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EnergieBanken finanzieren wieder mehr Kohle-Unternehmen

Nach einem Rückgang im Vorjahr ist das Kreditvolumen weltweit zuletzt wieder gestiegen. Die Deutsche Bank und die Commerzbank stechen hervor.Yasmin Osman 08.07.2025 - 13:26 Uhr Artikel anhören
Kohlebagger im Tagebau Hambach: Einige große Banken haben ihr Kohleengagement zwar zurückgefahren, doch insgesamt ist das Darlehensvolumen zuletzt wieder gestiegen. Foto: imago images/Jannis Große

Frankfurt. Internationale Geschäftsbanken haben ihr Finanzierungsvolumen für Unternehmen aus der Kohlebranche im vergangenen Jahr wieder erhöht. Zu diesem Schluss kommt die Studie „Still Banking on Coal“ der Umweltorganisation Urgewald. Nur 24 von 99 Banken haben laut Urgewald überhaupt Pläne, aus der Kohlefinanzierung auszusteigen.

Zwar sei die jährliche Kohlefinanzierung von 2022 auf 2023 von 132 Milliarden US-Dollar auf 123 Milliarden US-Dollar gesunken. „Im vergangenen Jahr stieg sie jedoch wieder auf 130 Milliarden US-Dollar an“, sagt Katrin Ganswindt, Leiterin der Urgewald-Finanzrecherche.

In Deutschland sieht es ähnlich aus:

  • Von 2022 bis 2023 schrumpfte das Finanzierungsvolumen von 2,5 Milliarden US-Dollar auf 1,7 Milliarden US-Dollar.
  • Im vergangenen Jahr stieg das Finanzvolumen dann auf 1,8 Milliarden US-Dollar.

Urgewald sowie 23 weitere internationale Nichtregierungsorganisationen veröffentlichen den Bericht „Still Banking on Coal“ jährlich. Die Zahlen dafür stammen aus einem Datensatz der Nichtregierungsorganisationen, die jährlich den Bericht „Banking on Climate Chaos“ verfassen.

Untersucht werden die Finanzströme von 650 Geschäftsbanken an Kohleunternehmen seit dem internationalen Klimagipfel 2021 in Glasgow, der einen Kohleausstieg bis 2040 beschloss. Berücksichtigt werden bei den Finanzströmen nicht nur Bankkredite, sondern auch am Kapitalmarkt platzierte Anleihen. Bei platzierten Anleihen finanzieren Banken ein Unternehmen nicht direkt, helfen ihm aber, Geldgeber zu finden.

Der Umgang mit Kohlefirmen ist innerhalb der Bankenbranche nicht einheitlich: Banken wie die Schweizer UBS, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) oder die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) haben ihr Engagement in diesem Zeitraum kräftig geschrumpft.

Doch insbesondere die Deutsche Bank und die Commerzbank haben diese Rückgänge mehr als kompensiert: Bei der Deutschen Bank hat sich das jährliche Finanzierungsvolumen von 393 Millionen US-Dollar im Jahr 2022 auf 987 Millionen Euro im Jahr 2024 fast verdreifacht. Bei der Commerzbank stieg es von 213 Millionen Euro auf 417 Millionen Euro.

Insbesondere die Deutsche Bank spielt mit ihrem stärkeren Engagement auch europaweit eine zentrale Rolle. Sie hat sich an der französischen Großbank BNP Paribas und der Schweizer UBS auf Rang zwei vorgearbeitet. Spitzenreiter ist die britische Barclays.

Laxere Schwellenwerte bei Deutscher Bank

Die Deutsche Bank ging auf den von Urgewald verwendeten Datensatz nicht konkret ein. Ein Sprecher betonte aber, die Bank habe die von ihnen finanzierten CO2-Emissionen im Kohlebergbausektor zwischen 2021 und 2024 um 42 Prozent gesenkt. Allerdings berücksichtigt die Deutsche Bank bei ihren Kalkulationen ausschließlich direkte Darlehen an Kohlefirmen, nicht aber die indirekte Unterstützung durch Kapitalmarktplatzierungen.

Urgewald führt die Entwicklung bei der Deutschen Bank auf die Kohle-Richtlinie des Instituts zurück. „Das Problem bei der Deutschen Bank ist: Ihre Richtlinien bei Projektfinanzierungen sind streng, aber bei allgemeinen Krediten für Unternehmen sieht es anders aus“, sagte Philipp Noack, der bei Urgewald für den deutschen Bankenmarkt zuständig ist.

In der Richtlinie gebe es keine Ausschlusskriterien für fossile Expansion, und es genüge, wenn Firmenkunden des Instituts bis Ende dieses Jahres Exitstrategien vorlegen würden. „Das bedeutet, im Moment können auch Unternehmen ohne jegliche Klimaambition durch die Deutsche Bank finanziert werden.“

Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank großzügigere Schwellenwerte für Kohlefirmen festgelegt hat als zum Beispiel die UBS. Während die UBS Unternehmen ausschließt, die mehr als 20 Prozent ihres Umsatzes aus dem Kohlebergbau oder der Kohlestromerzeugung erzielen, erlaubt die Deutsche Bank bislang einen Umsatzanteil von über 50 Prozent. Erst in diesem Jahr muss dieser Anteil unter 50 Prozent sinken.

Die Commerzbank, die ihren Kohleanteil fast verdoppelte, wollte die Studienergebnisse ebenfalls nicht kommentieren. Eine Sprecherin sagte jedoch, die Bank wolle „innovative Lösungen fördern und unsere Kunden in ihrer Transformation begleiten, anstatt komplette Branchen kategorisch auszuschließen“.

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Die Richtlinie der Bank spiegele nicht nur geschäftliche Entscheidungen, sondern auch politische Entwicklungen wie den geplanten Kohleausstieg Deutschlands wider. Zugleich berücksichtige sie den Bedarf einer gesicherten Energieversorgung.

Erstpublikation: 08.07.2025, 06:11 Uhr.

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