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Unternehmensgründer im InterviewWolfgang Grenke wehrt sich nach Shortseller-Attacke: „Ich habe nichts zu verbergen“

Der Gründer der Grenke AG äußert sich erstmals ausführlich zu den Vorwürfen des Shortsellers Fraser Perring. Und Wolfgang Grenke bringt Klarheit in eine bisher undurchsichtige Personalie.René Bender, Felix Holtermann 29.09.2020 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Der Unternehmensgründer wehrt sich gegen die Attacken von Shortsellern.

Foto: dpa

Düsseldorf, Frankfurt. Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußert sich der Gründer des Leasingdienstleisters Grenke AG erstmals ausführlich und persönlich zu den Vorwürfen des Shortsellers Fraser Perring. Dessen Analysehaus Viceroy Research wirft der Grenke AG Betrug, Bilanzfälschung, Geldwäsche, überteuerte Firmenkäufe und Interessenkonflikte zulasten der Aktionäre vor. Der Aktienkurs brach darauf in der Spitze um rund die Hälfte ein.

Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück, doch noch immer sind Fragen zur komplexen Firmenstruktur offen. Die Finanzaufsicht Bafin hat eine Sonderprüfung eingeleitet, der Konzern hat ebenfalls zwei Gutachten an externe Prüfer vergeben. Wolfgang Grenke, der sein Aufsichtsratsmandat seit der vergangenen Woche ruhen lässt, versucht, sich und sein Lebenswerk zu verteidigen.

Es sei für ihn sehr überraschend gewesen, „was auf uns und mich zukam“, so der 69-Jährige. Vor allem, dass „Unterstellungen und falsche Fakten“ so eine Wirkung auf den Kurs haben, hätte er sich nicht vorstellen können.

„Ich weiß gar nicht, wie man auf die Idee kommen kann, das Geschäft wäre nicht werthaltig“, kommentiert Grenke und tritt dem Verdacht entgegen, durch Grenke übernommene Franchisefirmen würden Verluste einbringen, die in der Bilanz aber versteckt würden. Die ehemaligen Franchiser würden 20 Prozent zum Neugeschäft des Unternehmens beitragen und damit mehr, als in ihrer Bilanzbewertung stehe, so Grenke.

Gleichwohl räumt Grenke ein, man müsse das „komplexe Geschäftsmodell“ seines Unternehmens besser erklären. Um den Verdacht auszuräumen, dass es unter Umständen eine eigene Vorteilsnahme zu Lasten der Aktionäre gegeben haben könnte, beantwortet er auch bislang noch offene Fragen zur komplexen Firmenstruktur des von ihm 1978 gegründeten Unternehmens.

Dabei geht es vor allem um die Franchisebeteiligungen im Ausland und darum, wer in der Vergangenheit hinter ihnen stand. Grenke erklärt nun, er gehe davon aus, dass der Anwalt Jörg-Erich Wilhelm, Ex-Aufsichtsratschef des 1. FC Kaiserslautern, eine der Schlüsselfirmen kontrollierte.

Kritik, dass die Schulden der Grenke AG wachsen und der Konzern sich nur kurzfristig finanziere, weist er zurück: „Es gab immer eine Reserve, und Grenke war immer fristenkongruent durchfinanziert.“

Der Zukunft des Unternehmens blicke er deshalb sehr positiv entgegen, denn „das Geschäftsmodell ist ja völlig intakt und nachhaltig“.

Sollte der Konzern das umstrittene Franchisesystem aufgeben wollen, bietet Grenke an, seine Beteiligungen daran abzugeben. Als Bezahlung will er Aktien des Unternehmens akzeptieren, das er vor 42 Jahren gründete. „Ich werde dann versuchen, den Kaufpreis in Grenke-Aktien – und zwar nicht zum aktuellen, sondern zum normalen Kurs vor der Leerverkauf-Attacke – zu erhalten und nicht in Cash. Cash habe ich genug bekommen in meinem Leben“, betont der Unternehmer.

