IBAN wird Pflicht: So kämpfen Sie gegen das IBAN-System
Überweisungen sind ab der kommenden Woche nur noch mit dem einheitlichen SEPA-System möglich. Das Verfahren soll für Effizienz und Sicherheit sorgen – mithilfe der 22-stelligen IBAN.
Foto: ImagoFrankfurt. Die Theano GmbH ist gewappnet für den Startschuss: Wenn ab kommender Woche die endgültige Umstellung auf europäische Kontonummern erfolgt, erhofft sich der Internetdienstleister auf seiner Webseite nach Hochkonjunktur.
Mit dem dortigen IBAN-Rechner lässt sich die eigene, internationale Bankkontonummer mit wenigen Mausklicks identifizieren. „Diesen Rechner gibt es bereits seit über zehn Jahren, aber die Nutzerzahlen sind zuletzt deutlich gestiegen“, sagt Rainer Typke, geschäftsführender Gesellschafter bei Theano.
Überweisungen mit Kontonummern und Bankleitzahl sind ab dem 1. Februar endgültig Geschichte. Im Zuge der „Single European Payments Area“ (SEPA) für bargeldlosen Zahlungsverkehr hält die IBAN Einzug in die private Finanzwelt. Eine Überweisung ist künftig nur noch durch Eingabe der IBAN möglich – das soll den Zahlungsverkehr erheblich einfacher, schneller und sicherer machen.
Schon bei der Bekanntgabe sorgte das integrierte System für reichlich Diskussionsstoff. Viele Verbraucher sind der 22-stelligen „International Bank Account Number“ (IBAN, siehe folgende Grafik) nicht wohlgesonnen: Zu kompliziert, zu lang, zu sperrig lautet der mehrheitliche Tenor. Obwohl solche SEPA-Überweisungen bereits seit einiger Zeit für Privatkunden möglich sind, werden der Bundesbank zufolge täglich rund 2,4 Millionen Überweisungen auf die „klassische“ Art und Weise getätigt, also mit Empfänger, Kontonummer, Bankleitzahl und Betrag.
Solche Überweisungsscheine sollten ab der kommenden Woche in den Papierkorb wandern. Denn die Banken sind gesetzlich dazu verpflichtet, künftig nur noch die neuen Kontodaten anzunehmen. Aufträge in ihrer bisherigen Form werden in nicht mehr bearbeitet. „Ich habe Sorge, dass das bei allen entsprechend klappt. Nicht jeder nutzt Online-Banking, viele Kunden haben noch alte Überweisungsträger in der Schublade“, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in der vergangenen Woche.
Dabei stellt die IBAN nur eine geringfügige Veränderung dar – im Grunde ist es eher eine Ergänzung. Der Ländercode „DE“ wird gemeinsam mit einer zweistelligen, individuellen Prüfziffer der bisherigen Bankleitzahl vorangestellt, anschließend folgt die zehnstellige Kontonummer. Die Krux: Vielen Verbrauchern fällt es Branchenangaben zufolge trotz der bekannten Elemente schwer, sich die 22-stellige Kennzahl zu merken.
Das Ende von Kontonummer und Bankleitzahl (BLZ) ist für den 31. Januar besiegelt. Ab dann ist für inländische und Überweisungen im Sepa-Raum (hauptsächlich die Euro-Länder) die IBAN Pflicht.
Handelsblatt-Leser sind einem Aufruf gefolgt und haben Screenshots ihrer Online-Banking-Seiten eingeschickt – wir dokumentieren den unterschiedlichen Abschied, den Banken für Kontonummer und BLZ wählen.
Bei der ING-Diba ist das Eingabefeld noch für beide Varianten vorgesehen. Hier gibt es keinen Abschied auf Raten wie bei anderen Geldhäusern.
Foto: HandelsblattBei der DAB Bank stehen die Zeichen auch noch nicht auf Abschied. Gleichwertig stehen IBAN/BIC und Kontonummer/BLZ nebeneinander.
Bild via @dom_kauf.
Foto: HandelsblattIm Online-Banking der Deutschen Bank gibt es noch die Wahlmöglichkeit: IBAN/BIC oder Kontonummer/BLZ. Als Standard ist die IBAN angewählt.
Bild via @miranda_m.
Foto: HandelsblattDie Volksbank Breisgau wählt den Ansatz, den auch die Deutsche Bank verfolgt. Es gibt eine Wahlmöglichkeit – IBAN/BIC oder KTO/BLZ.
Bild via @Patrick_Heil.
