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ZahlungsverkehrWie Kunden bei Auslandsüberweisungen Kosten sparen

Verloren, verspätet, überteuert: Überweisungen in ferne Länder machen oft eine Menge Ärger. Unternehmen mit neuen technischen Angeboten versprechen Abhilfe.Stefan Reccius und Sheera Plawner 25.09.2018 - 14:38 Uhr Artikel anhören

Bei Überweisungen über Grenzen hinweg lohnt ein Blick in die Schwellenländer.

Foto: picture alliance / Ikon Images/A

Frankfurt.

Vor einiger Zeit hat es Pedro Morazán erwischt. Mal wieder hatte er seiner Mutter, die in Honduras lebt, Geld für Medikamente geschickt. Doch anders als sonst kam das Geld nicht an. Schlimmer noch: Es war unauffindbar, ein geschlagenes halbes Jahr lang.

Den Grund fand Morazán heraus, als die Summe endlich zurück auf seinem Konto war: Die US-Korrespondenzbank der Banco Ficohsa, bei der seine Mutter in Honduras ihr Konto hat, hatte sich geändert. Nur hatte weder ihn noch seine Mutter darüber jemand informiert. Überweisungen von Deutschland nach Honduras laufen auf dem Umweg über die USA, um Geldwäsche zu erschweren.

Auslandsüberweisungen können eine mühsame Angelegenheit sein – und das nicht bloß, wenn etwas schiefgeht. Oft sind sie langsam, teuer und umständlich. Die Weltbank schätzt, dass bei Überweisungen von Migranten wie Morazán in ihre Heimat rund sieben Prozent als Kosten verloren gehen, das entspricht etwa 15,5 Milliarden Euro im Jahr.

Eine papiergebundene Auslandsüberweisung per Hausbank ist der klassische Weg – aber meist weder der günstigste noch der zügigste. „Wenn ich Glück habe, kommt das Geld in sieben Tagen an“, sagt Morazán. Vor jeder Überweisung aus Deutschland nach Honduras muss er angeben, wer die Gebühren zahlt: Er als Sender (OUR), seine Mutter als Empfängerin (BEN), oder teils-teils (SHARE).

Die Gebühren variieren, je nachdem ob sich das Zielkonto innerhalb oder außerhalb der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) befindet. Innerhalb des Euro-Raums darf bei einer deutschen Bank ein Geldtransfer von bis zu 50.000 Euro grundsätzlich nicht teurer sein als eine innerdeutsche Überweisung.

André Schulze-Wethmar, Jurist beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland, präzisiert: „Das gilt aber nur, wenn bei der Überweisung die Iban des Empfängers angegeben wird. Die Regelung gilt auch für die Länder des EWR mit eigener Währung, wenn die Überweisung in Euro, schwedischen Kronen oder rumänischen LEI durchgeführt wird. Für die Währungsumrechnung können aber Kosten berechnet werden.“

Zu beachten ist in jedem Fall eine Grenze von 12.500 Euro: Ab diesem Betrag muss der Auftraggeber einer Auslandsüberweisung die entsprechende Summe an die Bundesbank melden – entweder über das Allgemeine Meldeportal Statistik oder telefonisch.

Zu den größten Akteuren bei internationalen Überweisungen gehören neben Banken Dienstleister wie Western Union und MoneyGram. Aber es gibt neue Anbieter, die einen besseren oder günstigeren Service versprechen. Die Webseite www.geldtransfair.de zeigt Informationen zu Kosten und Überweisungsdauer von 31 derartigen Firmen in über 30 Ländern weltweit.

Forderung nach günstigeren Methoden

Das Portal biete vor allem Migranten einen guten Überblick über den Markt und könne dazu beitragen, den jeweils am besten geeigneten Anbieter zu ermitteln, heißt in einer Studie des Instituts Südwind zum Thema „Heimatüberweisungen“. Morazán, Mitautor der Studie, fordert, dass Migranten schnellere, günstigere und sicherere Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, ihr Geld zu überweisen. „Jeder Euro, der beim Transfer von Geld gespart werden kann, kommt den Familien der Migranten zugute“.

Ein bekanntes Beispiel ist Transferwise. Das britische Unternehmen mit mittlerweile über drei Millionen Kunden rechnet zum sogenannten Devisenmittelkurs um. Der ist besser als die Wechselkurse vieler Banken. Bei kleinen Beträgen kostet eine Überweisung dort nicht mehr als wenige Euro. Kunden der Online-Bank N26 können auch direkt über ihre N26-App Auslandsüberweisungen per Transferwise tätigen.

