarisbank sehr viel verspricht.

    Bei einer der Kooperationen wird die entscheidende Dienstleistung aus einer sogenannten Splitpay-Lösung bestehen. „Das ist ein modulares Kreditprodukt, das sich Partner je nach Bedarf in ihre Bezahlprozesse, wie zum Beispiel zur Ratenzahlung, integrieren können“, sagt Rasser.

    Die Strategie der Solarisbank ist darauf ausgerichtet, mit ihren Partnern zu wachsen. Von der erfolgreichen Entwicklung beispielsweise bei der Smartphone-Bank Tomorrow, dem Kryptospezialisten Bitwala und den Onlinebanken für Geschäftskunden, Penta oder Kontist, profitiert auch die Bank. Die neuen Kooperationspartner könnten die Zahl der Solarisbank-Kunden deutlich steigern.

    Der Erfolg lässt sich nicht nur an den Erträgen ablesen, sondern auch an der Zahl der Mitarbeiter. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 300 Mitarbeiter, die aus 50 Nationen kommen. Um weitere 25 Prozent soll sich die Zahl der Beschäftigten im laufenden Jahr erhöhen. Das sei kein Selbstläufer, räumt Rasser ein. „Der Wettbewerb um Talente ist hart, auch in Berlin“ Allerdings sei die Attraktivität der Hauptstadt ein Pfund, mit dem man international wuchern könne.

    Ein paar Hürden bleiben indes noch: Auch wenn sich die Solarisbank in vielen Aspekten vom Geschäftsmodell anderer Banken unterscheidet, ärgert sich das Institut wie andere Geldhäuser auch über die von der Europäischen Zentralbank (EZB) verhängten Negativzinsen. Da liquide Mittel von derzeit 200 Millionen Euro bei der EZB geparkt sind, werden Negativzinsen fällig.

    Und dass es mit dem EU-Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen noch nicht weit gediehen ist, hat das Fintech auch schon erfahren. „Die Verfahren für die Identifizierung von Kunden sind in der EU nicht harmonisiert“, bemerkt Rasser. Der sogenannte Know-your-customer- oder KYC-Prozess ist elementar wichtig für Banken, um die Gefahr von Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche im Keim zu ersticken. „In Deutschland werden andere Ansprüche an Banken und Kunden gestellt als in anderen EU-Staaten. Das ist doch Gift für einen EU-Binnenmarkt“, kritisiert der Finanzchef.

    Mehr: Der Softbank Vision Fund legt möglicherweise einen weiteren Hedgefonds auf.

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