Insolvenzbericht: Wirecards Horrorbilanz: 3,2 Milliarden Euro Schulden – und nur 26 Millionen Euro freies Guthaben
Aus Angst vor Anschlägen mieden Wirecard-Vorstände nach der Insolvenz Räume mit offenen Fenstern.
Foto: dpaFrankfurt, Düsseldorf. Aufsichtsratschef eines insolventen Konzerns zu sein, ergibt keinen Sinn. Zu diesem Schluss ist Wirecards Chefkontrolleur Thomas Eichelmann mittlerweile gekommen und hat nach Informationen aus Anwaltskreisen seinen Rücktritt eingereicht. Direkt wirksam ist dieser noch nicht. Laut Wirecard-Geschäftsordnung besteht eine Niederlegungsfrist von maximal drei Monaten. In Übereinstimmung mit Insolvenzverwalter Michael Jaffé kann die Frist aber verkürzt werden.
Jaffé hat gerade einen nichtöffentlichen Insolvenzbericht vorgelegt, der dem Handelsblatt vorliegt. Zahlungsunfähig und komplett überschuldet – so lautet sein Fazit über die Wirecard AG. Nur 26,8 Millionen Euro stehen ihm aktuell frei zur Verfügung. Die Vermögenswerte taxiert er auf 428 Millionen Euro – und das bei Schulden in Höhe von 3,2 Milliarden Euro. Einen Sanierungsplan für den Zahlungsdienstleister wird es deshalb nicht geben.
Das 360-seitige Dokument gewährt erste Einblicke, wohin das vermeintliche Vermögen Wirecards verpuffte und warum die Verwertung des Restvermögens auch ein Wettlauf gegen die Zeit ist. Die komplexe Ausgangslage macht es unwahrscheinlich, dass die Gläubiger viel von ihrem Geld wiedersehen werden.