Finanz-Start-up: Fintech Revolut sammelt 250 Millionen Dollar ein
Der Mitgründer von Revolut steckt sich hohe Ziele.
Foto: RevolutFrankfurt. Das britische Finanz-Start-up Revolut hat in seiner dritten Finanzierungsrunde 250 Millionen Dollar eingesammelt. Dies bestätigte das Unternehmen dem Handelsblatt. Insgesamt hat es nun 340 Millionen Dollar erhalten und wird nach eigenen Angaben jetzt mit 1,7 Milliarden Dollar bewertet.
Damit ist es in die Riege der sogenannten Einhörner aufgestiegen – jener Privatunternehmen, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind. Revolut wurde 2015 in London gegründet und ist seit 2017 in Deutschland aktiv. Mit seiner Smartphone-App zielte es zunächst nur auf Kunden, die über Länder- und Währungsgrenzen hinweg Geld transferieren wollen.
Mithilfe von Kooperationspartnern wurden die Leistungen inzwischen erweitert. Noch verfügt Revolut nur über eine Lizenz als E-Geld-Institut, doch die Bewerbung um eine europäische Banklizenz läuft.
Mit dem neuen Geld will die Firma weiter expandieren – in die USA, nach Kanada, Singapur, Hongkong und Australien. Sein Fünfjahresziel für die Kundenzahl hat Revolut-Mitgründer und Geschäftsführer Nikolay Storonsky eben verdoppelt. Schon die bisher anvisierten 50 Millionen Kunden erschienen ambitioniert, jetzt zielt er auf 100 Millionen. Davon ist er derzeit noch sehr weit entfernt – aktuell sind es 1,7 Millionen. Allerdings hat sich das Wachstum nach Angaben des Unternehmens stark beschleunigt.
Vor einem halben Jahr sollen täglich bis zu 3500 Neukunden hinzugekommen sein, aktuell sollen es bis zu 8000 sein. Ob sich diese Steigerungen fortsetzen lassen, bleibt abzuwarten.
Im Gegensatz zur Mehrheit der Fintech-Firmen verstehen sich Smartphone-Banken nicht als Kooperationspartner für etablierte Geldhäuser, sondern als Angreifer. „Seit unserem Start wollten wir alles komplett anders machen als traditionelle Banken“, sagt Storonsky.
Mithilfe moderner Technologie wolle er Kunden die Kontrolle über ihre Finanzen zurückgeben. Bei Investoren kommen solche Strategien gut an. In Großbritannien sammelte Anfang März auch der Wettbewerber Atom Bank rund 206 Millionen Dollar ein, im November erhielt die Gesellschaft Monzo rund 100 Millionen Dollar und das Unternehmen Transferwise 280 Millionen Dollar. Auch die Berliner Smartphone-Bank N26 erhielt vor einem Monat 160 Millionen Dollar.
Die Investitionsrunde von Revolut wurde von dem Risikokapitalgeber DST Global mit Sitz in Hongkong angeführt. Auch frühere Geldgeber wie Index Ventures und Ribbit Capital sollen sich erneut beteiligt haben.
In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie zur Zukunft der Banken hat sich auch das Analysehaus Moody’s dem Sektor gewidmet. Anbieter wie Revolut und N26 würden vor allem bei jungen digital‧affinen Kunden schnell an Bedeutung gewinnen. Für die traditionellen Banken komme es darauf an, mit den veränderten Kundenwünschen Schritt zu halten.