Lesen Sie hier das vollständige Interview:

Herr Grenke, hinter Ihnen liegen harte Tage. Wie kalt hat Sie der Angriff des Investors Fraser Perring und seiner Firma Viceroy erwischt?
Die Grenke AG ist zwar eine börsennotierte Firma mit einer Bilanzsumme von über sieben Milliarden Euro, aber ich fühle mich wie ein klassischer Mittelständler. Da war es sehr überraschend, was auf uns und mich zukam. Vor allem, dass Unterstellungen und falsche Fakten sich so auf den Kurs auswirken, konnte ich mir nicht vorstellen. Der Angriff ist offensichtlich mit Eigeninteresse verbunden. Mindestens drei Wochen lang wurden Positionen aufgebaut und für die Leihe der Aktien extrem hohe Prämien gezahlt. Dass Aktien geliehen werden, um dann den Kurs nach unten zu holen, ist ja nicht unbekannt.

Ist alles, was Viceroy behauptet, üble Nachrede, oder gibt es berechtigte Punkte?
Es gibt immer einiges, was man nacharbeiten muss. Vor allem müssen wir unser komplexes Geschäftsmodell besser erklären.

Das Unternehmen sieht sich Vorwürfen gegenüber, der Gründer tritt diesen entgegen.

Foto: dpa

Ist es nicht ein Interessenkonflikt, wenn der stellvertretende Aufsichtsratschef gleichzeitig das Franchisesystem mit aufbaut?
Nach meinem Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender habe ich mir überlegt, wie ich mein Wissen und Können in das Franchisesystem einbringen kann. Ich halte es für zentral für den Erfolg der Grenke AG. Einen Interessenkonflikt gibt es theoretisch nur seit der Übernahme der Sacoma AG Anfang 2020, davor nicht. Vorstand und Aufsichtsrat haben früh überlegt, ob es einen Konflikt geben könnte, und 2018 ein Gutachten bei der Kanzlei Sigle in Stuttgart in Auftrag gegeben.

Mit welchem Ergebnis?
Das Ergebnis waren klare Empfehlungen, an die ich mich strikt gehalten habe. Wenn die AG eine Franchisebeteiligung erwirbt, nehme ich nicht an Beratungen und Entscheidungsprozessen teil.

Ein zentraler Teil der Vorwürfe kreist um die Wiener CTP Handels- und Beteiligungs GmbH, die die Franchisebeteiligungen hält. Die Grenke AG hat in der Vergangenheit Franchisefirmen von CTP gekauft. Nun steht der Verdacht im Raum, durch die Deals könnten Gelder in private Taschen abgeflossen sein. Ist da etwas dran?
Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Für die Grenke AG hat sich nichts verändert. Die CTP Handels- und Beteiligungs GmbH blieb über 18 Jahre eine Hauptgesellschafterin der Franchisefirmen. Nur die CTP-Eigentümer wechselten. Im Übrigen gibt es drei verschiedene Gesellschaften mit CTP im Namen: Meist geht es um die CTP Handels- und Beteiligungs GmbH in Wien. Daneben gab es noch die CTP Holding Dubai. Und aus der CTP Holding Wien wurde die WGW Investment GmbH, meine Beteiligungsholding.

Wofür steht eigentlich CTP?
Ich weiß es nicht. Ich habe das Unternehmen nicht geschaffen.