Ein anderer Anbieter ist Azimo, ebenfalls von der britischen Finanzaufsicht autorisiert. Er bietet Zahlungen von Handy zu Handy an. Man benötigt nur noch die Handynummer des Empfängers. Das Eintippen langer Iban-Nummern gehört damit der Vergangenheit an, der Kunde muss aber ein Konto bei Azimo haben. Das Unternehmen verspricht Kosten von etwa drei Prozent, allerdings hängt die genaue Gebühr vom Empfängerland und der Auszahlungsmethode ab.

Auch PayPal-Nutzer können Überweisungen über Grenzen hinweg tätigen. Sender und Empfänger benötigen lediglich ein Paypal Konto, dahinter ist eine Kreditkarte oder ein Konto hinterlegt. „21 Prozent aller von Paypal im Jahr 2017 abgewickelten Zahlungen waren grenzüberschreitend“, sagt Pressesprecherin Sabrina Winter. Der Vorteil dort ist die Schnelligkeit des Transfers.
Facebook und Whatsapp Payments bieten ebenfalls Zahlungsverkehr an, bisher allerdings noch nicht in Deutschland. In den USA und Kanada ist das Bezahlen per Messenger bereits möglich, in Indien wird gerade Whatsapp Payment eingeführt. Einfachheit sei ein Vorteil bei diesen Diensten.

„Sie sind bei den meisten Menschen ohnehin täglich mehrfach im Einsatz“, sagt Felix Beilharz, Berater für Online- und Social Media Marketing. Keine weitere App müsse geladen, keine neue Nutzeroberfläche einstudiert werden. „Das sind beste Voraussetzungen für die beiden Dienste“, glaubt der Experte.

Beim mobilen Bezahlen lohnt auch ein Blick in die Schwellenländer. Die Dienste des Unternehmens M-Pesa aus Kenia etwa wurden schon nach kurzer Zeit in mehreren afrikanischen Ländern genutzt. Die Nutzer laden Guthaben auf die Handy-SIM-Karte und können dann Überweisungen tätigen oder sich Bargeld auszahlen lassen.

Auslandsüberweisung per Bitcoin

Die Erfolgsgeschichte aus Kenia findet zunehmend Interesse, weil viele dort kein Konto besitzen, Mobiltelefone sind jedoch weit verbreitet. Die Kosten für die Transaktion liegen etwa bei ein bis zwei Prozent des Geldbetrags. Etablierte Geldhäuser nehmen die Konkurrenz ernst. Die Deutsche Bank etwa kauft sich bei Modo Payments ein, einem Dienstleister für mobiles Bezahlen.

Das Geldhaus hat sich mit einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag einen Anteil von zehn Prozent an dem US-Startup gesichert. Mit der Beteiligung an dem Dienstleister wollen sich die Frankfurter im Wettbewerb mit Diensten wie M-Pesa aus Kenia oder Alipay und Wechat in China behaupten.

Milliardenschwere Geldtransfers

Fintechs und Reformen rütteln am lukrativen Geschäft mit Heimatüberweisungen


Kryptowährungen wie Bitcoins können ebenfalls für Auslandsüberweisungen genutzt werden. Veronika Kütt von der Frankfurt School of Finance beobachtet, dass ihre Nutzung in Staaten mit hoher Inflation schon heute zunimmt. „In Venezuela und Simbabwe werden Kryptowährungen zunehmend gekauft und auch genutzt“, sagt Kütt.

Jannik Krone, Mitautor der Studie zu Heimatüberweisungen von Südwind, ist überzeugt: „Die Zukunft geht dahin, dass wir durch neue Technologien Heimatüberweisungen optimieren können. Dabei geht es zum Beispiel um mobile Bezahlsysteme und Blockchains.“ Die Blockchain ist die Technik, auf der Bitcoins beruhen.

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Aber auch in diesem Bereich sind die etablierten Geldhäuser nicht untätig. Die Firma Ripple, die für Banken Zahlungsverkehr-Systeme auf Blockchain-Basis entwickelt, hat bereits mehr als 100 Kunden.

Angesichts der neuen Technologien und Konkurrenten ist klar: Ob Auslandszahlungen bald noch von den Banken und Traditionsanbietern abgewickelt werden, oder von ganz neuen Spielern, ist offen. Die Kunden rund um den Erdball dürften von dem Wettstreit um die Zukunft profitieren.

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