Foto: HandelsblattBei Deutschlands größter Sparkasse, der Haspa in Hamburg, ist der Abschied eingeläutet. Allein IBAN steht vor dem Eingabefeld für die Kontonummer. Ein Klick auf den Rechner öffnet eine Eingabehilfe. Dort kann aus Kontonummer und Bankleitzahl die IBAN errechnet werden – aber nur bis zum 31. Januar.
Bild via @mimimibe.
Foto: HandelsblattSo warnt etwa die Postbank in ihrem Rechner, dass der Umrechungsservice nur noch bis zum 31. Januar verfügbar sein wird. Denn ab dann sei die IBAN eine Pflichtangabe.
Bild via @arnehess.
Foto: HandelsblattAuch mobil ist der Rechner bei der Postbank aufrufbar („IBAN ermitteln“). Das Standardfeld ist aber bereits allein mit „IBAN“ ausgefüllt.
Foto: HandelsblattIm Online-Banking der Commerzbank ist die Überweisung mit Mustertext ausgefüllt. Die 22-stellige IBAN ist mit Leerschritten aufgeführt - ganz wie es die Bundesbank empfiehlt, um die Lesbarkeit der langen Buchstaben- und Zahlenfolge zu erhöhen.
Mittlerweile lässt sich die IBAN bei den Banken auch inklusive Leerzeichen in die Eingabefelder kopieren. Das war zur Einführung nicht überall der Fall.
Bild via @jweber_munichre.
Foto: HandelsblattAber auch die Commerzbank bietet einen IBAN-Rechner an – und will diesen auch über den 1. Februar 2016 hinaus noch anbieten, so ein Sprecher.
Bild via @arnehess.
Foto: HandelsblattDie HVB (Hypo-Vereinsbank) bietet noch eine Eingabevariante für Kontonummer/Bankleitzahl. Doch hier ist bereits am 29. Januar Schluss damit.
Bild via @nicebastard.
Foto: HandelsblattDen völligen Abschied hat bereits Mitte November die Comdirect vollzogen. Die Online-Banking-Tochter der Commerzbank bietet auch keinen IBAN-Rechner mehr an. Dafür kann über den „Überweisungsassistent“ etwa ein E-Mail-Text mit IBAN einkopiert - und von dort automatisch in das IBAN-Feld eingefügt werden.
Bild via @schwarzerj.
Foto: HandelsblattBei der Berliner Sparkasse gibt es noch Trennungsschmerzen. Das Eingabefeld ist noch für beide Varianten offen.
Bild via @emsetoni.
Foto: HandelsblattWie bei den Berliner Kollegen sieht es auch bei der Sparkasse KölnBonn aus.
Bild: Redaktion Handelsblatt.
Foto: HandelsblattAuch die Oldenburgische Landesbank setzt noch auf beide Möglichkeiten.
Bild via @nok3s.
Foto: HandelsblattDaher sind Tools wie der IBAN-Rechner von Rainer Typke vielen Verbrauchern eine dankbare Alternative zum Blick auf den Kontoauszug oder auf die eigene Bankkarte. „Man kann seine eigene IBAN herausfinden und weitere Kennzahlen validieren“, sagt Typke über sein bislang erfolgreichstes Web-Projekt.
Auch Banken und Unternehmen sind bemüht, es dem Verbraucher letztlich so einfach wie möglich zu machen. Die Kreditinstitute setzten zuletzt verstärkt auf Kommunikation – in persönlichen Gesprächen oder in Informationsbroschüren in Filialen und Internetauftritten.
Die Commerzbank etwa stellt, wie die Postbank, ebenfalls ein Tool zur Verfügung, das die eigene IBAN in Sekundenschnelle ermittelt. Dazu stets der Hinweis: „Ab dem 1. Februar 2016 gilt SEPA!“ Bei vielen Unternehmen ist die IBAN bei Zahlscheinen bereits eingefügt. „Der Kunde bewegt sich heute schon in der SEPA-Welt“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft (DK). Sollten ausgefüllte Vorlagen nicht vorliegen, würde eine Einteilung der IBAN-Nummer in die bekannten Vierer-Felder das Verständnis erleichtern, sagen Experten.
Für Unternehmen, Vereine und Behörden ist das SEPA-System bereits seit zwei Jahren gängige Praxis. Die Umstellung auf das neue Bezahlverfahren begann bereits am 1. Februar 2014 – lediglich Privatkunden durften eine verlängerte Schonfrist genießen.
