Cum-Ex-Skandal: „Wir waren gierig, wir wollten immer mehr Geld“ – Kronzeuge packt gegen Hanno Berger aus
Der Steueranwalt Hanno Berger sitzt in Untersuchungshaft und blickt einer womöglich langen Haftstrafe entgegen. Das liegt auch an den Aussagen eines ehemaligen Kanzleipartners.
Foto: dpaBonn. Der Zeuge würdigt den Angeklagten keines Blickes. Es ist kurz nach zehn Uhr, als Benjamin Frey (Name geändert) den Saal S 0.11 des Landgerichts Bonn betritt, flankiert von seinen Verteidigern Alfred Dierlamm und Tido Park.
Kaum erscheint der schlanke 50-Jährige in seinem schmal geschnittenen dunklen Anzug im Raum, wird er schon von Hanno Berger ins Visier genommen. Unentwegt fixiert Berger seinen einstigen Ziehsohn mit Blicken. Doch der schaut nur geradeaus.
2001 lernten sich die beiden in der internationalen Großkanzlei Shearman & Sterling kennen. Berger war schon Staranwalt, Frey Berufsanfänger. Gemeinsam wechselten sie in eine andere Kanzlei, 2010 machten sie sich selbstständig.
Mit Cum-Ex-Geschäften verdienten sie Millionen. Die Beteiligten ließen sich dabei Steuern erstatten, die sie gar nicht gezahlt hatten. Frey über ihre damalige Selbsteinschätzung: „Wir dachten, wir wären die Größten.“
2012 wurde ihre Kanzlei durchsucht. Berger floh in die Schweiz. Frey versuchte, eine gemeinsame Verteidigungslinie zu halten. 2014 standen acht Beamte in seinem Haus. Frau und Tochter weinten, als die Ermittler stundenlang nach Beweisen für Steuerhinterziehung suchten.