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MittelstandKleine Firmen können Banken kaum Nachhaltigkeitsdaten liefern

In Kreditgesprächen mit Banken spielen Angaben zu Klimarisiken eine wachsende Rolle. Doch die wenigsten Mittelständler sind darauf vorbereitet, zeigt eine KfW-Studie.Yasmin Osman 12.12.2024 - 06:08 Uhr Artikel anhören
Braunkohlekraftwerk Niederaußem in Nordrhein-Westfalen: Nur wenige Mittelständler können konkrete Angaben zu Nachhaltigkeitsaspekten in ihrem Geschäft machen. Foto: IMAGO/Wienold

Frankfurt. Sprechen große Unternehmen mit Banken über Kredite, ist der Austausch über Klima- und Umweltaspekte schon weit verbreitet. Auch für kleinere Firmen könnte das bald zum Alltag gehören – doch nur die wenigstens Mittelständler sind darauf vorbereitet. Das zeigt eine Studie der Förderbank KfW, die dem Handelsblatt vorab vorlag.

So sah sich etwa nicht einmal die Hälfte der Befragten in der Lage, zumindest einen von mehreren Indikatoren wie Strom-, Energie-, Wasserverbrauch oder Treibhausgasemissionen zu benennen.

Die Vorschriften der EU, Informationen zur Nachhaltigkeit zu erheben, gelten direkt nur für Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten, also per Definition nicht für Mittelständler. „Aber indirekt können sie sehr wohl betroffen sein“, warnt die KfW-Mittelstandsexpertin Elisabeth Grewenig.

Denn zum einen unterliegen häufig größere Geschäftspartner einer Berichtspflicht. Zum anderen müssen auch Banken in wachsendem Maße Umweltrisiken bei der Vergabe von Darlehen berücksichtigen. Das gilt mittlerweile selbst für kleinere Kreditinstitute, zeigte zuletzt eine Studie, an der unter anderem die Frankfurt School of Finance beteiligt war.

Die KfW geht davon aus, dass „der Bedarf der Finanzinstitute an Nachhaltigkeitsinformationen ihrer Kunden in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter zunehmen“ wird. Unter Nachhaltigkeit verstehen Fachleute Aspekte wie Umwelt (Englisch: „environmental“), Soziales und gute Unternehmensführung („governance“), die oft unter dem Kürzel ESG zusammengefasst werden.

15
Prozent
der mittelständischen Unternehmen, die von der KfW befragt wurden, sind im Jahr 2023 von ihren Banken bei Kreditverhandlungen auf das Thema Nachhaltigkeit angesprochen worden.

Bislang ist davon für kleine Unternehmen noch kaum etwas zu spüren. „Im Jahr 2023 wurde nur bei rund 15 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen, die Kreditverhandlungen geführt haben, das Thema Nachhaltigkeit adressiert“, schreibt die KfW.

Unterschiedliche Vorgaben der Banken

Ein Blick auf die Details zeigt aber auch, dass dieses Thema die kleinen Firmen womöglich nur zeitverzögert einholt. Denn bei Mittelständlern mit mehr als 50 Beschäftigten waren Nachhaltigkeitsaspekte bereits in 34 Prozent der Fälle Thema im Kreditprozess. Bei Kleinstfirmen waren es dagegen gerade einmal 13 Prozent.

„Banken unterliegen bestimmten Vorschriften, die mittelständische Kreditkunden nicht von vorneherein ausschließen“, sagt Marcus Thiel, Leiter Nachhaltige Unternehmenskredite der Deutschen Bank. „So können Vorgaben der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde Eba auch für kleinere Unternehmen der Grund dafür sein, dass Banken nach Nachhaltigkeitsfaktoren fragen.“

Für das Gros der kleinen Unternehmen wäre das ein Problem. Derzeit sind noch „relativ wenige Mittelständler darauf vorbereitet, spezifische Nachhaltigkeitsdaten im Rahmen von Kreditverhandlungen bereitzustellen“, heißt es in der KfW-Studie.

Energie

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Den Banken ist bewusst, dass die Datenbeschaffung gerade für kleine Firmen schwierig ist. Deshalb bemühen sich die meisten darum, den Aufwand für ihre Firmenkunden möglichst gering zu halten. „Kleine und mittelgroße Unternehmen müssen nicht unmittelbar davon ausgehen, dass Banken von ihnen in absehbarer Zeit umfangreiche Datenpakete verlangen“, sagt Deutsche-Bank-Experte Thiel.

Welche Unternehmen mit Nachfragen rechnen müssen

Anders ist das bei Unternehmen aus Branchen, bei denen der Klimawandel zum Beispiel das Geschäftsmodell der Firma gefährden kann, die Nachhaltigkeitsrisiken also höher sind. „Unternehmen aus solchen Branchen müssen eher mit Nachfragen rechnen als Firmen mit geringeren Risiken aus diesem Bereich“, warnt Deutschbanker Thiel.

Es gibt für kleine Unternehmen aber keinen Persilschein.
Torsten Jäger
BdB

Das bestätigt auch der Bundesverband der privaten Banken in Deutschland (BdB). „Grundsätzlich wollen wir von Klein- und Kleinstunternehmen keine Einzeldaten“, sagt der Leiter Sustainable Finance des BdB, Torsten Jäger.

Die Mitgliedsinstitute des Verbands würden sich im Rahmen ihres Risikomanagements bei der Kreditvergabe – „wo immer es möglich ist und ausreicht“ – auf öffentliche Angaben beschränken. Jäger sagt aber auch: „Es gibt für kleine Unternehmen aber keinen Persilschein.“

Für Firmen aus Branchen mit hohem Klimarisiko kann es auch dann ratsam sein, sich mit dem eigenen Nachhaltigkeitsprofil zu beschäftigen, wenn die Hausbank gar nicht danach fragt. „In solchen Fällen kann es für Unternehmen positiv sein, wenn sie zeigen, dass ihre individuelle Situation den Branchendurchschnitt übertrifft“, sagt Jäger.

45
Prozent
der von der KfW befragten kleinen und mittelgroßen Unternehmen können derzeit nicht einschätzen, wie sich die Relevanz des Themas Nachhaltigkeit bei Kreditgesprächen in den kommenden drei Jahren entwickeln wird.

Es sind Unschärfen wie diese in der Debatte, die für Mittelständler eine Belastung sind. 45 Prozent der kleinen und mittleren Firmen können derzeit nicht einschätzen, „wie sich die Relevanz des Themas bei Kreditgesprächen in den kommenden drei Jahren entwickeln wird“, schreibt die KfW.

„Die Ungewissheit darüber, was direkt oder indirekt auf kleine Unternehmen noch zukommen kann, sorgt für beträchtliche Unsicherheit“, warnt die KfW-Mittelstandsexpertin Grewenig. „Es ist wichtig, schnell Klarheit darüber zu schaffen, wie die Transparenzanforderungen für Klein- und Kleinstunternehmen aussehen und was von diesen leistbar ist.“

Auf EU-Ebene arbeitet derzeit die Efrag, die in Europa Standards für die Finanzberichterstattung erarbeitet, an einem freiwilligen Standard für kleine und mittelgroße Firmen. Er soll den Aufwand deckeln, den man diesen Unternehmen zumuten sollte. Aus Sicht von Grewenig ist diese Initiative zwar hilfreich, weil sie für mehr Klarheit sorgen könne. „Allerdings sind die aktuellen Vorstellungen noch immer sehr umfangreich“, sagt sie.

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