Prozess um manipulierten Zinssatz: Ex-Deutsche-Bank-Händler Bittar muss wegen Euribor-Manipulation mehr als zwei Jahre ins Gefängnis
Der ehemalige Deutsche-Bank-Händler bekannte sich schon vor Prozessauftakt schuldig. Er befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.
Foto: ReutersLondon. Fünf Jahre und vier Monate Haft – dazu ist der ehemalige Deutsche-Bank-Händler Christian Bittar in einem Prozess um manipulierte Zinssätze verurteilt worden. Die Hälfte davon ist zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem wird die Untersuchungshaft, in der sich Bittar seit März befindet, angerechnet. Insgesamt muss er also noch etwas länger als zwei Jahre hinter Gitter.
Zudem muss Bittar die Gerichtskosten von 800.000 Pfund tragen und zweieinhalb Millionen Pfund seines Vermögens werden beschlagnahmt – das entspricht nach aktuellem Kurs zusammen mehr als vier Millionen Euro. Der Franzose hatte sich bereits Anfang März schuldig bekannt, den europäischen Referenzzinssatz Euribor frisiert zu haben.
Urteil soll eine Warnung für die Branche sein
Bittars Geständnis wirkte sich strafmildernd aus, ebenso die lange Dauer des Prozesses. Aber der Richter Michael Gledhill wollte nicht zu gnädig sein - denn das Urteil soll Nachahmer abschrecken. „Der Urteilsspruch soll eine klare Abschreckungswirkung haben“, sagte er in der Urteilsbegründung. Bittar habe die ganze Zeit gewusst, dass er unehrlich handele. „Dennoch war er nicht im entferntesten über die Konsequenzen seiner Taten besorgt“, betonte Gledhill.
Denn Bittar wirkte entscheidend an der Manipulation des Referenzzinssatzes Euribor mit. Diese Referenzzinssätze geben an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Sie sind Maßstab für Geschäfte in Billionenhöhe – vom Baukredit bis zu Derivate-Geschäften. Bittar habe durch sein Handeln das Vertrauen in den Euribor maßgeblich unterminiert, urteilte Gledhill.
Der Prozess die im großen Stil manipulierten Zinssätze läuft seit Anfang April vor einem Londoner Gericht. Mit Tricksereien an den Zinssätzen erschlichen sich Banken Millionen an Extragewinnen – den Händlern winkten erhebliche Boni-Zahlungen. Auch der für Geschäfte in Dollar wichtige Zinssatz Libor wurde manipuliert. Die Absprachen der Banker sollen über mehrere Jahre erfolgt sein. Die für Wirtschaftskriminalität zuständige britische Behörde Serious Fraud Office (SFO) erhob 2015 Anklage. Die Deutsche Bank einigte sich dafür 2015 mit Behörden in den USA und Großbritannien auf eine Rekordbuße von 2,5 Milliarden US-Dollar.
Bittar arbeitete bei der Deutschen Bank in London und Singapur. Er hatte vor Jahren für Schlagzeilen gesorgt, da er für das Jahr 2008 sagenhafte 80 Millionen Euro Bonusanspruch angehäuft hatte. Sein Arbeitsvertrag garantierte ihm einen festen Prozentsatz der von ihm erzielten Spekulationsgewinne. Die Hälfte des Rekordbonus behielt die Bank aber wegen der Ermittlungen in Sachen Zinsmanipulation ein.
2011 trennte sich das Geldhaus von ihm. Bittar ist der einzige der sechs angeklagten Ex-Bankern der Deutschen Bank, der sich bislang schuldig bekannt hat. Ende Juni wies zum Beispiel Mitangeklagter Achim Krämer alle Vorwürfe zurück - vor einigen Tagen wurde er freigesprochen. Die Geschworenen sahen es als nicht ausreichend erwiesen an, dass der 53-Jährige an der Manipulation beteiligt war.
Früherer Barclays-Händler zu acht Jahren Haft verurteilt
Bittars Freund und Komplize, der frühere Barclays-Händler Philippe Moryoussef, wurde ebenfalls für schuldig befunden. Die beiden Franzosen bildeten laut Staatsanwaltschaft den Kern der Verschwörung um die Referenzzinssätze. Moryoussef hatte kurz vor Prozessbeginn seine britischen Anwälte entlassen und sich nach Paris abgesetzt. In Abwesenheit wurde er zu acht Jahren Haft verurteilt.