Die CTP Handels- und Beteiligungs GmbH wurde 2002 gegründet. Sie erklärten, keine gesellschaftsrechtliche Verbindung zu den bisherigen Eigentümern gehabt zu haben. Dies waren erst die Softline AG aus Österreich, ab 2008 die CTP Holding FZE aus Dubai und ab 2014 die Schweizer Sacoma AG. Im Februar 2020 haben Sie Sacoma dann gekauft. Verraten Sie uns, wem sie zuvor gehörte?
Es gibt eine klare Antwort, die ich Ihnen aber aufgrund einer Verschwiegenheitsvereinbarung leider nicht geben kann. Ich ging aber davon aus, dass der Sacoma-Verwaltungsratspräsident …

… der Anwalt Jörg Erich Wilhelm, der bis August Aufsichtsratschef des 1. FC Kaiserslautern war und den Sie aus dem Beirat der SRH Hochschule in Berlin kennen
im Eigeninteresse mit uns gesprochen und verhandelt hat. Aber das kann nur er selbst aufklären. Sacoma ist eine AG, daher wusste ich nicht genau, wem die Aktien gehören. Ich ging davon aus, dass sie ihrem Verwaltungsratspräsidenten gehörte. Die Übernahme war technisch nicht einfach, weshalb der Prozess zwei Jahre dauerte. Ich wollte das Franchisesystem weiter ausbauen.

Wofür braucht es das Franchisesystem?
Bis 2000 gründeten wir neue Filialen vor Ort meist mit einem Manager, der an der lokalen Gesellschaft beteiligt war. Diese Firmen gehörten je hälftig dem lokalen Manager und mir. Als Vorbereitung auf den Börsengang der Grenke AG im Jahr 2000 haben wir die Anteile dann in Aktien an der Grenke AG gewandelt, sodass die Unternehmen im alleinigen Eigentum der Grenke AG standen.

Warum erfolgte der Aufbau des Franchisesystems nicht aus der Grenke AG heraus?
Es gibt hier mehrere Gründe: Zunächst einmal brauchen Sie ja jemanden, der das Risiko trägt. Und schließlich bietet dieses Modell die besten Voraussetzungen für die Motivation und den Unternehmergeist. Die Franchisenehmer haben keinen Acht-Stunden-Tag, sie sind interessiert daran, das Geschäft zu forcieren, weil sie nach rund fünf Jahren darauf hoffen können, dass die Grenke AG das Geschäft übernimmt.

Warum hat nicht die Grenke AG den Aufbau der Töchter finanziert?
Weil die Grenke AG dann doch die Risiken des Aufbaus in vollem Umfang selbst getragen hätte und die Franchisegesellschaften alle in der Konzernbilanz hätte konsolidieren müssen.

Wäre das so schlimm gewesen?
Rückblickend lassen sich solche Fragen immer einfacher stellen und beantworten. Seinerzeit war unser Ziel, ein Modell zu entwickeln, das eine unternehmerische Motivation für den Franchisenehmer mit begrenztem Risiko für die Grenke AG kombinierte.

Der Besitz von Grenke-Aktien durch Softline beim Börsengang wurde nach meiner Erinnerung im Börsenprospekt beschrieben

Sie suchten also 2002 einen Investor, der das Risiko des Aufbaus der Franchiser übernimmt. Wen haben Sie gefunden?
Als Erstes expandierten wir 1997 nach Österreich. Dabei wurde mir Friedhelm Gruber als externer Manager empfohlen. Als wir dann 2002 das Franchisesystem aufbauten, banden wir ihn wieder ein.

Gehörte ihm die Softline AG, der erste Eigentümer der CTP GmbH?
Meiner Wahrnehmung nach ja.

Softline hielt früher Grenke-Aktien. Warum haben Sie nicht kommuniziert, dass Softline eine gesellschaftsrechtliche Verbindung zum Grenke-Konzern hatte?
Das war alles vor dem Börsengang 2000, und sowohl Softline als auch die Grenke AG waren private Betriebe – also außerhalb jeder Kapitalmarktrelation. Der Besitz von Grenke-Aktien durch Softline beim Börsengang wurde nach meiner Erinnerung im Börsenprospekt beschrieben. Aber der Anteil von Softline war verschwindend gering. Beim besten Willen, niemand kann ernsthaft behaupten, dass dies eine Bedeutung hatte – außer man will ganz gezielt Unsicherheit in der Öffentlichkeit und bei Aktionären schüren.

