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FrankreichBNP überrascht nach Neuwahl-Kursverlusten mit Milliardengewinn

Analysten hatten die Sorge, dass sich Frankreichs politische Krise bei den Banken widerspiegelt. Nun meldet Europas größte Bank blendende Geschäfte – und steht damit nicht allein.Gregor Waschinski, Hannah Krolle 24.07.2024 - 15:46 Uhr aktualisiert
BNP Paribas: Die Großbank bekräftigte die Ziele für das Gesamtjahr. Foto: REUTERS

Paris, Frankfurt. BNP Paribas hat nur wenige Wochen nach dem Neuwahl-Schock für Frankreichs Finanzbranche einen Milliardengewinn im zweiten Quartal vermeldet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Nettogewinn um 21 Prozent  auf 3,4 Milliarden Euro, wie das nach Börsenwert größte Geldinstitut der EU am Mittwoch mitteilte. Zu dem Ergebnis trug vor allem das Investmentbanking bei.

BNP-Chef Jean-Laurent Bonnafé erklärte, die Großbank habe ein „sehr gutes zweites Quartal“ abgeliefert. Die Geschäftsentwicklung zeige die Stärke ihres diversifizierten und integrierten Geschäftsmodells. Bonnafé bekräftigte die Ziele für das Gesamtjahr: Die Bank erwarte ein Ertragswachstum von mehr als zwei Prozent im Vergleich zu 2023 und einen Konzerngewinn von mehr als 11,2 Milliarden Euro.

„Solide Ergebnisse für das zweite Quartal“

Der Erwartung schließt sich Morningstar-Analyst Johann Scholtz an. Die Bank sei auf dem besten Weg, ihre Prognose eines Reingewinns über den für 2023 verbuchten elf Milliarden Euro zu erreichen. BNP meldet ihm zufolge „solide Ergebnisse für das zweite Quartal“, die etwas über den Erwartungen lagen.

Emmanuel Macron hatte überraschend Neuwahlen der französischen Parlamentskammer angekündigt. Foto: dpa

BNP Paribas hat als erste der drei großen französischen Banken ihre Quartalszahlen vorgelegt. Am 1. August folgen Société Générale und Crédit Agricole – und auch bei ihnen zeigen sich Analysten inzwischen optimistisch. Vor wenigen Wochen waren die Aktienkurse der drei Geldinstitute noch an der Börse stark gefallen: Präsident Emmanuel Macron hatte überraschend die Nationalversammlung aufgelöst und Neuwahlen angeordnet.

Der Pariser Aktienindex CAC-40 brach ein, französische Banken traf es besonders hart: Ihr Börsenwert nahm binnen weniger Tage um Milliarden Euro ab. BNP Paribas wurde zwischenzeitlich von der spanischen Santander-Bank als das wertvollste Geldinstitut der EU entthront. Haben die Anleger damals überreagiert?

Ich wäre nicht überrascht, wenn BNP von der erhöhten Volatilität im Markt profitieren könnte.
Johann Scholtz
Morningstar-Analyst

Jedenfalls kann sich Scholtz, Experte für europäische Banken bei Morningstar, sogar einen positiven Effekt der Turbulenzen in Frankreich auf das Investmentbanking von BNP vorstellen. „Ich wäre nicht überrascht, wenn der Wertpapierhandel von der erhöhten Volatilität im Markt nach den französischen Wahlen profitieren könnte“, sagte er. Die Kunden würden ihre Risiken abzusichern versuchen, was zu einem höheren Handelsvolumen führe.

Scholtz hält nach dem Kurssturz im Juni insbesondere die Aktie von BNP Paribas in Frankreichs Bankensektor für unterbewertet. Das Finanzinstitut sei zwar nicht so profitabel wie einige Konkurrenten, habe in der Vergangenheit aber eine „beachtenswerte Stabilität“ bei seinen Ergebnissen gezeigt. BNP habe ihr Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren weiter diversifiziert und sei auch weniger abhängig vom Heimatmarkt als die großen französischen Rivalen. Das Frankreich-Geschäft trug bei BNP demnach 2023 nur rund 25 Prozent zum Umsatz bei, vergleichen mit 40 Prozent bei Société Générale und 46 Prozent bei Crédit Agricole.