Dass der Prozess größtenteils geräusch- und reibungslos ablief, stimmt Experten auch für die Zukunft optimistisch. „Wir haben aber in diesen zwei Jahren nicht den Eindruck gewonnen, dass der neue europäische Zahlungsverkehr von den Kunden grundsätzlich abgelehnt wird. Vielmehr verlief bereits die Umstellung von Unternehmen und Vereinen reibungslos, obwohl es hier im Vorfeld durchaus Bedenken gab, dass es größere Anpassungsprobleme geben könnte“, heißt es von der Deutschen Kreditwirtschaft. „Wir erwarten deshalb jetzt keine lange Umgewöhnungszeit.“
Beschweren darf man sich hierzulande eigentlich nicht: Im europäischen Vergleich hätte es für deutsche Kunden weitaus schlimmer kommen können. So müssen etwa Privatkunden aus Malta stolze 31 Stellen in ihrem Überweisungsschein ausfüllen. Ähnlich ergeht es Zyprioten, Polen und Ungarn – dort sind es 28 Stellen. Komfortabel hingegen ist es in Norwegen (15) und Belgien (16).
Für diejenigen, die sich trotz Zuspruch, Unterstützung und jedweder Hilfeleistungen nicht mit der endgültigen Umstellung abfinden wollen, gibt es verschiedene Vermeidungsstrategien, von denen sich zumindest einige in der Finanzbranche zuletzt etablieren konnten.
Konsequente Barzahlung
Warum überhaupt mit dem Trend gehen? Warum einfach, wenn es auch schwer geht? Jegliche Rechnungen können schließlich auch konsequent bar bezahlt werden. Kostet zwar jede Menge Nerven, lässt die IBAN jedoch alt aussehen. Als erste Amtshandlung für den Februar sollte man einen Termin für ein persönliches Gespräch beim Chef vereinbaren: Das Comeback der Lohntüte ist nahe!
SmartÜberweisung
„Eintippen war gestern. Überlassen Sie das einfach der SmartÜberweisung“, rät die Deutsche Bank in ihren Tutorial auf dem Videoportal YouTube. Das Prinzip bietet das Kreditinstitut schon seit einiger Zeit an: Eine Rechnung im pdf-Format kann per Drag and Drop in ein dafür vorgesehenes Zwischenfeld in einer Überweisungsvorlage gelegt werden. Die für den Überweisungsvorgang relevanten Empfängerdaten werden automatisch herausgefiltert und in der Überweisungsmaske platziert. Nach der mit dem bekannten Photo-TAN-Verfahren erfolgten Autorisierung wandert der gewünschte Betrag zum Empfänger. Ähnliches gilt für Überweisungen im Textformat. Hier muss der Kunde den gesamten Text kopieren und in das dafür vorgesehene Feld in der Überweisungsmaske einfügen. Das Programm filtert erneut alle relevanten Daten heraus – autorisieren, bestätigen, fertig.
GiroCode
Bei der Sparkasse hat man vollstes Verständnis für menschliches Versagen. „Bisher mussten Sie die Zahlungsdaten aufwendig und sorgfältig per Hand übertragen. Kleine Fehler oder Zahlendreher passieren da schnell“, beschreibt die Sparkasse in ihrem Tutorial-Video. Mit dem GiroCode-Verfahren geht es tatsächlich schneller und weniger kompliziert: Auf der zu begleichenden Rechnung muss sich ein QR-Code befinden, auf dem alle notwendigen Kennzahlen für die Überweisung hinterlegt sind. In der Sparkassen-App für Handy oder Tablet findet sich ein Scanner, der diesen aufgedruckten Code einliest und die Überweisung vorbereitet. Per TAN muss diese in der Folge noch freigegeben werden.
Fotoüberweisung
Ähnliches Prinzip, ähnlicher Effekt. Bei der Fotoüberweisung, die zum Beispiel bei der comdirect angeboten wird, muss die Rechnung lediglich mit dem Smartphone oder dem Tablet fotografiert werden. Das Programm überträgt die Daten auch hier in eine Überweisungsmaske, die anschließend per TAN freigegeben werden muss.
Nach Norwegen auswandern
Es hilft ja alles nichts: Wenn man auch für diese modernen Überweisungstechniken nichts übrig hat, dann muss man die Koffer packen und Kompromisse eingehen. Auf geht’s nach Norwegen! Schließlich ist eine 15-stellige IBAN besser als eine 22-stellige.
In diesem Sinne: Macht es gut, Kontonummer und Bankleitzahl!