Nach Softline und vor Sacoma gehörte die CTP GmbH der CTP Holding FZE in Dubai. Wer kontrollierte sie?
Meiner Wahrnehmung nach ebenfalls Herr Gruber, der Dubai als einen interessanten Standort für das internationale Geschäft bezeichnet hat.

Dubai gilt als intransparentes Steuerschlupfloch.
Man muss sich heute global engagieren. Motive wie gute Flugverbindungen und eine zentrale Lage, wenn man nach Fernost expandieren möchte, sind wichtig. Aber man muss immer auch weitere Motive hinter solchen Lokationen sehen. Steuersparmodelle sind nicht meine Welt. Ich wäre nicht nach Dubai gegangen.

Vita Wolfgang Grenke
Wolfgang Grenke, Jahrgang 1951 ist Gründer, Hauptaktionär und früherer Vorstandsvorsitzender des Finanzdienstleisters Grenke AG. Sein auf Leasingdienstleistungen spezialisiertes Unternehmen gründete der Wirtschaftsingenieur 1978 noch als Student. Grenke ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Söhnen. In seiner Heimatstadt Baden-Baden fördert der Unternehmer Kunst, Architektur, Denkmalschutz sowie Sportprojekte. Seit 2016 ist er Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags. Seine Familie ist über eine eigene Holding an der Grenke AG beteiligt und kontrolliert knapp 41 Prozent der Anteile. Wolfgang Grenke selbst hält rund acht Prozent. Aus dem Vorstand schied er 2018 aus und wechselte in den Aufsichtsrat. Dieses Mandat legte er nach den vom Analysehaus Viceroy erhobenen Vorwürfen über unsaubere Geschäftspraktiken vorerst nieder.
1978 mit zwei Mitarbeitern gestartet, konzentriert sich Grenke auf Leasing von Produkten der Bürokommunikation und baut ab 1990 ein Vertriebsnetz in Deutschland auf. Die erste Niederlassung startete kurz vor der Einheit in Ost-Berlin, ab 1997 expandierte Grenke ins Ausland. 2000 gelang der Sprung an die Börse. Seit 2005 bietet die Gruppe auch Factoring an, erwarb 2009 eine Banklizenz. 2019 stiegt der Konzern in den MDax auf und erzielte mit rund 1675 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro. Weltweit ist Grenke in 32 Ländern vertreten. Neben den aktiven Gesellschaften des Konzerns agiert Grenke dabei auch mithilfe nationaler und internationaler Franchisepartner.

Die CTP GmbH gehörte also von 2002 bis 2014 Friedhelm Gruber und dann bis zur Übernahme durch Sie Jörg Erich Wilhelms?
Davon gehe ich aus.

Sie selbst waren also vor 2020 weder direkt noch indirekt an der CTP beteiligt?
Das ist korrekt.

CTP war nicht die einzige Eignerin der ausländischen Franchiser. Ab 2014 erwarb die Schweizer Garuna AG von CTP zehn Prozent an einzelnen Beteiligungen, laut Ihnen mit dem Ziel, die Beteiligungsquote von CTP auf unter 50 Prozent zu reduzieren. Wofür war das gut?
Damit wäre eine Kündigung des lokalen Franchisebeteiligten oder das Einsetzen eines neuen Verantwortlichen – etwa aus dem Umfeld des Wettbewerbs – im Ernstfall zu verhindern gewesen. Wenn Sie so wollen, war das eine Vorsichtsmaßnahme gegen feindliche Übernahmeversuche.

Die Garuna-Aktien gehören Ihrer Lebensgefährtin Corina Stingaciu. Waren Sie damit nicht ab 2014 eine „related party“?
Ich habe seit 2014 die Grenke AG nicht kontrolliert, weder als Organ noch als Aktionär. Damit ist bis 2020 in diesem Verhältnis keine „related party“ anzunehmen.

