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OnlinebankingIT-Panne legte Wertpapierhandel bei 1288 Banken lahm

Der Ausfall betraf am Montag alle Volksbanken, viele Sparkassen und weitere Institute. Die zuständige DWP Bank spricht von Defekten bei Datensätzen.Felix Holtermann 07.01.2020 - 16:43 Uhr

Das Frankfurter Institut betreut die Wertpapierabwicklung für viele deutsche Banken.

Foto: Pressefoto dwpbank

Frankfurt. Die IT-Panne bei der Deutschen Wertpapierservice-Bank (DWP Bank) am Montag war sehr viel größer als zunächst gedacht. Betroffen war der Wertpapierhandel von 1288 Instituten im ganzen Bundesgebiet, darunter alle Volksbanken, die Mehrzahl der Sparkassen, die zweitgrößte Onlinebank DKB sowie die Postbank. Das bestätigte die DWP Bank am Dienstag auf Handelsblatt-Anfrage.

„Die Störung trat erstmals am Montagmorgen auf“, erklärte ein Sprecher. „Zunächst war unter anderem die Saldo-Anzeige in Wertpapierdepots nur eingeschränkt möglich. In der Folge konnten einzelne Institute keine Orders an den wesentlichen Handelsplätzen für ihre Kunden platzieren. Ab dem frühen Nachmittag waren alle Kundeninstitute von der Störung betroffen.“

Die DWP Bank führt für viele Häuser die Wertpapierabwicklung durch. Sie gehört hälftig den Sparkassen und dem genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ Bank.

Kunden konnten seit Montagfrüh nicht mehr auf ihre Depotübersicht zugreifen oder Kauforders für Wertpapiere und Fonds abgeben. Am Dienstagmorgen funktionierten die Systeme wieder, Kunden erhielten von ihren Banken zum Teil ähnlich lautende Mitteilungen: „Bitte kontrollieren Sie Ihr Orderbuch, um doppelte Ausführungen zu vermeiden“, hieß es etwa.

Dahinter steht offenbar die Sorge, dass Kunden ausgefallene Orders vom Montag erneut beauftragt haben, diese aber nach dem Neustart der DWP-Systeme am Dienstag nachgeholt wurden, und es so zu Doppelaufträgen kommen konnte.

Aufgefallen war der Ausfall am Montag zunächst bei der zweitgrößten deutschen Onlinebank DKB, Tochter der BayernLB. Diese bestätigte das Ende der Panne in der Nacht zum Dienstag.

„Der Wertpapier-Handel ist wieder regulär möglich“, so ein Sprecher. Über doppelte Ausführungen von Kundenaufträgen sei nichts bekannt.

Hinter vorgehaltener Hand äußerten sich mehrere Partnerinstitute deutlich verschnupft über die DWP Bank. Die Finanzaufsicht hat den Ausfall auf dem Radar und wartet Finanzkreisen zufolge nun auf detaillierte Informationen, wie es zu der Panne kommen konnte.

Kein Hack von außen

Die DWP-Bank teilt zu den Hintergründen mit, die Datenübertragung sei unterbrochen worden, die für die Entgegennahme von Wertpapieraufträgen verantwortlich sei: „Grund für die Störung war der Ausfall von mehreren Datenservern (...). Die genaue Ursache wird derzeit noch in Zusammenarbeit mit dem zuständigen IT-Dienstleister analysiert.“

Derzeit gehe man von einem technischen Defekt einzelner Datensätze aus, einer „Datenkorruption“, so ein Sprecher. Ein Hack von außen könne Stand jetzt ausgeschlossen werden.

Wertpapier-Händler äußerten Unmut über den Ausfall. „Das ist nicht das erste Mal, dass der Handel zum Erliegen kommt. Ich erlebe das bei meinen Volksbanken regelmäßig“, sagt ein deutscher Trader, der auf eigene Rechnung im großen Stil bei zahlreichen Instituten handelt.

Der IT-Ausfall ist der erste größere im neuen Jahr. Deutsche Onlinebanking-Kunden waren 2019 jedoch wiederholt von entsprechenden Problemen betroffen. So war das Kundenportal der DKB für längere Zeit komplett gesperrt.

Bei der Commerzbank und ihrer Onlinetochter Comdirect konnten Kunden streckenweise kein Geld mehr abheben, Überweisungen gingen ins Leere.

Mehr: Die Sparkassen verzeichneten im Dezember eine große Panne im Zahlungsverkehr. Etliche Sparkassenkunden warteten tagelang auf ihr Gehalt.

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