Finanzstabilität: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich untersucht Probleme am Repo-Markt
Beiträge in Milliardenhöhe musste die amerikanische Zentralbank auf den Markt pumpen.
Foto: dpaZürich. Der Repo-Markt ist ein Bereich der Finanzwelt, von dem selbst manche Banker nicht genau wissen wollen, wie er funktioniert. Dort verkaufen Banken und andere Marktteilnehmer Staatspapiere über Nacht und kaufen sie am nächsten Tag zurück. Damit besorgen sie sich Kurzfristkredite, deren Zins über einen entsprechend höheren Rückkaufpreis abgegolten wird.
Im Englischen spricht man wegen der Undurchsichtigkeit des Markts mitunter vom „Financial Plumbing“ – also vom Rohrwerk des Finanzsystems. Es gilt dasselbe wie für den Badewannenabfluss: Solange alles läuft, will man lieber keine Details wissen.
Doch Ende September kam es am Repo-Markt plötzlich zu einer rätselhaften Verstopfung. Die amerikanische Zentralbank musste seitdem wiederholt mit Milliarden einspringen, um für Liquidität auf dem Markt zu sorgen.
Notenbanker und Finanzaufseher verfolgen die Turbulenzen mit Sorge. Jetzt rufen die Verwerfungen auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel auf den Plan. Ihre Experten vermuten einen strukturellen Wandel am Repo-Markt als Ursache für den Liquiditätsengpass. Ausgerechnet die Notenbanken dürften demnach dazu beigetragen haben, dass der Markt im Euro-Raum heute stärker zersplittert ist als früher.
Die Ökonomen der BIZ haben für ihren jüngsten Quartalsbericht nun den Repo-Markt im Euro-Raum unter die Lupe genommen. Ein Fazit: Den Investoren geht es gar nicht so sehr um die Kredite, sondern um die Sicherheiten. „Durch die großvolumigen Anleihekäufe der EZB wird der hiesige Repo-Markt gar nicht mehr so sehr vom Refinanzierungsbedarf bestimmt, sondern durch die Nachfrage nach den zugrunde liegenden Wertpapieren“, sagt BIZ-Chefökonom Claudio Borio. Die Geldpolitik der Notenbanken hat für den Repo-Markt also offenbar größere Konsequenzen, als bislang angenommen wurde.
Laut der BIZ ist der europäische Repo-Markt dadurch heute kleinteiliger als in der Vergangenheit: Einzelne Banken spezialisieren sich auf bestimmte Arten von Repo-Sicherheiten. Das könne Konsequenzen für Liquidität und Preisbildung haben, heißt es im Quartalsbericht.
Funktionierender Markt
Ein Grund zur Panik ist das aber wohl noch nicht. „Trotz der Segmentierung zeigt sich, dass der Markt auch in Stressperioden funktioniert“, schreiben die Ökonomen. „Die Transaktionskosten bleiben niedrig, und die Preise passen sich nahtlos veränderten Fundamentalwerten an.“
Doch die jüngsten Probleme haben die Notenbanker mit ihrer außergewöhnlichen Geldpolitik womöglich unfreiwillig mitverursacht. Die BIZ-Experten verweisen auf einen jüngst veröffentlichten Bericht des Märkteausschusses der US-Notenbank Fed. „Da sich Banken an einen längeren Zeitraum reichlich vorhandener Überschussreserven gewöhnen, könnte deren Abzug zu unvorhersehbaren und plötzlichen Marktanpassungen führen“, heißt es da. „Es ist so, als sei ein Muskel verkümmert.“
Über die genauen Gründe für die Marktturbulenzen rätseln aber auch die BIZ-Experten noch. Die Probleme seien nur ein Beispiel für eine insgesamt brisante Lage an den Finanzmärkten. Chefökonom Borio spricht von relativ hohen Bewertungen von Vermögenswerten, einer hohen Risikobereitschaft der Investoren und schwer zu deutenden Veränderungen im Finanzsystem. „Dieser Mix lässt bestimmte Schwächen an den Finanzmärkten vermuten, denen sowohl Marktteilnehmer als auch Zentralbanken große Aufmerksamkeit schenken sollten.“