Gibt es weitere Personen, auf die hin Prüfungen laufen beziehungsweise wo man die Frage stellen kann, ob sie eine „related party“ waren?
Nein, meines Wissens nach nicht.

Viceroy behauptet, die Grenke AG habe seit 2011 über 100 Millionen Euro für Käufe von Franchisefirmen ausgegeben. Stimmt das?
Nach meiner Wahrnehmung liegen die Beteiligungswerte laut IFRS knapp über 100 Millionen Euro. Die Buchwerte der Beteiligungen sind womöglich etwas höher. Die Kaufpreise für die Franchisefirmen wurden am Anfang – bei Beginn des Franchiseverhältnisses – transparent festgelegt.

Wie sah dies konkret aus?
Sie wurden nach einer Formel berechnet, in der das Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahrs eine Rolle spielt und die Annahme, dass man Leasingforderungen am Markt verkaufen kann. Auf den Deckungsbeitrag abzüglich aller Kosten wurde ein Multiplikator angesetzt. Dieser berechnet sich aus dem Mittelwert des Kurs-Gewinn-Verhältnisses der Grenke AG und des Euro Stoxx 50. Darauf wurde ein Risikoabschlag von 25 Prozent vorgenommen. Rückblickend hätte man das vielleicht anders machen können.

Der Vorstand der Grenke AG macht einen ausgezeichneten Job.

Weshalb?
So hat man die Schwankungen an der Börse in die Bewertung reingeholt – mir wäre ein Discounted Cashflow-Verfahren lieber.

Die Schulden der Grenke AG wachsen, und sie sei nur kurzfristig finanziert, behauptet Viceroy. Was können Sie dazu sagen?
In der Vergangenheit war der Vergleich der Fristigkeit der Zuflüsse in jeder Aufsichtsratssitzung Thema. Es gab immer eine Reserve, und Grenke war immer fristenkongruent durchfinanziert.

Ein weiterer Vorwurf: Die Auslandsfirmen seien nur durch Binnengeschäfte profitabel gemacht worden, indem fehlendes Cash durch eine Übernahme in eine Firmenbewertung, in Goodwill, umgewandelt wurde.
Dass dies nicht so ist, kann man eigentlich schon am Deckungsbeitrag 2 der Ex-Franchisebetriebe erkennen, den die Grenke AG veröffentlicht hat.

Das müssen Sie erklären.
Beim Deckungsbeitrag 2 geht es um den Barwert der Forderungen aus Leasingverträgen, abzüglich der wahrscheinlichen Ausfälle und zuzüglich der Erträge, die man erfahrungsgemäß während der Laufzeit und an deren Ende hat. Diese Kennzahl wird immer am Vertragsanfang berechnet. Die laufenden Kosten sind abzuziehen, will man den wirtschaftlichen Wert der Leasingverträge bestimmen. Die ausstehenden Raten könnte man am Kapitalmarkt verkaufen.

Welche Rolle spielte das bei den Zukäufen?
Unter diesen Gesichtspunkten wurde bei den Käufen der Preis für die Franchiseunternehmen berechnet. Daraus ergab sich in unseren Bilanzen ein Goodwill, der jährlich überprüft und von den Wirtschaftsprüfern nie beanstandet wurde. Zudem lässt die Grenke AG die Bewertung noch einmal prüfen. Meines Erachtens nach wurden die Kaufpreise richtig berechnet. Im Übrigen kann man das auch sehen, wenn man das Gesamtergebnis der Grenke AG betrachtet.

Inwiefern?
Die ehemaligen Franchisefirmen tragen 20 Prozent zum Neugeschäft bei und damit mehr, als in ihrer Bewertung steht. Der Deckungsbeitrag lag 2019 bei rund 100 Millionen Euro: Ich weiß gar nicht, wie man auf die Idee kommen kann, das Geschäft wäre nicht werthaltig.