Entsprechend wenig belastet die schlechtere Entwicklung im Privatkundengeschäft in Frankreich: Die Nettozinseinnahmen sanken um elf Prozent. Das liegt auch an einem strukturellen Nachteil, mit dem alle französischen Geldhäuser umgehen müssen. In Frankreich sind die Kreditzinsen im Privatkundengeschäft vergleichsweise streng reguliert. Staatliche Vorgaben führen dazu, dass die Finanzinstitute weniger Gewinn aus den von der Europäischen Zentralbank (EZB) eingeleiteten Leitzinsanhebungen schlagen konnten.

Der Rückgang der Netto-Zinseinnahmen im Privatkundengeschäft wurde insbesondere durch kräftige Einnahmen der Investment-Sparte mehr als ausgeglichen. Insgesamt baute BNP die Erträge von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf 12,3 Milliarden Euro aus.

12,3
Milliarden Euro
Umsatz von BNP Paribas im zweiten Quartal 2024

Bonnafé hatte die Investmentbanking-Sparte des Finanzkonzerns zum wichtigsten Wachstumstreiber gemacht. Die Erträge in der Sparte stiegen im zweiten Quartal um zwölf Prozent auf 4,48 Milliarden Euro. Die Einnahmen im Aktienhandel – bei BNP Paribas der Bereich Equity & Prime Services – verbesserten sich um 58 Prozent.

Macron schockierte den Finanzsektor mit Neuwahlen

Vorerst vergessen ist die noch vor einem Monat herrschende Angst der Anleger vor absoluten Mehrheiten für die Rechtsaußen-Partei Rassemblement National oder die an den linken Rand reichende Nationale Volksfront nach den Neuwahlen. Ihre ursprüngliche Sorge: Sollte eines dieser beiden Lager gewinnen, würden Risikoaufschläge auf französische Staatsanleihen deutlich ansteigen. Das hätte nicht nur die Staatsfinanzen in Paris weiter belastet, sondern auch die Banken, in deren Portfolios Frankreich-Anleihen im Milliardenhöhe liegen.

Die politische Lage bleibt allerdings instabil, eine Regierungsallianz ist in der in drei Lager zersplitterten Nationalversammlung derzeit nicht in Sicht. Es könnte noch Wochen oder gar Monate dauern, ehe Macron einen neuen Premierminister ernennen kann. Aktuell führt der bisherige Amtsinhaber Gabriel Attal die Geschäfte vorerst weiter.

„Eine andauernde Blockade und ein in der Folge stockendes Wachstum könnte eine schwierigere Phase für die Großbanken einleiten – selbst wenn sie solide Fundamentaldaten aufweisen“, sagte Nicolas Hardy von der Ratingagentur Scope. Morningstar-Analyst Scholtz rechnete damit, dass in der aktuellen Situation die „Sorgen der französischen Banken rund um die höheren Risikoaufschläge und die Auswirkung auf ihre Finanzierungskosten bestehen bleiben“.

Politisches Risiko inzwischen überschaubar

Analysten der UBS weisen darauf hin, dass das von französischen Staatsanleihen ausgehende Risiko bei allen drei Großbanken des Landes eigentlich gering sei. Das Engagement von BNP Paribas in diesem Bereich beträgt demnach etwa 13 Milliarden Euro – verglichen mit einer Bilanzsumme von knapp 2,6 Billionen Euro. Crédit Agricole sei in vergleichbarer Höhe engagiert.

Société Générale habe noch keine aktuellen Zahlen zu französischen Anleihen im Portfolio bekannt gegeben. „Wir erwarten aber nicht, dass es hier fundamental anders aussieht“, so die UBS-Analysten, die neben der BNP auch Société Générale und Crédit Agricole für unterbewertet halten.

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