Viceroy kritisiert auch, dass zahlreiche Grenke-Kunden unzufrieden sind und Leasingraten zahlen müssen, ohne eine Gegenleistung zu bekommen. Was ist hier passiert?
Wenn es Unzufriedenheit gibt, hängt das vor allem mit einem Problem zusammen: Wir bieten unser Leasinggeschäft in zwei Formen an, dem Vertriebs- und dem Direktleasing. Im Vertriebsleasing arbeiten wir mit Fachhändlern zusammen. Wenn von diesen Aussagen getroffen werden, die nicht zutreffen, fällt das auf uns zurück.

Wir müssen das bekämpfen, indem wir Klarheit schaffen. Das heißt auch, dass wir den Fachhändlern noch deutlicher machen, dass sie keine Aussagen treffen können, ohne mit uns Rücksprache zu halten. Andererseits kann man die Grenke AG nicht dafür haftbar machen, was zwischen Fachhändler und Leasingkunde vereinbart wird. Das wäre genauso, als wenn Sie eine Bank bei einer Baufinanzierung für Schäden am Bau haftbar machen wollten.

Die Attacken haben Sie auch persönlich getroffen. Nicht nur Ihr Ruf wurde in Mitleidenschaft gezogen, auch der Wert ihres Aktienpakets. Werden Sie persönlich gegen Viceroy vorgehen?
Ich fühle mich gut beraten und werde mein Vorgehen sehr genau planen. Aber die Sache wird wohl in jedem Fall ein juristisches Nachspiel haben.

Der Grenke-Vorstand prüft die Integration der Franchisefirmen. Sie haben dem Konzern bis Ende 2021 die Übernahme der Beteiligungen ihrer Holding CTP angeboten. Was hat es damit auf sich?
Wenn der Vorstand entscheidet, dass er das bisherige Modell nicht weiterführen will, dann kann er dieses Angebot selbstverständlich annehmen.

Was zahlten sie einst für die Beteiligungen, und was wären sie jetzt wert?
Was ich bezahlt habe, unterliegt der Verschwiegenheitspflicht. Wir werden für den Fall eines Ankaufs aber in jedem Fall ein Wertgutachten erstellen. Und eines kann ich auch sagen: Ich werde dann versuchen, den Kaufpreis in Grenke-Aktien – und zwar nicht zum aktuellen, sondern zum normalen Kurs vor der Leerverkauf-Attacke – zu erhalten und nicht in Cash. Cash habe ich genug bekommen in meinem Leben.

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Das hört sich nach großem Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens an.
Absolut! Der Vorstand der Grenke AG macht einen ausgezeichneten Job. Und das nicht erst, seit ich in den Aufsichtsrat gewechselt bin. Wie das gesamte Team jetzt diesem heimtückischen Angriff aus dem Hinterhalt standgehalten hat, verdient meinen allergrößten Respekt. Der Aktienkurs hat sich schon wieder stabilisiert und wird wieder steigen. Zu Recht. Denn das Geschäftsmodell ist ja völlig intakt und nachhaltig.

Die Corona-Pandemie hat keine Auswirkungen auf das Geschäft?
Durch Corona gab es natürlich einen Rückschlag, denn in solchen Krisenzeiten denken die Menschen ja eher weniger an Investitionen. Andererseits gibt es derzeit bei Grenke auch Bereiche, die sehr gut laufen – nur ein Beispiel sind Reinigungsmaschinen für Krankenhäuser, die mehr nachgefragt werden. Die Gesamtsituation hat zum Ende des ersten Halbjahres nicht zu Verlusten, sondern nur zu einem geringeren Gewinn geführt.

Welche Schlüsse ziehen Sie für die Zukunft?
Für mich persönlich kann ich nur sagen, ich tue alles, um das Vertrauen bei den Geschäftspartnern und Aktionären der Grenke AG zurückzugewinnen. Der Schlüssel dazu ist Transparenz, die Transparenz meiner Aktivitäten – denn ich habe nichts zu verbergen.
Herr Grenke, vielen Dank für das Interview.

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